Füttern nach der Uhr macht Babys dümmer


Es ist ja schon ein lang andauernder Streit in wie weit das Stillen die Kinder bei der Entwicklung ihrer Intelligenz fördert. Nun kommt noch eine weitere Dimension dazu, und zwar das Füttern nach Bedarf versus Füttern nach der Uhr. Viele neue Bücher über Babys propagieren das Stillen nach Bedarf, aber es gibt noch eine Reihe anderer, v.a. älterer, in denen noch sehr stark das Stillen oder Füttern nach der Uhr vertreten wird. Auch fragen noch viele Kinderärzte, ob denn das Baby schon einen  richtigen Stillrythmus entwickelt hätte und mahnen  nachsichtige Mütter, die ihre Babys nach Bedarf zu Trinken geben, zu mehr Konsequenz und Zeitplanung beim Füttern.

Maria Iacovou und Almudena Sevilla aus England untersuchten den Effekt den einerseits Füttern nach Bedarf und andererseits Füttern nach Plan (Uhr) der Babys auf das Wohlgefühl der Mütter und die geistige Entwicklung der Kinder haben.

Die Studie mit dem Titel „infant feeding: the effects of scheduled vs. on-demand feeding on mothers´wellbieing and childrens´scognitive development“ ist im Eurpean  Journal for Public Health (March 14,  2012) erschienen.

Kurze übersetze Zusammenfassung:

Datenerhebung:  Es wurden die Daten von 10 419 Kinder der Avon Longitudinal Study of Parents and Children ausgewertet. Es handelt sich dabei um eine Kohorten Studie von Kindern, die in den 1990igern  in Bristol, UK, geboren worden waren. Als die Babys 4 Wochen alt waren, war erhoben worden, ob sie entweder nach Zeitplan oder nach Bedarf gestillt/mit der Flasche gefüttert worden waren. Im Alter zwischen 8 Wochen und 33 Monaten wurden Daten zum Wohlergehen der Mütter (Schlaf, Gefühl der Kompetenz und Depression) erhoben. Der Grad der geistigen Entwicklung der Kinder wurde im Alter von  5, 7, 11 und 14 Jahren durch Standardtests festgestellt, ein iQ -Test erfolgte im Alter von 8 Jahren.

Ergebnisse: Die Mütter die nach Zeitplan gefüttert hatten, schnitten bei den Tests zum Wohlergehen besser ab, außer im Punkt Depression. Ihre Kinder schnitten jedoch bei den Test zu den akademischen Fähigkeiten schlechter ab, als Babys die nach Bedarf gefüttert worden waren (17%  Standard Abweichung unter den nach Bedarf gefütterten Kindern in den Standardtests bei allen Altersstufen und   4 Punkte weniger im  IQ-Test).

Ich möchte noch hinzufügen, dass Stillen oder Füttern nach Bedarf in den 90igern des letzen Jahrhunderts etwas war, das Mütter meistens noch mit schlechtem Gewissen gemacht haben. Ich denke, in England war das nicht viel anders, als hier bei uns. Deshalb wundert mich das Ergebnis zur mütterlichen Kompetenz nicht wirklich. Die Autoren schreiben selber, dass viele Mütter, vor allem junge, ihre Babys nach Bedarf gestillt haben, weil sie es nicht geschafft hatten, einen Zeitplan gegen ihre Babys durchzusetzen und nicht, weil sie davon prinzipiell überzeugt waren. Sie empfanden sich deshalb oft als nicht so kompetent wie Mütter, die die allgemein empfohlene Regelhaftigkeit beim Füttern einhielten.


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