Deutsche Veröffentlichung zum D-MER


In der Fachzeitschrift der Europäischen LanktationsberaterInnen Allianz (ELACTA)  Lactation und Stillen ist in der Ausgabe 4/2011 ein Beitrag zu dem D-MER (Dysphorischer Milchspendereflex) erschienen. Er ist eine Überseztung des englischen Artikels von Heise und Wiesinger im International Breastfeeding Journal 2011 6:6, mit dem Titel:“Dysphorik milk ejection Reflex: A case report“.

Das Auftreten vom D-MER ist sozusagen nun auch in Europa offiziell Realität.

Unter folgenden Link könnt ihr den kostenlos zugänglichen Beitrag  finden.

Klicke, um auf ls-4_2011-dysphorischer-milchspendereflex.pdf zuzugreifen

Stillen verbessert spätere Lungenfunktion


 Das gilt vor allem, wenn die Mutter Asthma hatte. Eine neue Studie aus der Schweiz und Großbritannien „Brestfeeding and lung function at scholl-age: does maternal asthma modify the effect?“ (= Stillen und Lungenfunktion im Schulalter: verändert mütterliches Asthma den Effekt?) kam zu diesem Ergebnis.

Untersucht wurden 1458 Kinder aus den britischen Leicestershire Cohort Studies von 1993 und 1997. Bei wiederholten Befragungen wurden  Daten zur Dauer des Stillens, zu Belastungen und  zu Symptomen bez. des Atmens  erhoben. Als die Kinder 12 Jahre alt geworden waren, wurden verschiedene  Tests zur Lungenfunktion durchgeführt.

In der gesamten Untersuchungsgruppe war die Lungenfunktion verbessert, wenn die Kinder gestillt worden waren. Zusätzlich konnte festgestellt werden, dass eine Verlängerung der  Stilldauer von 4-6 Monate auf über 6 Monate, sogar eine weitere Verbesserung der Lungenfunktion mit sich brachte.

Im Falle der Kinder von Müttern mit Asthma wurde zudem in  Spezialtests  (Funktionelle Residualkapazität (FRC)und Funktionelle Residualkapazität (FRC)) eine weitere Verbesserung durchs Stillen gefunden. Hatten die Mütter kein Asthma, so war bei diesen Tests kein Unterschied zwischen gestillten und ungestillten Kinder zu sehen.

Die Verbesserungen der Lungenfunktion blieb sogar signifikant, nachdem die Anzahl von Atemwegserkrankungen, das Auftreten von kindl. Asthma oder Atopie in der Studienauswertung „heraus gerechnet“ worden war. Und so folgerten die Forscher, dass das Stillen selbst  evtl. einen eigenen positiven Effekt auf das Lungenwachstum hat. Sie raten daher zum Stillen der Kinder.


Flaschenkinder sind glücklicher! – Wirklich?


Nun, ich habe da so meine Zweifel.

Es geht um eine neue britsche Studie mit dem Titel: Breastfeeding and Infant Temperament at Age Three Month (= Stillen und Temperament des Kindes im Alter von 3 Monaten). In die Studie aufgenommen wurden 316 Babys. Diese wurden in   3 Gruppen „ausschließlich gestillt“, „ausschließlich mit der Flasche ernährt“ und „Fläschchen und Stillen kombiniert (=teilgestillt)“ aufgeteilt. Studie und Ergebnis haben die Forscher wie folgt zusammengefasst:

„Breast and mixed-fed infants were rated by their mothers as having more challenging temperaments in all three dimensions; particular subscales included greater distress, less smiling, laughing, and vocalisation, and lower soothability….“ (= Vollgestillte und teilgestillte Babys werden von ihren Müttern als anstrengender geschildert und zwar in allen 3 untersuchten Bereichen, besonders  hinsichtlich größerer Unruhe, weniger Lächeln, weniger Lachen, weniger Vokalisierung und schwieriger Beruhigung.)

