Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Lebensretter aus „Müll“? Teil 1


Es hört sich so gut an: „Stammzellen – die Lebensvorsorge aus dem Nabelschnurblut“.  So oder so ähnlich klingen die Werbesprüche kommerzieller Nabelschnurblutbanken. „Zum Helden geboren,“ ist der entsprechende Satz der gemeinnützigen DKMS (=Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH). Werdende Eltern lesen solche Anzeigen bestimmt einige Male vor der Geburt und denken natürlich darüber nach, ob sie nicht irgendwie verpflichtet sind, ihrem Kind diese Lebensversicherung zu bezahlen (beim privaten Anbieter) und Nabelschnurblut einfrieren lassen. Oder, ob sie nicht aus dem Gefühl einer Dankbarkeit oder des Helfenwollens heraus,  das Nabelschnurblut  spenden sollten.

Das Nabelschnurblut wird in den Werbebotschaften als für das Neugeborene nicht notwendig erachtet. Bei der DKMS findet sich sogar der Satz: „Bisher landet in deutschen Geburtskliniken in rund 97 Prozent der Fälle die Nabelschnur neugeborener Babys im Müll. Ein mehr als bedauernswerter Zustand und Verschwendung lebensrettenden Potenzials“ (siehe:  http://www.dkms.de/aerzte/news-uebersicht/news-detailansicht/article/kleine-helden-auf-der-erfolgsspur/index.html? tx_ttnews%5BbackPid%5D=21&cHash=a961a218ce)

Bei den privaten Anbietern sieht das nicht anders aus. Entweder wird dieser Aspekt überhaupt nicht betrachtet, oder das Nabelschnurblut wird als das Blut beschrieben, das bei der Geburt in der Plazenta verbleibt und daher zum Abfallprodukt würde, wenn es nicht zur Stammzellgewinnung genutzt wird.

Ist Nabelschnurblut  Müll oder ein Abfallprodukt?

Die Blutmenge in der Plazenta und der Nabelschnur nach der Geburt hängt davon ab, ob vorzeitig abgenabelt wurde, oder die Nabelschnur erst nach dem Auspulsieren und damit dem Ende des physiologischen Bluttransfers,  durchtrennt wurde. Für eine sinnvolle Stammzellgewinnung ist das vorzeitige Durchtrennen der Nabelschnur notwendig. Physiologischer Bluttransfer und Stammzellgewinnung schließen einander aus! Die Vorstellung, dem Baby nur ein wenig Blut für die Stammzellgewinnung wegzunehmen, klappt nicht, denn ein großer Nachteil der Transfusion von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ist die geringe Anzahl der Stammzellen in dieser. Deshalb reichen sie in der Regel  nur für ein max. 40 kg schweres Kind. Für einen Erwachsenen werden die Stammzellen aus der Nabelschnur mehrerer Neugeborener benötigt.

Nabelschnurblut als Müll oder Abfallprodukt entsteht nur in ausreichender Menge, wenn vorzeitig abgenabelt wurde. Unterbleibt eine vorzeitige Durchtrennung der Nabelschnur, ist  eine  Gewinnung  ausreichender Stammzellmengen nicht möglich.

Warum wird vorzeitig abgenabelt?

Das ist wirklich eine gute Frage. Es gibt eine riesige Menge an Studien, welche die kurz- und langfristigen Nachteile des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur für das Neugeborene belegen, aber irgendwie scheint der schnelle Schnitt für Geburtshelfer ungemein attraktiv zu sein. Wir haben einfach eine Kultur des „Je Schneller desto  Besser“; „Zeit ist Geld“; „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf ..“..Auch wird manchmal angenommen, dass das viele Blut das Neugeborene schädigen könnte, aber diese Meinung ist, Spezialfälle ausgenommen, inzwischen widerlegt (siehe nochmal die Videos des vorletzten Blogbeitrags).

Folgen des vorzeitigen Abnabelns

Ich glaube wirklich nicht, das diese Eile böse Absicht ist, aber sie hat leider negative Auswirkungen. Ich möchte  (nur  eine kleine Auswahl) dafür auf meinen vorletzten Blogbeitrag mit den Videos von Dr Fogelson verweisen, siehe auch hier und hier und  hier und

Mercer, J., B. Vohr and W. Oh. „Delayed Cord Clamping in Very Low Birthweight  Infants Reduces the Incidence of Intraventricular Hemmorhage and Late Onset Sepsis (Abstract).“ Pediatric  Research. 58(2):395. August 2005.(html)

Mercer, JS, Vohr, BR, Erickson-Owens, DA, Padbury, JF, Oh, W, (2010),
Seven-month developmental outcomes of very low birth weight infants enrolled
in a randomized controlled trial of delayed versus immediate cord clamping. J
Perinatol. 30(1), 11-16. (pdf)

Es folgt Teil 2

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut- wem gehören sie?

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