Wunschgeburt natürliche Geburt – IV. Vermeide Eingriffe, die nicht medizinisch notwendig sind
13 Sep 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt Schlagworte: Baby, Bewegung, Einleitung, Fruchtblase, Geburt, Geburtsposition, Herzschlag, Kaiserschnitt, natürliche Geburt, natürliche Schmerzlinderung, PDA, Periduralanästhesie, Schmerzen, Schmerzmittel, Wehen
Eingriffe (oder auch Interventionen) in einer Geburt sind Maßnahmen oder Behandlungen, die dazu da sind, Probleme zu finden, ihnen vorzubeugen oder sie zu beheben. Natürlich sind sie manchmal notwendig. Aber oft werden sie routinemäßig bei allen Geburten durchgeführt, egal ob sie in der jeweiligen Geburt notwendig sind oder nicht.
Alle Eingriffe haben auch Nebeneffekte und Risiken und sei es nur diese, dass sie die Frau in ihrer Geburtsarbeit unterbrechen und damit den Ablauf stören, ihn schwieriger und komplizierter als nötig machen. Aus diesen Gründen ist es das Beste, einen Eingriff nur dann durchzuführen, wenn die Frau und der Geburtshelfer davon überzeugt sind, dass die zu erwartenden positiven Ergebnisse die möglichen Risiken überwiegen und wenn klar ist, dass ein weniger risikoreicher Eingriff nicht ausreichend effektiv sein wird. Einen Eingriff anzuwenden, ohne dass wirkliche Verbesserungen damit für den Geburtsverlauf erwartet werden können, machen eine Geburt weniger sicher aber schwieriger. Suche deshalb, wenn du die Möglichkeit hast zu wählen, einen Geburtsort aus, an dem Eingriffe nur dann vorgenommen werden, wenn sie medizinisch notwendig sind und nicht weil “man das immer so macht”.
Die häufigsten Interventionen
Die gebräuchlichsten Eingriffe während einer Geburt sind: IV-Zugang zur Flüssigkeitsversorgung, Dauerüberwachung der kindlichen Herztöne, chemische Einleitungen, Sprengen der Fruchtblase , PDA, Dammschnitt. All diese Eingriffe haben Nebeneffekte und Forschungsergebnisse unterstützten nicht die routinemäßige Anwendung bei gesunden Frauen während der Geburt.
Flüssigkeitsversorgung durch IV: Die Geburt ist leichter und sicherer, wenn die Frau ausreichend mit Flüssigkeit, Kalorien und Elektrolyten versorgt ist. Am einfachsten wird dies für die meisten Frauen durch Essen und Trinken gewährleistet. Aber in manchen Kliniken wird den Gebärenden Essen und Trinken verboten und die notwendigen Nährstoffe und Flüssigkeiten werden intravenös gegeben.
Es gibt keine Beweise, dass die Versorgung durch einen intravenösen Zugang sicherer für die Frau ist. Und viele empfinden eine IV als schmerzhaft und unangenehm. Ein intravenöser Zugang macht es schwieriger sich frei zu bewegen und versorgen die Frau nicht unbedingt mit der Mischung an Flüssigkeit, Elektrolyten und Nährstoffen die diese gerade jetzt braucht.
PDA: Die PDA vermindern die Schmerzen gut und machen es den allermeisten Frauen viel einfacher die Schmerzen zu ertragen. Aber sie macht oft auch die Geburt viel komplizierter. Forschungsergebnisse zeigen, dass es dem Baby schwerer fällt sich in die richtige Geburtsposition einzustellen. Auch den Frauen fällt es oft schwerer sich zu bewegen, manchmal geht es überhaupt nicht. Durch das verminderte Gefühl in der Bauchregion wird das Mitpressen meist erschwert und es kommt häufiger zu einer operativen vaginalen Entbindung mit Zange oder Saugglocke.
