Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Wem gehören sie? Teil 2


Wieviel Blut verliert ein Neugeborenes durch eine Stammzellenspende?

Oder vielleicht besser:

Baby trifft Vampir! – Was dann geschah.

Um ein  Gefühl dafür zu bekommen, um welche Mengen es sich beim vorzeitigen Abnabeln der Nabelschnur handelt, ist  nicht so sehr die absolute Blutmenge ausschlaggebend, sondern das Verhältnis, in dem diese zur gesamten Blutmenge des Neugeborenen steht. Durch das für die Stammzellenspende notwendige vorzeitige Abnabeln verliert das Neugeborene eine erhebliche Menge seines Blutes –  30 bis 40%. Vielleicht, so kann man sich fragen, braucht das Baby dieses Blut ja überhaupt nicht? Vorher war  doch dieses Blut in der Plazenta oder in der Nabelschnur unterwegs, da ist es doch nur natürlich, dass es nach der Geburt nicht mehr nötig ist, oder? Bei dieser Betrachtungsweise wird vergessen, dass die Lunge vor der Geburt in seiner Atmungsfunktion nicht gebraucht wird und daher nur eine kleine Blutmenge in der Lunge zirkuliert. Nach der Geburt sieht dies anders aus. Nun muss die Lunge arbeiten. Dazu müssen sich die Lngenbläschen weiten und dafür ist eine viel größere Blutmenge als zuvor notwendig. Dieses Blut kommt aus der Plazenta und der Nabelschnur. Fehlt dieses aufgrund des vorzeitigen Abnabelns, wird das zum normalen Arbeiten der Lunge notwendige Blut aus den anderen Organen abgezogen, auch vom Gehirn und der Leber. Es kommt zu starkem Druckabfall in den  Blutgefäßen und es stehen viel weniger rote Blutkörperchen zur Sauerstoffversorgung, aber auch andere Blutbestandteile, wie z. B. T-Helfer Zellen (gegen Krebs) und Stammzellen zur Verfügung. Und dies wenige Sekunden nach der Geburt, in einem besonders sensiblen Zeitabschnitt im Leben eines Menschens, im Moment einer grundlegenden Umstellung der Sauerstoffversorgung und des Stoffwechsels.  Alles das, was vorher die Plazenta geleistet hatte, muss nun vom Körper des Neugeborenen alleine geschafft werden.

Man stelle sich nur vor,  jemand käme ein paar Stunden nach einer Geburt mit physiologischen Bluttransfer auf die Idee, dem Baby auch nur 20% seines Blutes abzunehmen. Er würde für verrückt erklärt werden.

Für was braucht denn das Baby diese Stammzellen?

Für was werden denn eigentlich Stammzellen benötigt, was machen sie? Hier ein Link zu  Stammzellen und  ein Link konkret  zu Stammzellen aus dem Nabelschnurblut (neonatale Stammzellen)aus Wikipedia.

Stammzellen haben wirklich ein großes Potential, insbesondere die multipotenten Stammzellen aus der Nabelschnur. Die Konzentration an Stammzellen im Blut des Neugeborenen ist höher als bei Erwachsenen. Bei Frühgeborenen ist sie sogar noch höher. Bei vorzeitigem Abnabeln verliert das Baby Millionen von wertvollen Stammzellen. Ich frage mich nun, wie man auf die Idee kommen kann, dass diese „Super“zellen im Nabelschnurblut, für die kurz- und langfristige Gesundheit des Babys nicht wichtig sind und zwar von Anfang an und nicht erst im Krankheitsfall, kryokonserviert und Jahre später. Wie häufig, oder besser gesagt, wie selten autologe Nabelschnurblutspenden sind, zeigt sich an folgenden Zahlen. Laut ARD online vom 08.03.2011 wurden inzwischen bei Vita 34 (einem großen privaten Unternehmen) bis Ende 2010   11.038 Nabelschnurblutpräparate eingelagert. Die Erlöse kletterten laut vorläufiger Zahlen auf 17,0 Millionen. Inzwischen wurden seit Beginn der Einlagerung 15 Kinder behandelt. (Weltweit insgesamt 130, über den Erfolg der Behandlung gab es leider keine Angaben.) Sollten denn diese Stammzellen nicht gleich nach der Geburt „Gutes“ im Körper des Kindes tun?

