Ist ein Kaiserschnitt sicherer?
10 Dez 2010 2 Kommentare
in Geburt, Kaiserschnitt Schlagworte: Adhäsionen, Atemprobleme, Baby, Embolie, Endometriose, Endometritis, Geburt, Geburtsverletzung, Kaiserschnitt, Risiko, Thrombose, Wunschkaiserschnitt
Wunschkaiserschnitte sind es nicht!
Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der WHO (World Health Organisation). Im Vergleich zu vaginalen Geburten, sind Wunschkaiserschnitte für das Baby und für die Mütter, mit mehr Risiko verbunden.
Dass Kaiserschnitte für die Mütter sowieso gefährlicher sind, trotz Bezeichnungen wie “sanfter Kaiserschnitt”, ist schon lange bekannt. Aber viele Frauen gehen davon aus, dass es für die Babys sicherer ist, wenn sie sich freiwillig unters Messer legen. Das erhöhte Risiko für sich, nehmen sie dann gerne in Kauf. Es gibt auch eine Reihe Ärzten, die immer wieder verlauten lassen, der Kaiserschnittentbindung gehöre die Zukunft, da sie für das Kind besser sei.
Nun wurde im medizinischen Journal “The Lancet” ein neuer Report aus der laufenden, langjährig angelegten, asiatischen Studie der WHO veröffentlicht. In diesem Report kamen die Forscher zum Ergebnis, dass - in entwickelten Ländern, wie z. B. in Japan und auch in unterentwickelten Ländern - Kaiserschnitte nur dann die größeren Risiken für Mutter und Baby reduzieren, wenn sie medizinisch notwendig waren. Wunschkaiserschnitte führten für beide zu erhöhten Risiken:
- Tod des Kindes
- Verlegung auf Intensivstation
- Tod der Mutter
- Bluttransfusion
- Entfernung der Gebärmutter
- Abbindung der inneren Beckenarterie
Dieses Studienergebniss steht nicht allein, eine weitere große Studie kam zu folgendem Ergebnis:” Hohe Kaiserschnittraten bedeuten nicht unbedingt bessere Versorgung in der Geburt, sondern sind mit erhöhten Schädigungen verbunden“, eine Reihe dieser bekannten möglichen Schädigungen sind:
höhere Risiken für das Baby
- Atemproblem (Transient Tachypnea)
- Schnittverletzungen
- spätere Allergieneigung
- Ernährung mit künstlicher Säuglingsnahrung (Höhere Neigung zu Infekten und Krebserkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes)
Höhere Risiken für die Mutter
- Entzündung und Infektion der Inneren Membran der Gebärmutter (Endometritis)
- Stärkerer Blutverlust
- Reaktionen auf die Betäubung (Kopfschmerzen, Allergien, Lähmungserscheinungen)
- Wundinfektion
- Blutgerinnsel (Thrombus, kann zu Embolie führen)
- Operationsverletzungen
- Größere Risiken für spätere Schwangerschaften und Geburten (Einnistungsprobleme, Plancenta praevia, Placenta accreata, Gebärmutterriss)
- Probleme lange nach der OP (schmerzhafte Verwachsungen im Bauchraum, Endometriose)
- insgesamt längere Erholungszeit nach der OP
Besonders häufig werden in China Wunschkaiserschnitte durchgeführt. Dort werden 11,7% aller Kinder auf Wunsch der Mutter per Schnittentbindung geholt. In Deutschland geht man von einer viel geringeren Rate, von ca. 2% aus. Wunschkaiserschnitte belasten nicht nur die Gesundheit von Mutter und Kind, sondern natürlich auch die Gesellschaft in Form von Kosten für die OP selbst und die Behebung ihrer möglichen Folgeerkrankungen.
Sollten Wunschkaiserschnitte denn nicht verboten werden? Ich denke nicht. Die Vorstellung, dass eine Frau, vor lauter Angst vor der Gefährlichkeit und der Schmerzen einer Geburt, schon in der Schwangerschaft innerlich versteinert, ist auch keine vernünftige Alternative. Die übersteigerte Angst ist auch kein Wunder. Die Medien sind voller Berichte und Bilder gefährlicher Schwangerschaften und Geburten. Ein anderes Bild, abseits von Sensationen wäre wünschenswert. Ebenso notwendig ist eine Aufklärung und eine vernünftige Betreuung der schwangeren Frauen. Ärzte und Hebammen können nicht einfach so tun, als ob es völlig egal ist, welche Entbindung die Entbindungsform der Zukunft ist- der Wunschkaiserschnitt sollte es nicht sein.
