Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? Teil 1




Abb.: Cardiotokograph, rechte Krakellinie bildet die Aktivität der Gebärmutter ab

Unter einer guten Wehe wird meist eine Wehe verstanden, welche die Geburt voranbringt. Von außen ist dies ja überhaupt nicht sichtbar.  Handauflegen ist nicht besser und auch dieser Aufnahmeknopf, verbunden mit Gürtel und Drähten zu einem Drucker,  der dann imposante Papierstreifen mit bunten Linien produziert (Cardiotokograph ,CTG, zu Deutsch Herzton-Wehen-Schreiber, ist ein medizinisches Gerät welches zum einen die Herztöne des Ungeborenen und zum anderen die mütterlichen Wehen aufzeichnet), sagt nicht wirklich, wie effektiv eine Wehe ist. Darauf aufbauende Aussagen darüber, wie lange die Geburt noch dauert, ist nur technisierte Kaffeesatz-Leserei. Woher weiß man denn dann, ob eine Wehe „gut “ ist, oder nicht? Rachel Reed hat sich dazu in einem Beitrag in ihrem Blog ausführlich damit beschäftigt: „„The effective Labor contraction\„ :

Erstmal ein kurzer Geschichtsrückblick

Wir können davon ausgehen, dass schon immer ein gewisses Wissen über die Geburt und ihre Abläufe die Menschheit begleitet hat. Dass eine Geburt aber effizient sein sollte, findet man in von Männern geschriebenen Büchern ab dem 17 Jahrhundert. Dies ist auch die Zeit in der diese das Feld der Geburtshilfe für sich entdeckten. Um einen Fuß in die Geburtskultur zu bekommen, wurden erstmal die Hebammen und ihr Können verunglimpft.   Die Geburt sollte nun einem Idealbild mit geregelten Phasen und (kurzen) Zeiten entsprechen. Das Instrument mit dem sich die neuen männlichen Geburtshelfern von den Hebammen abgrenzten, war ,vor allen anderen, die Zange. Dieses  mechanische Hilfsmittel wurde von ihnen fast immer und sobald wie möglich eingesetzt. Bessere Ergebnisse bei den Geburten konnten sie nicht vorweisen, im Gegenteil. Doch findet sich noch heute einiges von dieser Einstellung, hier nur ein Beispiel: die Friedmankurve.

Das Erbe der Friedman Kurve

Eine moderne Basis der Beurteilung des Geburtsfortschritts bot die Friedman Kurve (Hier ist ein Gynäkologe gemeint, nicht der Volkswirtschaftler Milton Friedman). In den 1954 wurde sie von  Friedman, anhand seiner Beobachtung von 100 Geburten, entwickelt. Die gebärenden Frauen wurden jede Stunde rectal untersucht und die Eröffnung der Cervix notiert. Er stellte fest, dass bei Frauen, bei denen  eine schnelle Öffnung der Cervix notiert worden waren, seltener ein Eingriff (z. B. Kaiserschnitt) gemacht wurde, als bei Frauen mit langsamerer Öffnung. Er warnte jedoch davor, seinen Graphen als Instrument zur Vorhersage oder als Basis von Eingriffen zu verwenden. Doch genau dies geschah. Entspricht die Geschwindigkeit der Eröffnung nicht der Friedmankurve, so kommen schnell  chemische Mittel (Pitocin)  zur Wehenbeschleunigung oder angeleitetes Pressen ohne Pressdrang, zum Einsatz. Es wird also davon ausgegangen, dass die tatsächlichen Wehen nicht die besten Wehen für diese Frau und ihr Kind sind, sondern zu schwache und dass sie deswegen künstlich verstärkt werden müssen.

Zur Zeit wird die Friedmankurve und ihr Einsatz als Maß heiß diskutiert. Viele  Studien zeigen, dass die durchschnittliche Geburtsdauer länger wäre und dass auch langsamere Geburten nicht unbedingt ein Zeichen für  Probleme für Mutter und Kind sind, sondern die Anwendung der Friedmankurve als Maß einer guten Geburt zu vielen, evtl unnötigen Eingriffen (Wehenbeschleunigung, angeleitetes Pressen, Kaiserschnitt…) führt.

Es folgt Teil II

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