Wie schnell öffnet sich der Muttermund?
28 Mar 2011 3 Kommentare
in Geburt, Uncategorized, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Öffnung der Cervix, Öffnung des Muttermunds, Baby, Cervix, Geburtsdauer, Geburtsfortschritt, Muttermund, Pitocin, vaginale Untersuchungen, Verstreichen
Der Muttermund ist 2 (1,3,4,5,x,…) cm geöffnet, wie lange dauert es noch? Das ist wahrscheinlich eine der 1 Million-Euro-Frage der Geburtshilfe. Welche Frau in den Wehen, welcher begleitender Partner, aber auch welche Hebamme, würde da nicht gerne die Antwort wissen?
Wie weit der Muttermund geöffnet ist, wird während der Geburt akribisch im Partogramm festgehalten. Das Partogramm dient dazu, zu erkennen, ob die Geburt im “normalen” zeitlichen Rahmen abläuft oder nicht, und ob dann medizinische Maßnahmen getroffen werden müssten, um eine Schädigung von Mutter und Kind zu verhindern. Für die genaue Feststellung der Öffnung werden die Gebärenden immer wieder vaginal untersucht. Näheres zu den Folgen, die diese Untersuchung haben kann, könnt ihr hier nachlesen.
Studie zur Variabilität der Öffnung des Muttermundes bei Erstgebärenden
Im Journal “Birth – Issues in Perinatal Care ” wird die Studie Variability in Rate of Cervical Dilation in Nulliparous Women at Term vorgestellt. In dieser Studie wurde der Frage nachgegangen, welche Öffnungsgeschwindigkeit des Muttermundes (Cervix) denn ”normal” ist. Denn nur wenn die “normale” Öffnungsgeschwindigkeit bekannt ist, kann eine sinnvolle Aussage bez. einer Abweichung gegeben werden. Dazu wurde die Variabilität der Öffnungsgeschwindigkeit der Cervix von Erstgebärenden festgehalten. Außerdem sollte bestimmt werden ob diese Öffnungsgeschwindigkeit von der Öffnung der Cervix, im Moment der Ankunft im Krankenhaus, abhängig war.
“Methode: Untersucht wurden Erstgebärende mit spontanen Term-Geburten. Die Babys lagen mit dem Kopf nach unten und waren Einlinge (keine Zwillinge oder Mehrlinge). Ausgeschlossen wurden Geburten vor der 37 igsten Woche und Geburten bei denen eingeleitet wurde oder mindestens ein Kaiserschnitt vorangegangen war. Das Geburtsmanagement war standardisiert worden:
- Aktive Wehen wurden bei einem regulären Wehenabstand
- Vaginale Untersuchungen wurden alle 2 Stunden durchgeführt.
- Die Fruchtblase wurde bei langsamen Geburtsfortschritt oder einer Pause der Cervixöffnung ab 2 Stunden gesprengt.
- Schritt die Öffnung der Cervix in den nächsten 2 Stunden nach der Blasensprengung nicht voran, so wurde Pitocin (Wehenmittel) gegeben.
- Kam es nicht zu einer spontanen Geburt, so wurden die Daten bis zum Beginn eines Kaiserschnitts erhoben.
Ergebnisse: In der Studie wurden insgesamt 1,119 Frauen in der 39.7 ± 1.1 Woche aufgenommen. Die Geburten dauerten ab Aufnahme im Krankenhaus und Vorhandensein von aktiven Wehen durchschnittlich 4.1 ± 2.4 Stunden. Der Anteil der Pitocingaben bei den Geburten lag bei 27 %, PDAs wurden bei 5 % eingesetzt. Die Pitocinrate war umso höher, je geringer die Eröffnung des Muttermunds bei Aufnahme ins Krankenhaus war. Bei 6% der Geburten wurde ein Kaiserschnitt gemacht.
Die Dauer der Geburt in Abhängigkeit von der Eröffnung der Cervix bei Aufnahme ins Krankenhaus zeigte immer eine breite Verteilung (z. B. , bei 4 cm Öffnung eine mittlere Geburtsdauer von 5.5 Stunden, die kürzeste Dauer aber nur 0,8 Stunden, die längste 12,5 Stunden). Die Öffnungsgeschwindigkeit betrug im Durchschnitt 1,5 cm pro Stunde und zwar unabhängig von der tatsächlichen Öffnung im Moment der Aufnahme in die Klinik. Ab ca. 9 cm konnte eine Beschleunigung der Öffnung festgestellt werden.