Für Frauen mit einer besonders langen und anstrengenden Geburt ist eine Schmerzlinderung wichtig, um eine vaginale Geburt zu ermöglichen. Dazu gibt es eine ganze Reihe nicht medikamentöser Methoden, die ebenfalls sehr wirksam sind und diese helfen der Geburt meist voran und bauen keine neuen Hürden auf, z. B. Bewegung, Veränderung der Position, eine heiße Dusche, Eintauchen in Wasser, Massage und ähnliches, Atmungs- und Entspannungstechniken.
Ununterbrochene fetale Überwachung: Die dauernde Überwachung der kindlichen Herztöne wurde eingeführt, weil man sich davon erhoffte, dass mehr Informationen über die Herztätigkeit des Babys dem Geburtshelfer zeigen werden, welches Baby in Schwierigkeiten durch die Geburt geraten ist und per Kaiserschnitt geholt werden muss, bevor die Lage des Kindes noch schlechter wird. Aber viele Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die ununterbrochene fetale Überwachung, in als risikoarm eingestuften Geburten, nicht zu gesünderen Babys führt, sondern die Wahrscheinlichkeit einer Kaiserschnittgeburt verdoppelt. Es macht außerdem die Geburt zu einer high tech Angelegenheit. Die Beweglichkeit der Frau wird erschwert und lenkt die Aufmerksamkeit der Geburtsbegleiter weg von der Gebärenden, hin zu einer Maschine, bzw zu einem Papierstreifen.
In vielen Geburten ist das Abhören der Herztöne in bestimmten Abständen, genauso sicher für das Baby und sicherer für die Mutter. Zudem ist es viel weniger störend.
Beschleunigen der Geburt mit Wehenmitteln: Eine schnellere Geburt zu haben, hört sich vielleicht gut an, aber schneller ist nicht unbedingt leichter oder sicherer. Das gilt besonders bei dem Einsatz von einem Wehenbeschleuniger wie dem künstlichen Oxytozin. Dieses wird meist über einen intravenösen Zugang gegeben. Die Wehen werden dadurch meist länger, stärker und häufiger. Dadurch werden sie auch schwerer verarbeitbar für das Baby, vielleicht sind sie dann tatsächlich zu anstrengend für das Baby. Deshalb muss nun, ab der Gabe des Wehenmittels, das Baby ununterbrochen überwacht werden. Auch für die Mutter werden die Wehen nun anstrengender und manchmal so stark, dass die Schmerzen zu groß werden. Gleichzeitig ist sie nun eingeschränkt in ihrer Beweglichkeit. Oft verlangt sie jetzt nach Schmerzmitteln, nach einer PDA.
Sprengen der Fruchtblase: Das Sprengen der Fruchtblase ist eine andere Möglichkeit die Geburt zu beschleunigen. Normalerweise platzt die Fruchtblase von alleine, irgendwann während der Geburt, häufig zu Beginn der “aktiven Phase”. Bis dann mildert das Fruchtwasser die Wirkungen der Wehen auf das Baby und der Nabelschnur etwas ab. Die geschlossene Fruchtblase verhindert außerdem, dass Keime ins Fruchtwasser eindringen können und macht des dem Baby evtl. leichter, sich in die richtige Position einzustellen. Diese Vorteile gibt es bei geöffneter Fruchtblase nicht mehr. Für viele Mütter werden die Wehen nach Öffnung der Fruchtblase schmerzhafter.
Viele Geburtshelfer glauben, dass die Geburten dadurch schneller verlaufen und sie damit die Wahrscheinlichkeit auf eine natürliche Geburt erhöhen. Untersuchungen zeigen jedoch eher, dass die Beschleunigung nur minimal ist. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Kaisserschnittrate durch Sprengung der Fruchtblase tatsächlich erhöht wird.