So genommen klingt das nicht gerade vorteilhaft für das Stillen. Und so haben einige engl. Zeitungen die Studie mit drastischen Überschriften wie „Nicht gestillte Kinder sind glücklicher“ oder „Gestillte Kinder schreien mehr und lächeln weniger“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autoren  selbst, möchten ihre Studie  ganz anders verstanden wissen und diskutieren verschiedene Ursachen.  Als einen möglichen Grund für das schlechtere Abschneiden der gestillten Kinder beschreiben sie, dass viele Mütter versuchen, ungeeigneten Empfehlungen zur Kinderernährung  folgen, wie z. B. dem immer noch von vielen Ärzten empfohlenen 3-Std Still-Rythmus und zu kurze Stillperioden. Die Babys haben dann einfach häufig Hunger und sind dann natürlich oft unzufrieden.  Somit erleben die stillenden Mütter ihre Kinder oft als unglücklicher als Flaschenkinder und fürchten nicht ausreichend Milch zu haben und stillen daher früher als geplant ab. Um dies zu vermeiden, empfehlen die Autoren der Studie, sollten die Mütter mehr realistisches Wissen über die Verhaltensdynamik beim Stillen und über den Umgang mit „schwierigeren“ Babys bekommen.

Ich möchte noch hinzufügen, dass die Unterschiede zwischen den  drei Gruppen sehr gering sind. Auf einer Skala von 1 bis 7 bekamen die Flaschenkinder gemittelt 4,3 und die beiden anderen 4,0 Punkte (1= niemals, 2= sehr selten, 3 = fast die Hälfte der Zeit, 4 = die Hälfte der Zeit, 5 = mehr als die Hälfte der Zeit, 6 = fast immer, 7= immer). Die Frage bezüglich Beruhigung war z.B. „Wie oft beruhigt sich das Baby, wenn es sanft gestreichelt oder geklopft wird?“, die Frage bezüglich Traurigkeit lautete :“Schien das Baby traurig zu sein, wenn die Hauptbeziehungsperson ungewöhnlich lange weg war?“, die Frage bezüglich Angst: “Wie oft hat sich das Baby wegen einem lauten oder plötzlichen Geräusch in der letzten Woche erschrocken?“.  – Irgendwie beschleicht mich hier das Gefühl, dass die Frage nach Beruhigung besonders auf Flaschenkinder zugeschnitten ist. Brustkinder werden doch i.d.R. mit Hilfe der Brust und nicht durch Klopfen beruhigt – und ersteres ist wieder nach „Expertenrat“ verboten – soviel zu ungeeigneten Empfehlungen. Und, ist ein glückliches Kind, ein Kind, dem die An- oder Abwesenheit der Hauptbeziehungsperson eher egal ist? Außerdem, hat die Anzahl des Erschreckens nicht auch damit zu tun, ob jemand überhaupt festgestellt hat, dass das Baby erschrocken ist?

Zudem wurden die Kinder nicht von Forschern untersucht, sondern von ihren Müttern beurteilt und, wie wir alle wissen, unterscheiden sich die Menschen in ihren Bewertungen. So kam eine weitere Studie  im April 2011 (Breastfeeding tied to stronger Maternal Response to Baby`s Cry) zu dem Ergebnis, dass stillende Mütter beim Weinen ihrer Kinder eine stärkere Reaktion in Gehirnbereichen, die mit  Kümmern und Empathie assoziiert werden, zeigen, als Mütter die ihren Kindern vorwiegend künstliche Babynahrung geben.

Zungenbändchen – Ein kleiner Film


Zungenbändchen können  der Mutter-Kind-Dyade das Stillen = das Leben ganz schön schwer machen.  Ihr könnt  in der Kategorie Zungenbändchen, Zähne und Kiefer mehr darüber erfahren. Und hier könnt ihr euch ein kleines Video zur Untersuchung eines Zungenbändchens ansehen:

Stillen – Spickzettel für die zweite und dritte Woche


Nach der ersten Woche soll natürlich nicht Schluss sein mit dem Stillen und deshalb gibt es auch noch weitere Spickzettel:

Spickzettel und Logbuch für die zweite Woche (beinhaltet Massagetechniken)

Spickzettel und Logbuch zum Stillen nach der dritten Woche

Stillen – Spickzettel für die erste Woche


So viel Neues strömt nach der Geburt auf die frischgebackenen Eltern ein. Wie war das nochmals mit dem Stillen?

Zum Glück darf  ich diesen kleinen Spickzettel für die erste Woche veröffentlichen:

Spickzettel für die erste Woche

Babynahrung: Beeinträchtigt die übliche Eisenanreicherung im Milchpulver die weitere Entwicklung des Kindes?