Zusammenfassung: In dieser Studie mit Erstgebärenden bei Geburt am erwarteten Termin, war die Geschwindigkeit der Öffnung des Muttermunds hoch variabel und unbeeinflusst von der Öffnung bei Aufnahme in der Klinik. (BIRTH 38:1 March 2011)”
Die große Unterschied zwischen den einzelnen Geburtslängen ist sehr groß und verblüfft. Es wird leicht klar, dass während einer Geburt, Zeitangaben nur ohne großen Wirklichkeitsgehalt gemacht werden können. Auch die Festlegung auf eine “normale” Öffnungsgeschwindigkeit ist nicht möglich. Es sind zwar Durchnittsangaben möglich, aber normal darf eben nicht mit dem Durchschnitt verwechselt werden.
Weiterhin finde ich bei dieser Studie bedenklich, dass aufgrund des festgelegten Managements, bei 27% der Geburten zu Pitocin gegriffen werden musste (vermehrt bei geringeren Öffnung der Cervix, bei der Aufnahme in die Klinik). Können bei einer künstlichen Beschleunigung von etwas mehr als einem Viertel der Geburten, noch “normale” Werte erhoben werden? Ging es nicht darum, normale Werte festzulegen? Ist wirklich davon auszugehen, dass ansonsten, d.h. bei 27% Prozent Erstgebärender, Kopflagen, Einlinge, bei Term, nicht eingeleitet, Schaden an Mutter oder Kind zu erwarten gewesen wären?
Siehe auch: Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? Teil 1 und Teil 2
Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? – Teil 2
16 Dez 2010 1 Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Baby, Cervix, Einleitung, Friedman Kurve, Geburt, Geburtsfortschritt, Muttermund, Oxytocin, Pitocin, Wehen, Wehenmittel
Wie kommt es zu einer Wehe (Kurzbeschreibung)
Die körperlichen Zutaten:
Die wichtigste Zutat für eine Wehe ist, natürlich neben der schwangeren Frau um den ET herum, wohl das Hormon Oxytocin. Dieses Hormon regelt ganz vieles in unserem Körper, näheres hier: WIKIPEDIA . Oxytocin begleitet uns durch unser ganzes Leben und ist schon während der gesamten Schwangerschaft vorhanden, aber es kann keine Wehen lösen, denn es fehlt noch eine ausreichende Anzahl an Oxytocinrezeptoren am Uterus. Erst wenn davon genug gebildet sind, reagiert der Uterus auf das Hormon mit Kontraktionen = Wehen. Diese beginnen oben, am Fundus der Gebärmutter und setzen sich nach unten fort. Gebildet wird Oxytocin vor allem im Gehirn und zwar pulsierend im Hypothalamus, aber auch in anderen Geweben, wie den Eierstöcken und dem Uterus selbst. Auch vom Baby wird Oxytocin gebildet und zwar relativ viel, so ist der Oxytocingehalt des Blutes in der Nabelschnur höher, als im, mit mütterlichem Blut gefüllten, intervillösen Raum zwischen der Plazenta und Uterus.
Wir nehmen nun an, die Geburt hat begonnen, dann
drückt der Babykopf von innen auf die Cervix, so gibt es bestimmte Nervenimpulse, die dazu führen, dass pulsierend vermehrt Oxytocin vom Hypothalamus ins Blut abgegeben wird. Dies verstärkt die Kontraktionen, dies drückt den Babykopf (oder P0p0) stärker gegen die Cervix, dies sendet über Nervenleitungen den Impuls an den Hypothalamus mehr Oxytocin auszuschütten, die Wehen werden verstärkt, dies drückt den Babykopf stärker auf die Cervix, dies sendet über Nerv…. usw, usw. - Es ist ein sich selbst verstärkender Regelkreis.
