Alternativen zur Vaginalen Untersuchung


(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch „The Doula Guide to Birth “ von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)

Egal ob du dich dazu entscheidest  vaginale Untersuchungen während der Geburt  zuzulassen oder nicht, es ist gut zu wissen, dass es auch Alternativen dazu gibt. Die meisten Techniken kennen erfahrene Geburtsbegleiter. Vaginale Untersuchungen bestätigen dann nur, was sie sowieso angenommen haben. Aber auch du und dein Partner können dieses Wissen nutzen.

Veränderung der Wehentätigkeit

Die Wehen werden länger und stärker, die Wehenpausen werden kürzer. Sind die Abstände zwischen den einzelnen Wehen nur noch 2 – 3 Minuten, so kannst du davon ausgehen, dass die Aktive Phase begonnen hat. Bei Erstgebärenden ist der Muttermund dann ca. 5 cm geöffnet, ist es ein weiteres Kind, so ist der Muttermund schon weiter geöffnet (6-7 cm).

Die Höhe des Fundus (oberer Teil der Gebärmutter, unterhalb der Rippen)

Beim Fortschreiten der Geburt wandert die Gebärmutter nach oben! ? – Das Gewebe der sich öffnenden Gebärmutter muss ja irdgendwo hin, es wird nach oben gezogen. Der Fundus ist damit weiter oben tastbar. Während einer Wehe ist die Gebärmutter zu Beginn der Geburt ca. 5 fingerbreit unter den Rippen zu tasten, bei völliger Eröffnung ist nur noch für einen Finger Platz. Bewegt sich das Baby aber flott tiefer ins Becken, dann kann diese Veränderung nicht festgestellt werden, aber dann ist eben die Tieferstellung des Babys das Zeichen für eine gut voranschreitende Geburt.

Zeichnen (blutiger Vaginalschleim)

Bei dem Öffnen der Cervix werden kleine Blutgefäße beschädig.

Die Po-Linie

Bei vollständiger Eröffnung zieht sich oft eine ca. 10 cm lange, dunklere Linie am Anus beginnend, zwischen den Pobacken nach oben.

Das Tiefertreten des Babys

Kann von der Hebamme mit den Händen von außen erspürt werden

Der Herzschlag des Babys

Mit dem Tiefertreten des Babys kann natürlich auch sein Herzschlag immer tiefer gehört werden. Zum Spaß könnt ihr ein Herzchen auf den Mutterbauch  aufmalen.

Die Fruchtblase platzt

Das Platzen der Fruchtblase in den Wehen ist auch ein gutes Zeichen, dass die Geburt gut vorankommt. Eine offene Fruchtblase bedeutet meist eine Beschleunigung der Geburt (deshalb wird dies oft von den Geburtshelfern absichtlich eingesetzt -> das kann natürlich auch mal wieder Probleme mit sich bringen -> immer nachfragen und abwägen).

Ultraschall

Eine Ultraschallaufnahme zeigt natürlich ganz genau die Lage des Kindes und die Position/Rotation des Kopfes.

Pressdrang

Ist das Baby ganz tief im Becken und kurz davor geboren zu werden, hat die Mutter das Gefühl, als ob sie dringend wegen Stuhlgangs auf die Toilette müsste. Dies ist jedoch kein Stuhlgang, sondern das Baby, das genau in den gleichen Bereich drückt. Ist noch Stuhl im Rektum, so wird dieser nun unwillentlich  herausgepresst. Für viele Frauen ist dies eine unangenehme Begleiterscheinung, aber  dies ist ein ebenfalls ein Zeichen für die immanente Geburt.

Herauswölben der Michael´schen Raute

Während des Pressens wölbt sich ein kleiner Bereich des Rückens, zwischen den Hüftschaufeln, hervor. Dies ist die Michael´sche Raute. Damit wird dem Baby mehr Platz im Beckenausgang verschafft.

Der Kopf wird sichtbar

Ist der Kopf sichtbar, bedeutet dies, dass der Muttermund geöffnet ist, das Baby zum Beckenausgang gewandert ist und bald geboren wird.

Bemerkung zum Schluss – das Verhalten der Gebärenden

Ein guter Geburtshelfer, eine gute Hebamme misst dem Verhalten der Schwangeren große Bedeutung zu und verlässt sich nicht nur auf Messwerte. So bedeutet ein vollständig geöffneter Muttermund allein, nicht, dass nun sofort gepresst werden muss. Oft gibt es dann eine kleine Erholungszeit für die Gebärmutter. Zeit zu Pressen ist dann, wenn die Mutter Pressdrang verspürt.

Natürliche Geburten verlaufen nicht linear, sondern kennen Zeiten der Beschleunigung, der gleichbleibenden Geschwindigkeit, der Verlangsamung und auch der  Pausen. So halten wir es doch immer mit ungewohnten großen Anstrengungen. Phasen der Erholung und der Anstrengung im Wechsel bringen uns gut voran. Eine Peitsche, die uns immer wieder antreibt wenn wir eigentlich nicht mehr können (und sei sie nur im Hintergrund), bringt uns vielleicht schneller  ins Ziel, aber die Erfahrung wird eine andere sein.

Advertisements

Ein Kommentar (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? – Teil 2 « Birthtimedoula's Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 67 Followern an

%d Bloggern gefällt das: