Flaschenkinder sind glücklicher! – Wirklich?


Nun, ich habe da so meine Zweifel.

Es geht um eine neue britsche Studie mit dem Titel: Breastfeeding and Infant Temperament at Age Three Month (= Stillen und Temperament des Kindes im Alter von 3 Monaten). In die Studie aufgenommen wurden 316 Babys. Diese wurden in   3 Gruppen „ausschließlich gestillt“, „ausschließlich mit der Flasche ernährt“ und „Fläschchen und Stillen kombiniert (=teilgestillt)“ aufgeteilt. Studie und Ergebnis haben die Forscher wie folgt zusammengefasst:

„Breast and mixed-fed infants were rated by their mothers as having more challenging temperaments in all three dimensions; particular subscales included greater distress, less smiling, laughing, and vocalisation, and lower soothability….“ (= Vollgestillte und teilgestillte Babys werden von ihren Müttern als anstrengender geschildert und zwar in allen 3 untersuchten Bereichen, besonders  hinsichtlich größerer Unruhe, weniger Lächeln, weniger Lachen, weniger Vokalisierung und schwieriger Beruhigung.)

So genommen klingt das nicht gerade vorteilhaft für das Stillen. Und so haben einige engl. Zeitungen die Studie mit drastischen Überschriften wie „Nicht gestillte Kinder sind glücklicher“ oder „Gestillte Kinder schreien mehr und lächeln weniger“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autoren  selbst, möchten ihre Studie  ganz anders verstanden wissen und diskutieren verschiedene Ursachen.  Als einen möglichen Grund für das schlechtere Abschneiden der gestillten Kinder beschreiben sie, dass viele Mütter versuchen, ungeeigneten Empfehlungen zur Kinderernährung  folgen, wie z. B. dem immer noch von vielen Ärzten empfohlenen 3-Std Still-Rythmus und zu kurze Stillperioden. Die Babys haben dann einfach häufig Hunger und sind dann natürlich oft unzufrieden.  Somit erleben die stillenden Mütter ihre Kinder oft als unglücklicher als Flaschenkinder und fürchten nicht ausreichend Milch zu haben und stillen daher früher als geplant ab. Um dies zu vermeiden, empfehlen die Autoren der Studie, sollten die Mütter mehr realistisches Wissen über die Verhaltensdynamik beim Stillen und über den Umgang mit „schwierigeren“ Babys bekommen.

Ich möchte noch hinzufügen, dass die Unterschiede zwischen den  drei Gruppen sehr gering sind. Auf einer Skala von 1 bis 7 bekamen die Flaschenkinder gemittelt 4,3 und die beiden anderen 4,0 Punkte (1= niemals, 2= sehr selten, 3 = fast die Hälfte der Zeit, 4 = die Hälfte der Zeit, 5 = mehr als die Hälfte der Zeit, 6 = fast immer, 7= immer). Die Frage bezüglich Beruhigung war z.B. „Wie oft beruhigt sich das Baby, wenn es sanft gestreichelt oder geklopft wird?“, die Frage bezüglich Traurigkeit lautete :“Schien das Baby traurig zu sein, wenn die Hauptbeziehungsperson ungewöhnlich lange weg war?“, die Frage bezüglich Angst: “Wie oft hat sich das Baby wegen einem lauten oder plötzlichen Geräusch in der letzten Woche erschrocken?“.  – Irgendwie beschleicht mich hier das Gefühl, dass die Frage nach Beruhigung besonders auf Flaschenkinder zugeschnitten ist. Brustkinder werden doch i.d.R. mit Hilfe der Brust und nicht durch Klopfen beruhigt – und ersteres ist wieder nach „Expertenrat“ verboten – soviel zu ungeeigneten Empfehlungen. Und, ist ein glückliches Kind, ein Kind, dem die An- oder Abwesenheit der Hauptbeziehungsperson eher egal ist? Außerdem, hat die Anzahl des Erschreckens nicht auch damit zu tun, ob jemand überhaupt festgestellt hat, dass das Baby erschrocken ist?

Zudem wurden die Kinder nicht von Forschern untersucht, sondern von ihren Müttern beurteilt und, wie wir alle wissen, unterscheiden sich die Menschen in ihren Bewertungen. So kam eine weitere Studie  im April 2011 (Breastfeeding tied to stronger Maternal Response to Baby`s Cry) zu dem Ergebnis, dass stillende Mütter beim Weinen ihrer Kinder eine stärkere Reaktion in Gehirnbereichen, die mit  Kümmern und Empathie assoziiert werden, zeigen, als Mütter die ihren Kindern vorwiegend künstliche Babynahrung geben.

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