Damit sich die Cervix öffnen kann, muss sie dazu bereit sein. Deswegen wird bei einer künstlichen Einleitung erst durch ein Medikament die Bereitschaft der Cervix hergestellt und dann erst per Tropf das Wehenmittel gegeben. Durch die Gabe von Wehenmitteln wird das Gefälle des Oxytocingehaltes des Blutes vom Baby zur Mutter umgedreht. Ob dies etwas und was dies evtl. bewirkt, ist unbekannt. Wird nun noch eine PDA gesetzt, so fällt nun die Impulssendung von Nerven von Cervix und Vagina an den Hypothalamus aus (kein Gefühl mehr), und der verstärkende Regelkreis ist unterbrochen. Deswegen sind Gaben von künstlichen Oxytocin bei der PDA ganz normal.
Die Ausschüttung von Oxitocin ist nicht nur rein körperlich geregelt, sondern wird auch von unseren Gefühlen beeinflusst.
- sich sicher fühlen
- geschützte Privatsphäre
- gedämpftes Licht
- Ruhe
- von Leuten umgeben sein, die man kennt
- angenehm berührt werden
- angenehme Umgebung
- entspannt sein
Oxytocin-Ausschüttung hindernde Umgebung/Situation:
- sich gefährdet, ungeschützt fühlen
- sich beobachtet fühlen
- helles Licht
- Lärm
- von Fremden umgeben sein
- gefragt werden
- unangenehme Umgebung
- denken sollen
Der Verlauf der Wehen
Die Kontraktionen werden nach Dauer und Abstand gemessen. In der Latenzphase der Eröffnungsperiode (Cervix bis 3 cm) werden Wehen ab einer Dauer von 1 Minute und einem Abstand von max. 5 Minuten als effektiv angesehen. In der Aktivitätsphase (Cervix 3-10 cm) der Eröffnungsperiode sollen die Wehen in einem Abstand von 2-3 Minuten kommen. Es wird von dieser Sichtweise also angenommen, dass Wehen, die nur 1 bis 2 mal in 10 Minuten auftreten, nicht effektiv sind.
Doch die Realität beweist immer wieder das Gegenteil.
Die Stärke der Wehen
Dies ist nicht einfach zu beurteilen, wenn überhaupt. Kennt die Hebamme die Schwangere schon und ist von Geburtsbeginn an dabei, ist es leichter, dann können ihr das Verhalten der Frau und einige andere Zeichen (siehe hier) gute Hinweise geben. Die Effektivität einer Wehe danach zu beurteilen, wie die Öffnung der Cervix voranschreitet, ist einmal an die Untersuchung der Cervix, mit ihren Nachteilen verbunden, zum anderen bewirken Wehen auch noch etwas anderes als Munttermundsöffnung, wie das Drehen des Babys in eine gute Geburtspositon, z. B. bei einem Baby in hinterer Hinterhauptslage. Außerdem öffnet sich die Cervix nicht unbedingt gleichmäßig, sondern oft sprunghaft.
Es gibt kaum etwas demotivierenderes für eine Gebärende, als wenn ihr nach einigen Wehen, die sie als extrem stark und alle Kraft raubend erlebt hat, gesagt wird, dass diese Wehen wohl noch nicht effektiv genug sind.
Zusammenfassung
CTG´s und Handauflegen zeigen nur an, wann und wie lange eine Wehe auftritt. Über die tatsächliche Stärke kann nur die Gebärende eine sinnvolle Aussage machen. Bei einer natürlichen Geburt sollte erstmal davon ausgegangen werden, dass die Wehen angemessen für diese Geburt, diese Mutter und dieses Baby sind.
Ein Idealbild als Maßstab zu nehmen, verbessert kaum das Ergebnis, führt aber häufig zu nicht notwendigen Eingriffen. Ist eine vaginale Geburt nicht möglich, so zeigt sich dies entweder an, von der Mutter als kräftig empfundenen, sich über Stunden hinziehenden Wehen, ohne jeden Geburtsfortschritt oder Änderung der Position des Babys, oder an dem Verhalten der Mutter. Die Herzrate des Babys wird zudem einen Hinweise auf Probleme geben und die Mutter hat vielleicht das Gefühl, dass irgendwas falsch läuft.
Manchmal ist jedoch das Geburtshindernis nicht körperlich, sondern emotional und eine bessere Umgebung (s.o. oxytocinfördend), oder das Ansprechen von Sorgen und Ängsten können die Geburt wieder voranschreiten lassen.
Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? Teil 1
15 Dez 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Friedman Kurve, Geburt, Geburtsfortschritt, Kaiserschnitt, Pitocin, vaginale Untersuchungen, Wehen

Abb.: Cardiotokograph, rechte Krakellinie bildet die Aktivität der Gebärmutter ab
Unter einer guten Wehe wird meist eine Wehe verstanden, welche die Geburt voranbringt. Von außen ist dies ja überhaupt nicht sichtbar. Handauflegen ist nicht besser und auch dieser Aufnahmeknopf, verbunden mit Gürtel und Drähten zu einem Drucker, der dann imposante Papierstreifen mit bunten Linien produziert (Cardiotokograph ,CTG, zu Deutsch Herzton-Wehen-Schreiber, ist ein medizinisches Gerät welches zum einen die Herztöne des Ungeborenen und zum anderen die mütterlichen Wehen aufzeichnet), sagt nicht wirklich, wie effektiv eine Wehe ist. Darauf aufbauende Aussagen darüber, wie lange die Geburt noch dauert, ist nur technisierte Kaffeesatz-Leserei. Woher weiß man denn dann, ob eine Wehe “gut ” ist, oder nicht? Rachel Reed hat sich dazu in einem Beitrag in ihrem Blog ausführlich damit beschäftigt: „“The effective Labor contraction\„ :
Erstmal ein kurzer Geschichtsrückblick
Wir können davon ausgehen, dass schon immer ein gewisses Wissen über die Geburt und ihre Abläufe die Menschheit begleitet hat. Dass eine Geburt aber effizient sein sollte, findet man in von Männern geschriebenen Büchern ab dem 17 Jahrhundert. Dies ist auch die Zeit in der diese das Feld der Geburtshilfe für sich entdeckten. Um einen Fuß in die Geburtskultur zu bekommen, wurden erstmal die Hebammen und ihr Können verunglimpft. Die Geburt sollte nun einem Idealbild mit geregelten Phasen und (kurzen) Zeiten entsprechen. Das Instrument mit dem sich die neuen männlichen Geburtshelfern von den Hebammen abgrenzten, war ,vor allen anderen, die Zange. Dieses mechanische Hilfsmittel wurde von ihnen fast immer und sobald wie möglich eingesetzt. Bessere Ergebnisse bei den Geburten konnten sie nicht vorweisen, im Gegenteil. Doch findet sich noch heute einiges von dieser Einstellung, hier nur ein Beispiel: die Friedmankurve.
Das Erbe der Friedman Kurve
Eine moderne Basis der Beurteilung des Geburtsfortschritts bot die Friedman Kurve (Hier ist ein Gynäkologe gemeint, nicht der Volkswirtschaftler Milton Friedman). In den 1954 wurde sie von Friedman, anhand seiner Beobachtung von 100 Geburten, entwickelt. Die gebärenden Frauen wurden jede Stunde rectal untersucht und die Eröffnung der Cervix notiert. Er stellte fest, dass bei Frauen, bei denen eine schnelle Öffnung der Cervix notiert worden waren, seltener ein Eingriff (z. B. Kaiserschnitt) gemacht wurde, als bei Frauen mit langsamerer Öffnung. Er warnte jedoch davor, seinen Graphen als Instrument zur Vorhersage oder als Basis von Eingriffen zu verwenden. Doch genau dies geschah. Entspricht die Geschwindigkeit der Eröffnung nicht der Friedmankurve, so kommen schnell chemische Mittel (Pitocin) zur Wehenbeschleunigung oder angeleitetes Pressen ohne Pressdrang, zum Einsatz. Es wird also davon ausgegangen, dass die tatsächlichen Wehen nicht die besten Wehen für diese Frau und ihr Kind sind, sondern zu schwache und dass sie deswegen künstlich verstärkt werden müssen.
Zur Zeit wird die Friedmankurve und ihr Einsatz als Maß heiß diskutiert. Viele Studien zeigen, dass die durchschnittliche Geburtsdauer länger wäre und dass auch langsamere Geburten nicht unbedingt ein Zeichen für Probleme für Mutter und Kind sind, sondern die Anwendung der Friedmankurve als Maß einer guten Geburt zu vielen, evtl unnötigen Eingriffen (Wehenbeschleunigung, angeleitetes Pressen, Kaiserschnitt…) führt.