Dammschnitt: Ein Dammschnitt wird durchgeführt, um den Ausgang der Vagina künstlich zu vergrößern. Früher wurde in allen Kliniken routinemäßig geschnitten, im falschen Glauben darauf, dass ein Dammschnitt im Vergleich zu Rissen leichter heilt. Heute ist der Dammschnitt seltener geworden, wird aber immer noch zu häufig angewandt. Ein Dammschnitt heilt in der Regel schlechter als ein Riss und ist länger schmerzhaft. Beide verletzten die Muskeln im Damm und können später Probleme mit dem Beckenboden (Inkontinenz, Prolaps) begünstigen.
Aber, nicht alle Frauen reißen. Ein Dammschnitt bedeutet für diese eine zusätzliche, völlig unnötige Wunde.
WAS TUN?
Informiere dich noch mehr über diese Eingriffe. Überlege dir, in welchen Situationen sie für dich nicht in Frage kommen und in welchen du sie für notwendig hältst. Sprich dann diese Interventionen bei einem Gespräch mit deinen Geburtshelfern vor der Geburt an. Ihre Antwort zeigt dann, ob du dich von ihnen, in deinem Wunsch nach einer natürlichen Geburt, unterstützt fühlen kannst. Sie kann aber auch zeigen, dass sie eine ganz andere Haltung als du zu den Interventionen haben und du nach einem anderen Team/Klinik suchen musst.
Übersetzt aus :
http://injoyvideos.com/mothersadvocate/pdf/healthybirth_booklet.pdf
Wunschgeburt natürliche Geburt – I. Zu ihrer eigenen Zeit beginnen lassen
23 Aug 2010 2 Kommentare
in Geburt Schlagworte: Cervix, Einleitung, Fruchtblase, Geburt, manuelle Einleitung, Muttermund, natürliche Geburt, Schmerzen, Wehen
Oft sind die letzten Tage und Wochen der Schwangerschaft für werdende Mütter körperlich und emotional sehr anstrengend. Sie fühlen sich nicht mehr wohl, die Beschwerden nehmen zu, ebenso der Wunsch, endlich das Baby im Arm halten zu können. Manchmal tauchen auch kleine Problem auf, Ängste erwachen und es entsteht der Druck, die Wehen mit einer Einleitung beginnen zu lassen, obwohl noch gefahrlos abgewartet werden könnte.
In dieser Situation ist es wichtig daran zu denken, dass eine Einleitung den Körper der Frau und das Baby zur Geburt zwingt, bevor diese dazu bereit sind. Deshalb kann eine Einleitung mehr Zeit brauchen, manchmal einen ganzen Tag, manchmal länger und es kann auch passieren, dass sie überhaupt nicht funktioniert. Und es kommt zum Kaiserschnitt bevor Wehen eingesetzt haben.
Warum ist es meist einfacher und sicherer, wenn die Geburt von alleine beginnt?
- Die Medikamente, die für die Einleitung verwendet werden, können bewirken dass die Wehen stärker sind, länger andauern und häufiger auftreten als natürliche Kontraktionen und damit sind sie für die Mutter schmerzhafter und ermüdenter.
- Diese stärkeren und längeren Kontraktionen können auch dem Baby mehr zu schaffen machen, als natürliche Wehen. Dies macht sich dann durch schlechtere Herztönen des Babys bemerkbar.
- Bei einer Einleitung muss ein intravenöser Zugang gelegt werden. Wegen der möglichen stärkeren Belastung des Babys muss auch das Baby ständig elektronisch überwacht werden. Für die Schwangere bedeutet dies, dass sie nun in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist.
- Wenn die Geburt von alleine, ohne Einleitung beginnt, kann die Gebärende sicher sein, dass ihr Baby dazu bereit ist und ihr Körper richtig arbeitet.
Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren dokumentieren steigende Probleme durch Einleitungen:
Eine Einleitung erhöht das Risko für
- eine vaginal operative Geburt (Zange, Saugglocke)
- die Notwendigkeit von Schmerzmitteln
- Kaiserschnitt
- Babys mit geringem Geburtsgewicht
- Verlegung des Babys auf die Intensivstation
- einen längereren Krankenhausaufenthalt
Wann kann eine Einleitung sicherer sein als abwarten?
