Vermeiden von ungünstigen Kindslagen
25 Okt 2010 3 Kommentare
in Geburt, Schwangerschaft Schlagworte: Beckenboden, Beckenbodentraining, falsche Körperhaltung, Geburt, Gymnastik für Schwangere, hintere Hinterhaupslage, Hocke, Schwangerschaftsgymnastik, Sitzen, sitzende Lebensweise, ungünstige Kindslage
Runter vom Sofa!
Nein´, ganz so schlimm ist es auch nicht. Aber nicht zurückgelehnt im auf dem Sofa sitzen, sondern, viel besser, gleich hinlegen und zwar auf die Seite, oder, so weit wie möglich, auf den Bauch. Wenn Sitzen notwendig ist, dann aufrecht Sitzen (siehe Abb 10), denn eine aufrechte Haltung animiert das Baby dazu, eine vorteilhafte vordere Lage einzunehmen (siehe auch Lebensweise und Geburt und Lebensweise und Kindslage) .
Abb 10: besseres Sitzen
So aufrecht zu sitzen ist natürlich anstrengender, vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber da das Sitzen sowieso nicht die optimale Haltung beim Ausruhen ist, sondern das Liegen, gewöhnt man es sich am besten spätestens jetzt fürs ganze Leben an.
Beim Autofahren sitzt man meist ebenfalls in einer posterioren Haltung. Zum Glück sind Autositze inzwischen gut verstellbar und lassen sich in eine Position, welche ein aufrechteres Sitzen ermöglicht, bringen.
Weitere günstige Positionen
- Aufrechtes Stehen und Gehen, das Becken aufgerichtet und die Hüftknochen nicht nach hinten gekippt.
- Nach vorne gelehntes Stehen
- In die Hocke gehen und den Popo dabei herausstrecken, keinen runden Rücken machen Anleitung von Katy Bowman
- Aufrechtes oder nach vorne gelehntes Knien (z B auf Kissen, oder Kniehocker)
- So häufig wie möglich, sich in den Vielfüßlerstand begeben oder auf allen Vieren krabbeln
- Brustschwimmen
Wie oft, wie lange?
Die oben genannten Körperstellungen sollten in das gesamte Leben mit eingebaut werden. Bei Sport und Freizeitaktivitäten sollte immer darauf geachtet werden, dass alles aufrecht oder nach vorne gebeugt ausgeführt wird, ebenso bei der Arbeit:
- Computer höher stellen – kleine Kiste oder Regal darunter, das muss gar nichts kosten – und im Stehen arbeiten
- Spielen mit größeren Geschwistern des Babys auf allen Vieren, Lesen mal auf allen Vieren …
- Gehen mit aufgerichteten Becken
- den Boden oder die Treppe auf allen Vieren oder kniend wischen,
- beim Sitzen immer sich aufrichten und sich evtl dabei aufgerichtet nach vorne lehnen, bewegliche Sitzunterlage bevorzugen
- beim Schwimmen Brustschwimmen bevorzugen,
- zum Ausruhen hinlegen
Kurzzeitig nur eine Übung ausführen, wie z B 2xtäglich für 10min den Vierfüßlerstand einnehmen, hat in einer Studie keinerlei Effekt gezeigt. Es ist wichtig, spätestens ab der 32ten Woche auf die Körperhaltung zu achten, so dass sich das Kind, von vorne herein, in eine günstige vordere Hinterhauptslage begibt. Hat das Baby doch eine schlechtere Kindslage eingenommen, dann sollte, so oft wie möglich, eine nach vorne lehnende Position eingenommen werden, auf allen Vieren gekrabbelt und zum Brustschwimmen gegangen werden.
Welchen Einfluss hat unsere Lebensweise, unsere Körperhaltung auf die Lage des Kindes in der Gebärmutter?
23 Okt 2010 1 Kommentar
in Geburt, Körperhaltung, Schwangerschaft Schlagworte: Bewegung, Geburtsposition, Gymnastik für Schwangere, hintere Hinterhauptslage, Kindslage, Schwangerschaftsgymnastik, sitzende Lebensweise
Alle Schwangeren sind in den Wochen vor der Geburt mit dem Gedanken beschäftigt: Wie liegt mein Kind? Liegt es richtig herum? Ist der Kopf unten? Bei einer Kopflage sind sie dann beruhigt und gehen davon aus, dass sich das Baby damit in der bestmögliche Geburtsposition befindet. Eine Reihe von Geburtshelfern ist sich da nicht so sicher.