Es folgt Teil II
Wie weit ist meine Cervix eröffent? – Bilder unterstützen die Vorstellungskraft
15 Dez 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Verstreichen
Cheerio
…
Bananenscheibe
…
Kräcker
…
…
Dose
…
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…
Bagel
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Was zum Schmunzeln : )
Quelle: http://community.babycenter.com/post/a15928915/cervical_dilation_chart…i_just_love_visual_aids_lol
Studie zur Purpurnen Linie, als Alternative zu vaginalen Untersuchungen
29 Okt 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Geburt, Geburtsfortschritt, Infektionsrisiko, Polinie, vaginale Untersuchungen
Es freut mich, dass endlich die Beachtung der purpurnen Linie, als Alternative zu vaginalen Untersuchungen bei der Geburt in einer Studie untersucht wurde. Diese Methode habe ich in meinem Artikel “ Alternativen zu Vaginalen Untersuchungen“ schon vorgestellt.
Geburtshelfer haben das Entstehen einer purpurnen Linie, poaufwärts, während der Geburt festgestellt. Und so manche Hebamme hat die Länge dieser Linie, als Maß für den Fortschritt der Geburt verwendet, um Vaginale Untersuchungen zu vermeiden. Vaginale Untersuchungen sind im Vergleich invasiver, können den Geburtsfortschritt stören, Infektionen Richtung Gebärmutter befördern (siehe auch) und sind in ihrer Genauigkeit nicht so absolut, wie man es sich üblicher Weise vorstellt (48-56% Genauigkeit).
In der Studie The purple Line as a measure of labour progress: a longitudinal study , von Shepherd A., Cheyne H., Kennedy S., McIntosh C., Styles M. und Niven C., vom Department of Nursing and Midwifery der University of Stirling, wurde der Frage nachgegangen, bei wie vielen Fraenn denn eine solche Linie auftritt, diese deutlich und messbar ist und, falls dies der Fall ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Länge der Linie und der Öffnung der Cervix und/oder des Tiefertreten des kindl. Kopfes gibt.Die Autoren der Studie kamen zum Ergebnis, dass diese purpurne Linie bei vielen Frauen auftritt (76%) , und es einen Zusammenhang gibt, zwischen ihrer Länge und der Öffnung des Muttermundes und der Station des kindl. Kopfes im Becken. Bei den Frauen, bei denen die Linie auftritt, kann sie als nützlicher Hinweis, zusätzlich zu anderen, auf den Geburtsfortschritt verwendet werden.
Vaginale Untersuchung – Notwendig oder schädlich? Teil 2
17 Aug 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Einleitung, Fruchtblase, Geburt, Geburtsfortschritt, Infektionsrisiko, manuelle Einleitung, Muttermund, Pitocin, vaginale Untersuchungen, Verstreichen
(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch “The Doula Guide to Birth ” von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)
Muss man immer genau wissen, wie weit der Muttermund verstrichen oder geöffnet ist?
Nein, aber das hängt natürlich von der Situation ab. Vaginale Untersuchungen in der Schwangerschaft können ein Problem des Muttermundes aufdecken, wie verfrühtes Verstreichen und Öffnen. Darauf kann dann entsprechend reagiert werden (evtl. mehr Ruhe für die Schwangere, Krankenhauseinweisung, Tokolytika …).
Nach dem 8.Monat der Schwangerschaft wird nicht mehr zu diesen die Schwangerschaft verlängernden Maßnahmen geraten. Auch ist ein verstrichener, sogar ein leicht geöffneter Muttermund nicht immer das Zeichen, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht. Dieses Verstreichen und Öffnen kann sich sogar über Wochen hinziehen. Eine andere Geburt beginnt mit Wehen bei völlig geschlossenem Muttermund und dieser kann sich dann sogar sehr schnell öffnen. Aussagen über den weiteren Verlauf sind daher schwierig. In den letzten Wochen der Schwangerschaft ist also schon darüber nachzudenken, ob die Vorteile einer vaginalen Untersuchung tatsächlich die Nachteile (steigendes Infektionsrisiko) überwiegen.
