Vaginale Untersuchungen – Notwendig oder schädlich Teil 1


(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch „The Doula Guide to Birth “ von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)

Vaginale Untersuchungen erleben alle schwangeren Frauen als etwas, das zum Schwangersein und zum Gebären dazugehört. Egal wie man sie empfindet, in der Regel werden sie als notwendig akzeptiert.

Zu Beginn der Schwangerschaft werden die Ultraschalluntersuchungen vaginal durchgeführt und dann, im Verlauf der Schwangerschaft, die Beschaffenheit und Länge der Cervix (Muttermund) vaginal untersucht. Am Ende der Schwangerschaft werden vaginale Untersuchungen besonders häufig angewandt. Arzt/Ärztin oder Hebamme führen routinemäßig ihre behandschuhten Finger in die Vagina der Schwangeren ein, um Veränderungen der Cervix, die dem Beginn der Geburt vorausgehen, feststellen zu können. Während der Geburt wird dann regelmäßig per vaginaler Untersuchung  geprüft, wie weit die Geburt voran geschritten ist.

Dabei fallen Sätze wie:

„Der Muttermund ist zu 80% verstrichen“

Das Verstreichen bezeichnet das Dünner-und Weicherwerdens des Muttermundes und wird normalerweise in Prozent angegeben. 80% verstrichen bedeutet, dass die Cervix zu 80% verstrichen ist, relativ zum völligen Verstreichen, und noch um 20% mehr verstreichen sollte. Das Verstreichen kann der Öffnung des Muttermundes vorausgehen. Beides kann aber auch gleichzeitig geschehen.

„Der Muttermund ist  (erst/schon/nur) 3 cm geöffnet“

Damit das Baby geboren werden kann, muss sich zuvor der Muttermund öffnen. Wie weit die Cervix geöffnet ist, wird in der Regel mit der Anzahl der Fingerspitzen abgeschätzt, die tatsächlich in die Öffnung gesteckt werden können. 3 cm geöffnet, heißt also dass 3 Finger nebeneinander in den Muttermund passen, 10 cm bedeutet dass der Muttermund völlig geöffnet ist. Die Hinzufügung von Worten, wie schon oder erst, beinhalten eine Bewertung, diese hängt davon ab, was vom Untersuchenden als normal angesehen wird.

Häufig werden die vaginalen Untersuchungen dazu verwendet, um Aussagen darüber zu machen, wie lange es noch dauert, bis das Baby geboren wird. Dummerweise gibt es viele Faktoren von denen die Dauer der Geburt beeinflusst wird. Die Öffnung der Cervix ist nur einer davon und jede Frau (und ihre Cervix) braucht ihre eigene Zeit. In vielen Krankenhäusern verwendet man zum Einschätzen der Geburtsdauer immer noch die inzwischen als unrealistisch erkannte Friedmann Kurve.  Verläuft die Öffnung des Muttermundes langsamer als in der Friedmann Kurve angegeben, dann wird oft zu künstlicher Steigerung der Wehenstärke (Pitocin) geraten.

Vaginale Examen sind oft unangenehm. Dies gilt besonders unter Wehen. Viele Mediziner und auch Hebammen verlangen von der Gebärenden, dass sie sich dazu auf den Rücken legt. Dies ist eine in der Geburt oftmals extrem schmerzhafte Position, besonders wenn die  Wehenschmerzen vor allem im Rücken gespürt werden. Zudem sollten sich die  Gebärenden  während der Geburt auf dem „Geburtsplaneten“ befinden, d.h. in einer Art Trance. Dieser Zustand ist sehr förderlich für eine gute Geburt.  Regelmäßige vaginale Check-ups unterbrechen diese Trance und es wird für die Mütter schwerer die Wehen zu verarbeiten dadurch werden diese als schmerzhafter und anstrengender empfunden.

Vaginale Untersuchungen können Schaden anrichten

Das ist für viele auf den ersten Blick völlig überraschend. Unangenehm und evtl. störend das schon, aber wirklich  gefährlich? Ja, tatsächlich und das lässt sich leicht erklären:

In unserer Vagina gibt es eine Bewegung von Vaginalschleim vom Muttermund Richtung draußen.  Keime werden also immer vom Muttermund weg transportiert. Ganz gegensätzlich ist die Bewegungsrichtung bei einer vaginalen Untersuchung.  Alles das, was in die Vagina eingeführt wird, egal ob mit Handschuh oder ohne, schiebt Keime vom äußeren unseres Körpers nach innen und nach oben zum Muttermund. Unser Körper ist von vielen Bakterien besiedelt und alle haben ihren speziellen Platz. Manche davon sind ungefährlich , andere aber gefährlich, vor allem wenn sie an Stellen kommen, wo sie normalerweise nicht hingehören. Dann kann es zu einer Infektion von  Mutter oder Baby kommen, besonders nachdem die Fruchtblase geplatzt ist (oder geöffnet wurde). Wegen diesem Entzündungsrisiko wird der Schwangeren Frau ein zeitliches Limit gesetzt. Wie groß dieses Zeitfenster ist, indem sie ihr Kind gebären muss, hängt vom jeweiligen Arzt/Krankenhaus ab.

Deshalb vermeide Vaginale Untersuchungen (vor der Geburt und in der Geburt), wenn deine Fruchtblase nicht mehr intakt ist, wenn du ein zusätzliches Infektionsrisiko vermeiden möchtest!

Vaginale Untersuchungen begünstigen auch das vorzeitige Platzen der Fruchtblase, denn  hereingebrachte Keime können diese infizieren und schwächen.  Noch problematischer ist dies, wenn die Mutter von Gruppe-B-Streptokokken (GBS) besiedelt ist.  Diese Keime können besonders für Frühgeborene gefährlich werden. Außerdem haben sie die Fähigkeit, dass sie, wenn sie zum Muttermund gelangen und diesen passieren können, bei geöffneter  Fruchtblase   das noch nicht geborene Baby infizieren können. Bei der Mutter können sie v.a. bei Kaiserschnitt eine uterine Infektion, eine Endomitritis hervorrufen.

Aber was soll ich denn tun, wenn ich vaginal untersucht werden soll? Kann ich wirklich einfach „Nein“ sagen?

Ja, du kannst. Eine vaginale Untersuchung ist ein Eingriff, den du erlauben kannst aber nicht musst.

Wie soll denn der Arzt, die Ärztin/Hebamme und dann ich wissen wie weit ich bin?

Erst mal: Muss man immer genau wissen, wie weit der Muttermund verstrichen oder geöffnet ist?

es folgt Teil 2

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