Sie sind überzeugt davon, dass die häufigsten Ursachen für schwierige, lang andauernde oder schmerzhafte Geburten bestimmte Kindslagen und Einstellungen des Kindes sind. Einen kleinen Überblick möglicher Kopflagen gibt die “Fetal Compass Rose” von spinningbabies, siehe Abb. 8
Abb.8 aus spinningbabies
Die meisten mit dem Kopf nach unten liegenden Babys drehen sich während der Geburt in verschiedene Positionen. Dabei gelten einige Positionen als Einstellungs- und Haltungsanomalien, welche den Geburtsfortschritt verzögern können. Als Stellungen, die, wenn sie längere Zeit anhalten, Problem machen können, gelten die Dorso-Posterioren Stellungen (siehe Abb. 8 OT – eigentlich ROT, aber das R ist auf der Abb. 8 verschwunden, ROP, OP) und Querstand der Pfeilnaht (siehe Abb. 8 LOT). Dazu kommen noch die persistierenden asynklitischen Kopfhaltungen, dh, das Baby winkelt beim Tiefertreten den Kopf nicht ab und erschwert die Rotation und das Tiefertreten.
Dorso-Posteriore Stellungen können schon den Beginn der Geburt negativ beeinflussen. Die Eröffnungsperiode zieht sich dann über einen langen Zeitraum hin und, trotz sehr schmerzhafter Wehen, öffnet sich der Muttermund nur sehr zögerlich. Oft verliert die Mutter, angesichts der großen Anstrengung schon zu Beginn der Geburt, den Mut und den Glauben daran, das Kind aus eigener Kraft gebären zu können.
Hilfreich sind in dieser Situation Lageveränderungen der Mutter, die das Kind bei der Rotation unterstützen können (siehe auch “Schwierige Geburten leicht gemacht” von Penny Simkin und Ruth Ancheta). Oft wird aber mit Wehenmitteln (künstliches Oxytocin) nachgeholfen, da die Ursache nicht in der Kindslage, sondern in zu schwachen Wehen vermutet wird.
Was haben denn die Dorso-Posterioren Stellungen mit unserer Lebensweise zu tun?
Neben vielen anderen gehen J. Sutton, P. Scott und G. Tully davon aus, dass eine bestimmte Körperhaltung zu einem vermehrten Auftreten der Dorso-Posterioren Stellung (= hintere Hinterhauptslagen) des Babys bei Geburtsbeginn führt. Dummerweise ist diese Körperhaltung genau diese, in der wir uns so gerne befinden – bequem in einen Stuhl/Sessel/Couch/Sitz gelümmelt, lesend, beim Fernsehen, am Computer, beim Telefonieren etc…… Sitzt die werdende Mutter so angenehm, das Becken nach hinten gekippt, das Gewicht auf dem Kreuz- und Steißbein, so ist die komfortabelste Position des Babys eine posteriore oder die ROA (siehe Abb.8). Die ROA Stellung, die ja nicht zu den Posterioren Kindslagen gehört, birgt die Gefahr, dass sich das Baby bei Beginn der Geburt in die Posteriore Stellung dreht, denn sehr viele Babys haben die Tendenz, sich in der Geburt links herum zu drehen. Im Verlauf der letzten 20 Jahre konnte eine Zunahme der hinteren Hinterhauptslagen bei der Geburt ferstgestellt werden. Diese Zunahme ist wohl unserer veränderten Lebens- und Sitzweise geschuldet.
Abb 9: So bitte nicht hinsetzen, oder besser gesagt, nicht so “abhängen”
Welche Körperhaltung und welche Lebensweise günstiger ist, folgt im nächsten Blogartikel.
Welchen Einfluss hat unsere Lebensweise, unsere Körperhaltung und Beckenbodenübungen auf unseren Beckenboden?
21 Okt 2010 Hinterlasse einen Kommentar
in Beckenbodentraining, Geburt, Körperhaltung Schlagworte: Beckenboden, Beckenbodentraining, Bewegung, falsche Körperhaltung, Kegelübungen, Rückbildungsgymnastik, Schwangerschaftsgymnastik, sitzende Lebensweise, Steißbeinschmerzen, verkürzte Muskeln
Folgendes habe ich im Webinar “NO MORE KEGELS” von Katy Bowman gelernt.