Heute werden viele Schwangerschaften eingeleitet (vielleicht wird das Thema Geburtseinleitung einer meiner nächsten Posts, deshalb geht es einfach mit den vaginalen Untersuchungen weiter). Damit nicht sozusagen blind und evtl sogar unnotwendigerweise eingeleitet und Medikamente gegeben werden, sondern dies auf die jeweilige Frau und ihre Geburt abgestimmt werden kann, werden dazu einige Parameter erhoben. Ein ganz wichtiger ist der genaue Zustand der Cervix und dann, im Verlauf der Behandlung, deren Veränderung. Ähnliches gilt für viele weitere Eingriffe in den Geburtsverlauf, wie z.B. im Fall einer PDA.
Manchmal wird vor einer chemischen Einleitung ganz bewusst auf die Reizung des Muttermundes während einer vaginalen Untersuchung gesetzt, auch mit Lösung der Eihäute um den Muttermund herum (Eipollösung). Dieses kann den gewünschten Beginn der Geburt mit Wehen stimulieren (manuelle Einleitung). Es kann jedoch ebenso dazu führen, dass die Fruchtblase bald darauf platzt, aber noch keine Wehen einsetzen. Dies ist dann, wegen der Infektionsgefahr, eine eher unerwünschte Situation für die werdende Mutter.
Es lohnt sich also vor einer vaginalen Untersuchung immer nachzufragen:
- warum ist die Untersuchung nötig
- kann man damit noch abwarten – wie lange
- was passiert, wenn man jetzt nicht über den Zustand der Cervix Bescheid weiss
Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Hinweisen im Verlauf einer natürlichen Geburt , aus denen geschlossen werden kann, wie weit diese schon voran geschritten ist
es folgt: Alternativen zur Vaginalen Untersuchung
Vaginale Untersuchungen – Notwendig oder schädlich Teil 1
16 Aug 2010 1 Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Endometritis, Friedman Kurve, Fruchtblase, Geburt, Geburtsfortschritt, Gruppe B Streptokokken, Muttermund, vaginale Untersuchungen
(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch “The Doula Guide to Birth ” von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)
Vaginale Untersuchungen erleben alle schwangeren Frauen als etwas, das zum Schwangersein und zum Gebären dazugehört. Egal wie man sie empfindet, in der Regel werden sie als notwendig akzeptiert.
Zu Beginn der Schwangerschaft werden die Ultraschalluntersuchungen vaginal durchgeführt und dann, im Verlauf der Schwangerschaft, die Beschaffenheit und Länge der Cervix (Muttermund) vaginal untersucht. Am Ende der Schwangerschaft werden vaginale Untersuchungen besonders häufig angewandt. Arzt/Ärztin oder Hebamme führen routinemäßig ihre behandschuhten Finger in die Vagina der Schwangeren ein, um Veränderungen der Cervix, die dem Beginn der Geburt vorausgehen, feststellen zu können. Während der Geburt wird dann regelmäßig per vaginaler Untersuchung geprüft, wie weit die Geburt voran geschritten ist.
Dabei fallen Sätze wie:
“Der Muttermund ist zu 80% verstrichen”
Das Verstreichen bezeichnet das Dünner-und Weicherwerdens des Muttermundes und wird normalerweise in Prozent angegeben. 80% verstrichen bedeutet, dass die Cervix zu 80% verstrichen ist, relativ zum völligen Verstreichen, und noch um 20% mehr verstreichen sollte. Das Verstreichen kann der Öffnung des Muttermundes vorausgehen. Beides kann aber auch gleichzeitig geschehen.
“Der Muttermund ist (erst/schon/nur) 3 cm geöffnet”
Damit das Baby geboren werden kann, muss sich zuvor der Muttermund öffnen. Wie weit die Cervix geöffnet ist, wird in der Regel mit der Anzahl der Fingerspitzen abgeschätzt, die tatsächlich in die Öffnung gesteckt werden können. 3 cm geöffnet, heißt also dass 3 Finger nebeneinander in den Muttermund passen, 10 cm bedeutet dass der Muttermund völlig geöffnet ist. Die Hinzufügung von Worten, wie schon oder erst, beinhalten eine Bewertung, diese hängt davon ab, was vom Untersuchenden als normal angesehen wird.
