Beschwerden beim Milcheinschuss – Was hilft?


Starke Schwellung, hartes Brustgewebe, Schmerzen, Fieber – dies erleben viele Frauen beim Milcheinschuss. Diese Beschwerden  erschweren den Stillbeginn häufig wirklich erheblich und zwar für beide Beteiligte, das Baby kann dann nämlich die Brustwarze nur schwer fassen. Manchmal führen sie auch zu schlimmeren Zuständen wie einer Brustentzündung der Mutter.

Das wichtigste beim Milcheinschuss ist das regelmäßige Entleeren der Brust, am besten durchs Baby, aber wenn dies nicht in ausreichendem Maße gelingt, mit Hand oder Pumpe. Oft reicht es nicht und die Brust wird nach dem Entleeren schnell wieder prall und schmerzhaft (es ist nicht nur Milch, welche die Brust füllt, sondern auch viel Lymphflüssigkeit im Brustgewebe). Zusätzlich geben Hebammen, Stillberaterinnen und Freundinnen verschiedene Tipps. In Deutschland sind folgende die häufigsten:

  • Kohlblätterauflagen
  • Quarkauflagen
  • homöopathische Kügelchen/Tropfen
  • Kühlpacks

Alles wohl „bewährte“ Maßnahmen und viele Frauen empfinden dadurch Erleichterung und erwarten, dass sich damit das Ausmaß und die Dauer des unangenehmen Milcheinschusses verkürzen lässt. Aber in wie weit sind denn diese Anwendungen wirklich auf ihre Wirksamkeit untersucht und was sind die Ergebnisse? Die Cochrane Collaboration ist dieser Frage nachgegangen und hat die Studien hierzu (es gibt leider kaum welche) analysiert. Ich fand das Ergebnis des Cochrane Reviews „Treatment for breast engorgement during lactation“ von 2008 recht enttäuschend. In dieser Metaanalyse wurde untersucht, welche üblichen Behandlungsarten bei unangenehmen Milcheinschuss Linderung brachten.

Es folgt nun erst eine kurze Beschreibung der Cochrane Collaboration und darunter die übersetzte Zusammenfassung des Reviews.

Was ist die Cochrane Collaboration?

Die Cochrane Collaboration gibt es seit fast 30 Jahren, seit 1999 ist sie auch in Deutschland vertreten. Sie ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss von Akademikern der ganzen Welt, die systematische Übersichtsarbeiten zur Berwertung von Therapien erstellen und immer wieder aktualisieren. Diese Übersichtsarbeiten werden in der Datenbank The Cochrane Library veröffentlicht und bieten Akteuren im Gesundheitswesen eine wissenschaftlich fundierte Informationsgrundlage, um den aktuellen Stand der klinischen Forschung in kurzer Zeit objektiv beurteilen zu können. Das schöne an der Cochrane Library ist, dass jeder die Zusammenfassungen der Übersichtsartikel lesen kann.

Kurze übersetzte Zusammenfassung:

Therapie bei unangenehmen Milcheinschuss

„Insgesamt waren 8 Studien mit insgesamt 744 Frauen in die Analyse einbezogen worden. Die Studien untersuchten folgende Behandlungen und ihre Wirkung auf die Beschwerden beim Milcheinschuss: Akupunktur, Kohlblätterauflagen, kalte Gelpacks, Oxytocingaben, Ultraschall.

Keine signifikante schnellere Verbesserung der Befindlichkeit der Frauen konnte für die Therapie mit Kohlblättern, Oxytocin oder Ultraschall festgestellt werden, wenn sie mit Frauen ohne jegliche Behandlung verglichen wurden. Bei beiden Gruppen nahmen die Beschwerden ähnlich ab. In einer Studie zeigte sich, dass  Akupunktur die empfundenen Symptome  des Milcheinschusses am Tag 3 und 4 besserte. Am 6. Tag gab es keine Unterschiede mehr. Ob Akupunktur das Auftreten von schlimmeren Folgen, wie Brustabszess, vermindern könnte, war leider nicht festzustellen, da die Anzahl der untersuchten Frauen zu gering war.

Eine Studie untersuchte die Wirkung von Kühlpacks und kam zum Ergebnis, dass Kühlpacks nicht schaden und Symptome verbessern können. Unglücklicherweise waren die Ausgangsgruppen etwas unterschiedlich und deshalb waren die Ergebnisse   schwer zu interpretieren.

Insgesamt kann gesagt werden, dass einige Behandlungen vielversprechend sein könnten, aber leider fehlen ausreichend gute Studien um eine gerechtfertigte, allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Therapie auszusprechen.   Es ist noch weitere Forschung dazu notwendig.“

Kann es wirklich sein, dass es  keine (Quarkauflagen) oder nur so wenige Studien zur abschwellenden und entzündungshemmenden Wirkung von  Kohlblättern u. ä. oder gibt und dass diese wenigen meist zu einem negativen Ergebnis kommen? Zudem waren die einzelnen Studien relativ schlecht gemacht, so  war  die  eine positive Studie zur Wirksamkeit der Akupunktur weder „blind“,  noch wurde mit einer Plazebobehandlung (z. B. Scheinakupunktur) kontrolliert, ihr Aussagewert ist also relativ gering.  Eine eigene Suche nach weiteren Studien war nicht von Erfolg gekrönt. Kennt vielleicht jemand weitere Studien zu diesem Bereich?

Muss ich meine Empfehlungsweise beim Milcheinschuss nun ändern? Ich hoffe, ich habe auch bisher immer ausdrücklich  erklärt, dass das wichtigste das Entleeren der Brust ist, dass man sich zu Stillbeginn nicht vor Überproduktion fürchten soll, sondern den Milcheinschuss erstmal dazu verwendet, ein großes Angebot bereitzustellen. Runterregeln nach dem Milcheinschuss geht meist einfacher als die Milchmenge zu erhöhen. Der Appetit des Babys wächst in den ersten Wochen am schnellsten. Außerdem ist, wie schon oben erwähnt, nicht alles Milch, sondern ein Teil ist Lymphflüssigkeit im Brustgewebe. Es braucht einfach einige Zeit, bis sich die benötigten Mengen zur Milchproduktion einregeln.  Kohl- und Quarkauflagen etc. können fehlendes Entleeren der Brust nicht ersetzen.

Es gibt schon eine gewisse Gefahr zu stark auf diese „Linderungstechniken“ zu vertrauen und das Entleeren der Brust hinauszuschieben, aus einer diffusen und falschen Angst heraus, die Produktion zu diesem Zeitpunkt mit  häufigem Anlegen des Babys, oder Abpumpen, zu sehr zu steigern. Weitere Ursachen für zu seltenes Anlegen können schmerzende Mamillen (Brustwarzen) sein, oder die falsche Vorschrift, lange Stillabstände einhalten zu sollen. Dadurch wird die Schwellung natürlich umso stärker und schmerzhafter und die Angst,  zu viel Milch zu produzieren, noch größer. Von der Gefahr einer Brustentzündung einmal abgesehen, kann dann nach dem Milcheinschuss und der Angst davor, zu viel Milch zu haben, nach kurzer Zeit  – überraschender Weise – zu wenig Milch fürs Baby da sein.

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