Ein Buch, das ich zum Thema Kaiserschnitt gerne empfehle, ist: “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“
Der Geburtsort beeinflusst die Geburt
02 Sep 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Geburt Schlagworte: Geburtstrauma, Geburtsverletzung, Geburtszentren, Hausgeburt, Kaiserschnitt, natürliche Geburt
Beim Übersetzten des Artikels von Nummer III der “Six healthy Birth Practices” von Lamaze ist mir aufgefallen, dass darin überhaupt nicht auf den Geburtsort eingegangen wurde.
Meiner Meinung ist es jedoch auch wichtig, dass die Frau dort gebären kann, wo sie sich sicher und wohl fühlt. Hier in Deutschland gibt es vielerorts die Auswahlmöglichkeit zwischen zu Hause, Geburtshaus und Krankenhaus. In Großstädten kann man sogar zwischen verschiedenen Krankenhäusern, Geburtszentren und Hausgeburtshebammen wählen.
Zu der Frage, ob der Geburtsort noch einen weiteren Einfluss hat, lassen sich eine Reihe von Studien heranziehen. Aber erstmal möchte ich Studien zur Sicherheit außerklinischer Geburten vorstellen. Die deutschen Studien der letzten Jahre haben eindeutig gezeigt, dass die Sterblichkeit von Mutter und Kind sich nicht nach Geburtsort unterschiedet. Und zwar unter der Voraussetzung, dass es sich bei den Hausgeburten um geplante, von Hebammen begleitete Geburten ohne vorher ersichtliches Risiko handelte.
Einige Studien hierzu findet ihr hier:
http://www.quag.de/content/publikationen.htm
Ein weiteres Ergebnis dieser deutschen und auch vieler internationalen Studien ist, dass die Anzahl der Geburtsverletzungen (Riss- oder Schnittverletzungen, vaginale Operationen, Kaiserschnitte) von Frauen in den Kliniken um einiges höher war, ebenso erhöht waren die durchgeführten medizinischen Eingriffe an den Neugeborenen in den Kliniken (Wiederbelebungen, Sauerstoff in den ersten 24 Stunden). Alles Situationen die ein Trauma hervorrufen können. Dazu möchte ich noch anmerken, dass bei all diesen Studien ähnliche Risikogruppen der Gebärenden herangezogen wurden, d.h. von vorneherein als Risikogeburten eingeschätzte Geburten in Kliniken wurden nicht in die Studien aufgenommen. Ein Beitrag dazu zum Nachlesen im Deutschen Ärzteblatt :
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37926/Geplante_Hausgeburt_so_sicher_wie_Entbindung_in_der_Klinik.htm
Aus dieser Reihe von Studien kann man schließen, dass die Wahl des Geburtsortes doch einen großen Einfluss auf den Geburtsverlauf und auf das Geburtserlebnis hat. Eine natürliche Geburt wird man wohl eher außerklinisch erleben.
Eine Zahl möchte ich hierzu noch angeben. 2008 lag die Kaiserschnittrate bei geplanten Hausgeburten (natürlich nach Verlegung) im bundesweiten Durchschnitt bei 8,6%. Bei 6% aller Geburten handelte sich dabei um einen Sekundären Kaiserschnitt, d.h. die Frau hatte zuvor schon einen Kaiserschnitt. Die bundesweite Kaiserschnittrate lag nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 2008 bei 30,2%,. Damit hat sich seit 1991, dem Beginn der statistischen Erhebungen auf bundeseinheitlicher Rechtsgrundlage, der Anteil der Kaiserschnittentbindungen fast verdoppelt. Die Rate der Schnittentbindungen lag damals bei 15,3%.
Interessant finde ich auch den Ländervergleich. 2008 wurden im Saarland anteilig die meisten Kaiserschnittentbindungen (36,8%) vorgenommen, gefolgt von Bremen (33,0%) und Hessen (32,9%). In Sachsen wurde dagegen nur bei etwa jeder fünften Entbindung (21,7%) ein Kaiserschnitt durchgeführt. Allerdings beinhalten diese Zahlen des Statistischen Bundesamtes alle Geburten, auch Risikogeburten.
Die Anzahl der Schnittentbindungen variiert nicht nur im Ländervergleich, sondern auch von Klinik zu Klinik, von Geburtshelfer zu Geburtshelfer. Hier hilft nur persönliches Nachfragen oder Internetsuche. Manchmal gibt es eindeutige Hinweise auf persönliche Einstellungen hinsichtlich natürlicher Geburt versus Schnittentbindung, in Veröffentlichungen einzelner Ärzte.