- Die Fruchtblase ist geplatzt und nach einer Wartezeit (12-24Std) haben sich keine Wehen eingestellt. (Eigene Anmerkung: Vaginale Untersuchungen, besonders mit Eipollösung können das Platzen der Fruchtblase verursachen, siehe vorangegangenen Blogartikel)
- Deine Schwangerschaft dauert schon länger als vollendete 42 Wochen.
- Dein Blutdruck ist schwangerschaftsbedingt sehr hoch.
- Du hast ein Gesundheitsproblem, dass dein Baby gefährdet.
- Du hast eine Infektion in deiner Gebärmutter.
- Dein Baby wächst nicht ausreichend
Wann ist keine Einleitung notwendig
- Du und dein Baby sind gesund, aber es wird angenommen, dein Baby ist groß.
- Du hast wenig Fruchtwasser aber deinem Baby und dir geht es gut.
- Du hast dir selbst einen Termin gesetzt.
Welche Fragen an deine Ärztin, deinen Arzt können dir bei der Entscheidung helfen?
- Warum empfehlen sie mir eine Einleitung?
- Wie hoch ist das Risiko für mein Baby/für mich wenn ich noch abwarte? Wie lange kann ich noch abwarten?
- Gibt es Studien dazu, die bestätigen, dass eine Einleitung in meiner Situation sicher ist und das gesundheitliche Risiko für mein Baby, für mich senkt?
- Können wir erst natürliche Methoden versuchen?
- Wie wahrscheinlich ist es, dass die Einleitung erfolgreich sein wird? Wie “reif” ist mein Muttermund? (Ein unreifer Muttermund ist oft ein Zeichen dafür, dass die Einleitung nicht funktioniert)?
Vaginale Untersuchung – Notwendig oder schädlich? Teil 2
17 Aug 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Einleitung, Fruchtblase, Geburt, Geburtsfortschritt, Infektionsrisiko, manuelle Einleitung, Muttermund, Pitocin, vaginale Untersuchungen, Verstreichen
(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch “The Doula Guide to Birth ” von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)
Muss man immer genau wissen, wie weit der Muttermund verstrichen oder geöffnet ist?
Nein, aber das hängt natürlich von der Situation ab. Vaginale Untersuchungen in der Schwangerschaft können ein Problem des Muttermundes aufdecken, wie verfrühtes Verstreichen und Öffnen. Darauf kann dann entsprechend reagiert werden (evtl. mehr Ruhe für die Schwangere, Krankenhauseinweisung, Tokolytika …).
Nach dem 8.Monat der Schwangerschaft wird nicht mehr zu diesen die Schwangerschaft verlängernden Maßnahmen geraten. Auch ist ein verstrichener, sogar ein leicht geöffneter Muttermund nicht immer das Zeichen, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht. Dieses Verstreichen und Öffnen kann sich sogar über Wochen hinziehen. Eine andere Geburt beginnt mit Wehen bei völlig geschlossenem Muttermund und dieser kann sich dann sogar sehr schnell öffnen. Aussagen über den weiteren Verlauf sind daher schwierig. In den letzten Wochen der Schwangerschaft ist also schon darüber nachzudenken, ob die Vorteile einer vaginalen Untersuchung tatsächlich die Nachteile (steigendes Infektionsrisiko) überwiegen.
Heute werden viele Schwangerschaften eingeleitet (vielleicht wird das Thema Geburtseinleitung einer meiner nächsten Posts, deshalb geht es einfach mit den vaginalen Untersuchungen weiter). Damit nicht sozusagen blind und evtl sogar unnotwendigerweise eingeleitet und Medikamente gegeben werden, sondern dies auf die jeweilige Frau und ihre Geburt abgestimmt werden kann, werden dazu einige Parameter erhoben. Ein ganz wichtiger ist der genaue Zustand der Cervix und dann, im Verlauf der Behandlung, deren Veränderung. Ähnliches gilt für viele weitere Eingriffe in den Geburtsverlauf, wie z.B. im Fall einer PDA.