Katy Bowman ist Wissenschaftlerin in der Fachrichtung Biomechanik und beschäftigt sich mit der Biomechanik des menschlichen Körpers. Dazu ist sie Leiterin desRestorative Exercise Institute . Außerdem hat sie eine Reihe von DVDs unter dem Programmtitel \”Aligned and Well\” herausgeben und schreibt den Blog “katysays“.
Wie häufig sind Beckenbodenprobleme?
Probleme mit dem Beckenboden sind sehr häufig und nehmen mit dem Alter zu. Man muss davon ausgehen, dass 8 von 10 Menschen einmal in ihrem Leben ein Problem bekommen werden. Unabhängig von der steigenden Lebenserwartung nimmt die Häufigkeit von Inkontinenz und Senkungen zu.
Warum die Zunahme?
Eine Ursache ist das Leben im Sitzen. Wir arbeiten im Sitzen, verbringen viel Freizeit im Sitzen, fahren im Sitzen Auto, sitzen auf der Toilette, etc….
Verstärkt wird die negative Auswirkung unseres Sitzens noch durch die Art und Weise wie wir sitzen. Früher saß man meist aufrecht auf eher harten Stühlen. Es wurde viel Wert auf das aufrechte Sitzen bei Tisch, bei der Arbeit oder in der Schule gelegt. Ein gemütliches Anlehnen und “Lümmeln” war nur alten und kranken Personen erlaubt.
Beim aufrechten Sitzen sitzt man auf den Sitzbeinhöckern. Sacrum (Kreuzbein) und Coccyx (Steißbein) schweben über der Sitzfläche (siehe Abb. 1 a).
Beim bequemen Anlehnen im weichen Sessel, auf der Couch, im Autositz, aber auch bei der Arbeit, sitzen wir nicht auf den Sitzbeinhöckern, sondern auf dem Steißbein. Unser Becken ist nicht aufrecht, sondern nach hinten (posterior) gekippt (siehe Abb. 1 b)
Abb.1
Was bedeutet diese Veränderung der Lebensweise für unser Becken und den Beckenboden?
Durch den ständigen Druck beim Sitzen durch das Gewicht unseres Oberkörpers auf das Steißbein, wandert dieses langsam Richtung Schambein. Da es mit dem Kreuzbein verbunden ist, wird auch das Kreuzbein mit nach innen ins Becken gezogen. Damit ändert sich unsere Beckengeometrie:
Die Muskeln des Beckenbodens verlieren an Spannung. Dies verdeutlicht folgende Zeichnung:
Abb. 2
Um wieder den Tonus zu erhöhen, muss der Körper die betroffenen Beckenbodenmuskeln verkürzen und dies tut er auch. Dabei werden die Muskeln aber kürzer und dicker, entwickeln mehr Tonus (Hypertonie), aber verlieren an Stärke.
Abb.3
Aber hier hilft doch Beckenbodentrainung – oder?
Der kürzere Muskel muß jedoch das gleiche Gewicht an Organen tragen, wie vorher. Überfordert ihn dies, so kann es zur Inkontinenz und später zu Senkungen kommen. Dagegen werden dann Beckenbodenübungen (zB Kegelübungen etc.) verschrieben. Diese helfen fürs erste, aber oft kommt es dazu, dass durch diese Mulkelanspannungen das Steißbein noch näher an das Schambein herangezogen wird (siehe Abb. 4) und der Kreislauf beginnt von vorne. Sitzen auf dem Steißbein und das nach Innen wandern des Steißbeines kann auch zu starken Schmerzen an Steiß- und Kreuzbein führen.
Abb. 4
Das Steißbein wandert immer weiter in das Becken, der Abstand zwischen Sacrum und Schambein wird immer kürzer und die Beckenbodenmuskeln werden immer schwächer, weil:
- wir zu häufig auf dem Steißbein sitzen.
- die Muskeln, die das Kreuzbein mit dem Steißbein nach außen ziehen könnten, zu schwach ausgebildet sind.
- Beckenbodenübungen die Muskeln verkürzen. Dies hilft kurzfristig, aber die Muskeln verlieren an Stärke.









