Stoppt die Eltern-Kind Ansteckung mit Karies!


Die Übertragung von Karies

Wir meisten Erwachsenen haben Karies und damit auch die Zahnlöcher erzeugenden Karies Bakterien im Mund. Die Ansteckung der Babys mit diesen Bakterien verläuft über direkten Kontakt beim Küssen oder über gemeinsam benutze Gegenstände, wie zum Beispiel Löffel. Deshalb gibt es den Ratschlag, Babys nicht auf den Mund zu küssen und keinesfalls den Löffel zum Füttern des Babys abzulecken, oder den heruntergefallenen Schnuller zum Reinigen in den eigenen Mund stecken. Wie schwierig ist dies zu unterlassen, oder, wie schnell sich ein Baby unseren Löffel geschnappt und, hast du nicht gesehen, es sich ihn genüsslich in den Mund gesteckt hat, wissen wohl alle Mütter und Väter. Zum Glück gibt es neben der Zahnreinigung und der nicht ganz nebenwirkungsfreinen Chlorhexidin-Behandlung noch die Verwendung von Xylithol.

Was ist Xylithol / Xyitol / Xylit und was bewirkt es?

Xylitol (auch Xylhitol, Xylit) befindet sich als natürlicher Zuckeralkohol in kleinen Mengen in vielen Gemüsesorten  und Früchten, sowie in der Rinde bestimmter Holzarten. Es ist also ein in der Natur und in unserer Nahrung vorkommender Stoff.  Die industrielle Herstellung ist aufwändig und deshalb ist  Xylitol im Verhältnis zu anderen Zuckeraustauschstoffen, wie z. B. Sorbitol, viel teurer.

Seine Karies vorbeugende Wirkung im Rahmen der Kariesprophylaxe wurde  Anfang der 1970er-Jahre  entdeckt. Mehrere Studien in Finnland waren der Beginn. Die Kariusreduktion wird dadurch erklärt, dass die kariogenen Streptococcus mutans das Xylitol nicht verstoffwechseln können, es aber aufnehmen und  absterben. Sie können sich auch nicht mehr, als Plaquebakterien, im Biofilm an der Zahnoberfläche anheften. Weitere, die Zahngesundheit fördernde Eigenschaften des Xylitols, sind die Anregung der Speichelproduktion und  die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt.

Inzwischen wurden in viele weiteren Studien in verschiedenen Ländern untersucht, ob die Anwendung von Xylithol, z. B. mit Kaugummis, eine Übertragung von Karieskeimen von Müttern auf ihre Babys vermindern würde. Alle Untersuchungsergebnisse konnten diese Annahme bestätigen.

Hier ein Beispiel einer japanischen Studie:

Xylitol gum and maternal transmission of mutans streptococci.

Nakai Y, Shinga-Ishihara C, Kaji M, Moriya K, Murakami-Yamanaka K, Takimura M.

Department of Behavioral Pediatric Dentistry, Okayama University Graduate School of Medicine, Dentistry and Pharmaceutical Sciences, 2-5-1 Shikata-cho, Okayama-shi, Okayama 700-8525, Japan. yukien@md.okayama-u.ac.jp

Abstract

An important caries prevention strategy for children includes measures to interfere with transmission of mutans streptococci (MS). This study confirmed the effectiveness of maternal early exposure to xylitol chewing gum on mother-child transmission of MS. After screening, 107 pregnant women with high salivary MS were randomized into two groups: xylitol gum (Xylitol; n = 56) and no gum (Control; n = 51) groups. Maternal chewing started at the sixth month of pregnancy and terminated 13 months later in the Xylitol group. Outcome measures were the presence of MS in saliva or plaque of the children until age 24 months. The Xylitol-group children were significantly less likely to show MS colonization than Control-group children aged 9-24 months. The Control-group children acquired MS 8.8 months earlier than those in the Xylitol group, suggesting that maternal xylitol gum chewing in Japan shows beneficial effects similar to those demonstrated in Nordic countries.