Manchmal wird vor einer chemischen Einleitung ganz bewusst auf die Reizung des Muttermundes während einer vaginalen Untersuchung gesetzt, auch mit Lösung der Eihäute um den Muttermund herum (Eipollösung). Dieses kann den gewünschten Beginn der Geburt mit Wehen stimulieren (manuelle Einleitung). Es kann jedoch ebenso dazu führen, dass die Fruchtblase bald darauf platzt, aber noch keine Wehen einsetzen. Dies ist dann, wegen der Infektionsgefahr, eine eher unerwünschte Situation für die werdende Mutter.
Es lohnt sich also vor einer vaginalen Untersuchung immer nachzufragen:
- warum ist die Untersuchung nötig
- kann man damit noch abwarten – wie lange
- was passiert, wenn man jetzt nicht über den Zustand der Cervix Bescheid weiss
Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Hinweisen im Verlauf einer natürlichen Geburt , aus denen geschlossen werden kann, wie weit diese schon voran geschritten ist
es folgt: Alternativen zur Vaginalen Untersuchung
Vaginale Untersuchungen – Notwendig oder schädlich Teil 1
16 Aug 2010 1 Kommentar
in Geburt, Vaginale Untersuchung Schlagworte: Cervix, Endometritis, Friedman Kurve, Fruchtblase, Geburt, Geburtsfortschritt, Gruppe B Streptokokken, Muttermund, vaginale Untersuchungen
(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch “The Doula Guide to Birth ” von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)
Vaginale Untersuchungen erleben alle schwangeren Frauen als etwas, das zum Schwangersein und zum Gebären dazugehört. Egal wie man sie empfindet, in der Regel werden sie als notwendig akzeptiert.
Zu Beginn der Schwangerschaft werden die Ultraschalluntersuchungen vaginal durchgeführt und dann, im Verlauf der Schwangerschaft, die Beschaffenheit und Länge der Cervix (Muttermund) vaginal untersucht. Am Ende der Schwangerschaft werden vaginale Untersuchungen besonders häufig angewandt. Arzt/Ärztin oder Hebamme führen routinemäßig ihre behandschuhten Finger in die Vagina der Schwangeren ein, um Veränderungen der Cervix, die dem Beginn der Geburt vorausgehen, feststellen zu können. Während der Geburt wird dann regelmäßig per vaginaler Untersuchung geprüft, wie weit die Geburt voran geschritten ist.
Dabei fallen Sätze wie:
“Der Muttermund ist zu 80% verstrichen”
Das Verstreichen bezeichnet das Dünner-und Weicherwerdens des Muttermundes und wird normalerweise in Prozent angegeben. 80% verstrichen bedeutet, dass die Cervix zu 80% verstrichen ist, relativ zum völligen Verstreichen, und noch um 20% mehr verstreichen sollte. Das Verstreichen kann der Öffnung des Muttermundes vorausgehen. Beides kann aber auch gleichzeitig geschehen.
“Der Muttermund ist (erst/schon/nur) 3 cm geöffnet”
Damit das Baby geboren werden kann, muss sich zuvor der Muttermund öffnen. Wie weit die Cervix geöffnet ist, wird in der Regel mit der Anzahl der Fingerspitzen abgeschätzt, die tatsächlich in die Öffnung gesteckt werden können. 3 cm geöffnet, heißt also dass 3 Finger nebeneinander in den Muttermund passen, 10 cm bedeutet dass der Muttermund völlig geöffnet ist. Die Hinzufügung von Worten, wie schon oder erst, beinhalten eine Bewertung, diese hängt davon ab, was vom Untersuchenden als normal angesehen wird.
Häufig werden die vaginalen Untersuchungen dazu verwendet, um Aussagen darüber zu machen, wie lange es noch dauert, bis das Baby geboren wird. Dummerweise gibt es viele Faktoren von denen die Dauer der Geburt beeinflusst wird. Die Öffnung der Cervix ist nur einer davon und jede Frau (und ihre Cervix) braucht ihre eigene Zeit. In vielen Krankenhäusern verwendet man zum Einschätzen der Geburtsdauer immer noch die inzwischen als unrealistisch erkannte Friedmann Kurve. Verläuft die Öffnung des Muttermundes langsamer als in der Friedmann Kurve angegeben, dann wird oft zu künstlicher Steigerung der Wehenstärke (Pitocin) geraten.
Vaginale Examen sind oft unangenehm. Dies gilt besonders unter Wehen. Viele Mediziner und auch Hebammen verlangen von der Gebärenden, dass sie sich dazu auf den Rücken legt. Dies ist eine in der Geburt oftmals extrem schmerzhafte Position, besonders wenn die Wehenschmerzen vor allem im Rücken gespürt werden. Zudem sollten sich die Gebärenden während der Geburt auf dem “Geburtsplaneten” befinden, d.h. in einer Art Trance. Dieser Zustand ist sehr förderlich für eine gute Geburt. Regelmäßige vaginale Check-ups unterbrechen diese Trance und es wird für die Mütter schwerer die Wehen zu verarbeiten dadurch werden diese als schmerzhafter und anstrengender empfunden.
Vaginale Untersuchungen können Schaden anrichten
Das ist für viele auf den ersten Blick völlig überraschend. Unangenehm und evtl. störend das schon, aber wirklich gefährlich? Ja, tatsächlich und das lässt sich leicht erklären:
In unserer Vagina gibt es eine Bewegung von Vaginalschleim vom Muttermund Richtung draußen. Keime werden also immer vom Muttermund weg transportiert. Ganz gegensätzlich ist die Bewegungsrichtung bei einer vaginalen Untersuchung. Alles das, was in die Vagina eingeführt wird, egal ob mit Handschuh oder ohne, schiebt Keime vom äußeren unseres Körpers nach innen und nach oben zum Muttermund. Unser Körper ist von vielen Bakterien besiedelt und alle haben ihren speziellen Platz. Manche davon sind ungefährlich , andere aber gefährlich, vor allem wenn sie an Stellen kommen, wo sie normalerweise nicht hingehören. Dann kann es zu einer Infektion von Mutter oder Baby kommen, besonders nachdem die Fruchtblase geplatzt ist (oder geöffnet wurde). Wegen diesem Entzündungsrisiko wird der Schwangeren Frau ein zeitliches Limit gesetzt. Wie groß dieses Zeitfenster ist, indem sie ihr Kind gebären muss, hängt vom jeweiligen Arzt/Krankenhaus ab.
Deshalb vermeide Vaginale Untersuchungen (vor der Geburt und in der Geburt), wenn deine Fruchtblase nicht mehr intakt ist, wenn du ein zusätzliches Infektionsrisiko vermeiden möchtest!
Vaginale Untersuchungen begünstigen auch das vorzeitige Platzen der Fruchtblase, denn hereingebrachte Keime können diese infizieren und schwächen. Noch problematischer ist dies, wenn die Mutter von Gruppe-B-Streptokokken (GBS) besiedelt ist. Diese Keime können besonders für Frühgeborene gefährlich werden. Außerdem haben sie die Fähigkeit, dass sie, wenn sie zum Muttermund gelangen und diesen passieren können, bei geöffneter Fruchtblase das noch nicht geborene Baby infizieren können. Bei der Mutter können sie v.a. bei Kaiserschnitt eine uterine Infektion, eine Endomitritis hervorrufen.
Aber was soll ich denn tun, wenn ich vaginal untersucht werden soll? Kann ich wirklich einfach “Nein” sagen?
Ja, du kannst. Eine vaginale Untersuchung ist ein Eingriff, den du erlauben kannst aber nicht musst.
Wie soll denn der Arzt, die Ärztin/Hebamme und dann ich wissen wie weit ich bin?
Erst mal: Muss man immer genau wissen, wie weit der Muttermund verstrichen oder geöffnet ist?
es folgt Teil 2