Häufig werden die vaginalen Untersuchungen dazu verwendet, um Aussagen darüber zu machen, wie lange es noch dauert, bis das Baby geboren wird. Dummerweise gibt es viele Faktoren von denen die Dauer der Geburt beeinflusst wird. Die Öffnung der Cervix ist nur einer davon und jede Frau (und ihre Cervix) braucht ihre eigene Zeit. In vielen Krankenhäusern verwendet man zum Einschätzen der Geburtsdauer immer noch die inzwischen als unrealistisch erkannte Friedmann Kurve. Verläuft die Öffnung des Muttermundes langsamer als in der Friedmann Kurve angegeben, dann wird oft zu künstlicher Steigerung der Wehenstärke (Pitocin) geraten.
Vaginale Examen sind oft unangenehm. Dies gilt besonders unter Wehen. Viele Mediziner und auch Hebammen verlangen von der Gebärenden, dass sie sich dazu auf den Rücken legt. Dies ist eine in der Geburt oftmals extrem schmerzhafte Position, besonders wenn die Wehenschmerzen vor allem im Rücken gespürt werden. Zudem sollten sich die Gebärenden während der Geburt auf dem “Geburtsplaneten” befinden, d.h. in einer Art Trance. Dieser Zustand ist sehr förderlich für eine gute Geburt. Regelmäßige vaginale Check-ups unterbrechen diese Trance und es wird für die Mütter schwerer die Wehen zu verarbeiten dadurch werden diese als schmerzhafter und anstrengender empfunden.
Vaginale Untersuchungen können Schaden anrichten
Das ist für viele auf den ersten Blick völlig überraschend. Unangenehm und evtl. störend das schon, aber wirklich gefährlich? Ja, tatsächlich und das lässt sich leicht erklären:
In unserer Vagina gibt es eine Bewegung von Vaginalschleim vom Muttermund Richtung draußen. Keime werden also immer vom Muttermund weg transportiert. Ganz gegensätzlich ist die Bewegungsrichtung bei einer vaginalen Untersuchung. Alles das, was in die Vagina eingeführt wird, egal ob mit Handschuh oder ohne, schiebt Keime vom äußeren unseres Körpers nach innen und nach oben zum Muttermund. Unser Körper ist von vielen Bakterien besiedelt und alle haben ihren speziellen Platz. Manche davon sind ungefährlich , andere aber gefährlich, vor allem wenn sie an Stellen kommen, wo sie normalerweise nicht hingehören. Dann kann es zu einer Infektion von Mutter oder Baby kommen, besonders nachdem die Fruchtblase geplatzt ist (oder geöffnet wurde). Wegen diesem Entzündungsrisiko wird der Schwangeren Frau ein zeitliches Limit gesetzt. Wie groß dieses Zeitfenster ist, indem sie ihr Kind gebären muss, hängt vom jeweiligen Arzt/Krankenhaus ab.
Deshalb vermeide Vaginale Untersuchungen (vor der Geburt und in der Geburt), wenn deine Fruchtblase nicht mehr intakt ist, wenn du ein zusätzliches Infektionsrisiko vermeiden möchtest!
Vaginale Untersuchungen begünstigen auch das vorzeitige Platzen der Fruchtblase, denn hereingebrachte Keime können diese infizieren und schwächen. Noch problematischer ist dies, wenn die Mutter von Gruppe-B-Streptokokken (GBS) besiedelt ist. Diese Keime können besonders für Frühgeborene gefährlich werden. Außerdem haben sie die Fähigkeit, dass sie, wenn sie zum Muttermund gelangen und diesen passieren können, bei geöffneter Fruchtblase das noch nicht geborene Baby infizieren können. Bei der Mutter können sie v.a. bei Kaiserschnitt eine uterine Infektion, eine Endomitritis hervorrufen.
Aber was soll ich denn tun, wenn ich vaginal untersucht werden soll? Kann ich wirklich einfach “Nein” sagen?
Ja, du kannst. Eine vaginale Untersuchung ist ein Eingriff, den du erlauben kannst aber nicht musst.
Wie soll denn der Arzt, die Ärztin/Hebamme und dann ich wissen wie weit ich bin?
Erst mal: Muss man immer genau wissen, wie weit der Muttermund verstrichen oder geöffnet ist?
es folgt Teil 2