PMID: 19948944 [PubMed – indexed for MEDLINE]

Und wo bleiben die Väter?

In allen Studien wurden bisher nur die Mütter mit den Kaugummis versorgt. Dem Ansteckungsweg über die Väter, oder weiteren engen Beziehungspersonen, wurde noch keine Aufmerksamkeit gezeigt. Ich könnte mir vorstellen, dass bei einer Einbeziehung aller wichtigen Kontaktpersonen, die Ansteckungsrate noch viel weiter gesenkt werden könnte.

Was sollten werdende Eltern tun?

Die Verminderung der eigenen Karies-Bakterienbesiedelung ist eine gute Prophylaxe für die Babys und natürlich auch für einen selbst. Empfohlen wird die Aufnahme einer Xylitolmenge  zwischen 5 und 10 Gramm pro Tag in mehreren Portionen. Dies kann in Form von Lutschpastillen oder Kaugummis erfolgen. Billiger ist es, Xylitol in Reinform zu kaufen. Es ist dann ein weißes Pulver, das süß ist und genauso wie Zucker aussieht. Davon kann man dann nach dem Zähneputzen einen Teelöffel voll  im Mund zergehen lassen, dann im Mund damit herumspülen und nach 3-4 Minuten entweder runterschlucken oder ausspucken. Nicht mit Wasser nachspülen. Vorsicht, nicht erschrecken, sich lösendes Xylitol hat eine Kältegefühl erzeugende Wirkung. Wenn einem diese unangenehm ist, kann man vorher das Pulver in Wasser auflösen. Inzwschen werden auch einige Zahncremes mit Xylit für Erwachsene angeboten. Bisher habe ich leider noch keine davon in Drogerien oder Apotheken  der Umgebung gesehen, aber zum Glück gibt es das Internet.

Anwendung bei Kindern

Natürlich können auch Kinder die Prophylaxe mit Xylit fortsetzen. Für sie gibt es eine Zahncreme mit hohem Xylitanteil, Nenedent für Babys und 3 verschiedenen Nenedent Kinder-Zahncremes sind in vielen Apotheken erhältlich. Zudem kann man den Kindern, die auch gerne selbst Zähne putzen, eine frisch selbst hergestellte Xylitlösung zum Eintauchen der Zahnbürste anbieten.

Kaugummis und Bonbons mit Xylit mögen die Kleinen natürlich lieber. In Geschäften sind diese leider zur Zeit in Duetschland kaum zu finden. In anderen Ländern ist es anders, aber unseren Verbrauchern ist Xylitol wohl zu teuer.  Sorbitolprodukte, die zwar auch ein Zuckeraustauschstoff sind, aber keine aktive Rolle bei der Bekämpfung von Karies zeigen, sind etwas billiger und füllen die Regale.

Paradontose und Frühgeburten

Die Zahngesundheit ist nicht nur wegen Karius und der Löcherbildung für Schwangere wichtig, sondern es wird schon seit längerem in der Forschung diskutiert, ob eine Paradontose die Neigung der  Frühgeburtlichkeit erhöht. Also ein weiterer Grund, sich um seine Bakterienflora im Mundraum zu kümmern.

Mittelohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen

Neben den zahnbeschützenden Eigenschaften hat Xylitol in Studien eine Verminderung von Mittelohrentzündungen bei Kindern gezeigt. Das ist doch mal eine angenehme Nebenwirkung! Zur Zeit läuf noch eine Studie zu Xylitol und Nasennebenhöhlenentzündungen. Aufbauend auf Erfahrungsberichten wird erwartet, dass auch hier Xylith (als Nasenspülung),  durch das Aufbrechen des Biofilms und Lösens der schädlichen Keime von der Schleimhaut, eine Verminderung der Entzündungszahlen bringt.

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