Diese Frage stellen sich auch einige andere, so zum Beispiel auch Dr. Judith Mercer,  Professorin an der University of Rhode Island.  Sie forscht schon seit vielen Jahren  zum Thema „delayed cord clamping“ (späteres Abnabeln) und kommt zum Ergebnis, dass das Nabelschnurblut mitsamt der Stammzellen in das Baby gehört, dass also, im Regelfall, nicht vorzeitig abgenabelt werden darf.   Ihre Meinung dazu, kann man in diesem Podcast (leider auf englisch) hören.

Stammzellen sind von Anfang an am weiteren Aufbau des kindlichen Körpers beteiligt, reparieren im Lebensprozess entstehende Schädigungen. In Tierversuchen konnte festgestellt werden, dass sie Gewebeschäden des Herzens, der Leber,  der Lunge, von Muskeln, von Blutgefäßen und auch des Gehirns beseitigen können. In einer Studie an gerade geborenen, absichtlich mit Sauerstoff unterversorgten Ratten konnte sogar nachgewiesen werden, dass eine Injektion mit menschlichen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, 24 Stunden nach der Schädigung, eine ansonsten zu erwartende, spastische Lähmung heilen konnte ( siehe hier).

Bisher wurde noch nie untersucht, welche Folgen das Entziehen der Stammzellen des Nabelschnurblutes durch vorzeitiges Abnabeln für das Neugeborene hat. Es gibt keinen Nachweis, dass das Nabelschnurblut und seine Inhaltsstoffe für das Baby „Müll“ sind. Gleichzeitig zementiert die Behauptung „Stammzellengewinnung aus dem Nabelschnurblut ist eine Lebensversicherung“, oder “ ist die Umwandlung von Abfall in ein Heilmittel“ die falsche Vorgehensweise des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur. Aber, bevor solch ein Nachweis der Unschädlichkeit der Nabelschnurblutspende erbracht wurde, gilt meiner Meinung nach:

Wem gehören die Stammzellen? – Dem Baby – und zwar im Baby!

Nein, zum Vampirunwesen im Kreissaal!

Was ist eure Meinung dazu?

Die Stammzellenspende von Erwachsenen

Die Nabelschnurspende sollte, wie auch das vorzeitige Durchtrennen der Nabelschnur, die begründete Ausnahme sein. Für die Stammzellenspende von Erwachsenen sieht die Bilanz meines Erachtens ganz anders aus. In Deutschland ist die DKMS die öffentliche Institution für die Knochenmarkspende. Sie hat eine sehr gute und informative Webseite klicke hier. Leider ist diese bezüglich der Nabelschnurspende fehlerhaft und behauptet mehrfach, dass die Nabelschnur incl. Blut nach der Geburt völlig wertlos für das Neugeborene ist. Dass dies von privaten, an Profit orientierten Firmen, so beschrieben wird, erwarte ich nicht anders. Doch ich finde es sehr traurig, wie die Problematik des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur, von einer an Gesundheit interessierten Organisation übersehen wird. Gerade das Wissen um die „Super“kräfte der Stammzellen, sollte für einen physiologischen Umgang mit dem Nabelschnurblut bei der Geburt sensibilisieren. Meines Erachtens hätte nicht ein Spendenaufruf um Nabelschnurblut erfolgen dürfen, sondern die Forderung an Geburtshelfer, die Nabelschnur frühestens nach dem Ende des physiologischen Bluttransfers zu durchtrennen, wäre das Richtige gewesen.

Übrigens, ich bin bei der DKMS als möglicher Spender registriert. Knochenmarkspender darf man erst ab 18 werden. Es ist eine freie, persönliche Entscheidung. Von einem potentiellen Spender braucht die DKMS nur eine Gewebeprobe, entweder durch Wangenabstrich (tut überhaupt nicht weh) oder Blutabnahme. Erst im Falle eines tatsächlichen Bedarfs wird näher untersucht und es kann nach einem positiven Ergebnis zu einer Spende kommen. Es werden also meinem Körper nicht ins Blaue hinein die wertvollen Stammzellen entzogen, ohne dass ich dazu gefragt werde, sondern nur, wenn tatsächlich einem anderen Menschen konkret geholfen werden kann und ich diesem zustimme. Diese Vorgehensweise unterstütze ich gerne!

Siehe auch Teil 1: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Lebensretter aus „Müll“?

Siehe auch: Lasst die Nabelschnur in Ruhe – Die Schere kann warten!

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