Was soll denn diese Frage? Eisen ist doch gut – oder nicht?

Nun, es scheint mal wieder nicht so einfach zu sein. In einer Langzeitstudie (erweiterte Zusammenfassung nachzulesen in Sciencedaily, Nov. 8., siehe auch Iron-Fortified vs Low-Iron Infant Formula…) wurde diesem nachgegangen. Dabei wurde  die Entwicklung der Babys, die mit künstlicher  Säuglingsnahrung per Fläschchen gefüttert worden waren, über  einen  Zeitraum von 10 Jahren beobachtet. Die Kinder waren   in 2 Gruppen eingeteilt worden. Die einen bekamen im ersten halben Lebensjahr Säuglingsnahrung, der viel Eisen zugesetzt wurde, die Säuglingsnahrung der anderen, war nur mit wenig Eisen angereichert worden.  Neben dem Eisengehalt der Nahrung war auch der Hämoglobinspiegel der Babys untersucht worden.

Das Ergebnis der Tests (IQ, Gedächtnisleistung, mathematisches Verständnis, Motorik, visuelle Fähigkeiten) der 10 jährigen Kinder war zum Teil überraschend. Wie erwartet hatten Kinder, bei denen ein sehr niedrigen Hämoglobinstatus (Eisendefizit) festgestellt worden war, von der stark eisenangereicherten Säuglingsnahrung profitiert, aber  Kinder mit einem hohen Hämoglobinspiegel im Blut, die eisenreiche Säuglingsnahrung erhalten hatten, zeigten in vielen Bereichen eine schlechtere Entwicklung, als entsprechende Kinder, die mit eisenärmerer Fläschchennahrung gefüttert worden waren.

Was ist denn nun der optimale Eisengehalt der Säuglingsnahrung? Diese Frage kann leider im Moment nicht beantwortet werden.  Die Studie endet mit dem Hinweis, dass unbedingt  mehr Forschung zu diesem Bereich notwendig ist .

Babyernährung: Entzündungssteigernde Gifte im Milchpulver


Diese ( Link zur Studie) nun neu in Milchpulver für die Fläschenernährung von Babys gefundenen, aber schon immer drin gewesenen, entzündungssteigernden und giftigen Stoffe heißen AGEs (=Advanced Glycation Endproduct). Sie entstehen, wenn Proteine mit Zuckern  bei hohen Temperaturen gekocht werden. In der Lebensmittelindustrie  werden als Geschmacksverstärker, Farbstoff  oder zur Aufbesserung der Optik oft absichtlich hergestellt und eingesetzt. Im normalen Haushalt enstehen sie beim Grillen, Frittieren und Braten. Früher dachte man, AGEs sind harmlos, doch das hat sich in letzter Zeit geändert. Neueren  Forschungsergebnisse nach, sind AGEs stark zellschädigend und bei einer Reihe von chronischen Erkrankungen mit beteiligt: Alzheimer, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Schlaganfällen, Diabetes mellitus, Kataraktbildungen im Auge, allgemeine Muskelfunktion etc.

Forscher der  Mount Sinai School of Medicine haben nun hohe Dosen dieser Advanced Glycation End Products (AGEs) im Blut von Säuglingen gefunden. Obwohl sie es nicht erwarteten, konnten sie schon bei Neugeborenen hohe Werte von AGEs nachweisen (Link zur Studie). Die Ursache ist wahrscheinlich der Weg vom Blut der Mutter zum Baby über die Plazenta. Auch nach der Geburt werden AGEs über die Muttermilch weitergegeben. Die Menge ist   abhängig von der Konzentration dieser Gifte im Blut der Mutter. Nimmt die Mutter viele Röststoffe (Braten, Grillen Frittieren) zu sich hat sie viele AGEs im Blut, isst sie eher Gekochtes und Gedünstetes, so sind es weniger. Wer nun denkt, Milchpulver fürs Fläschchen wäre eine bessere Alternative, wird enttäuscht, in Milchpulver sind AGEs noch in viel höherer Konzentration vorhanden, teilweise sogar um das 100-fache.

In der Studie wurde festgestellt, dass sich im Durchschnitt nach dem Abstillen und dem Übergang zu Fläschchennahrung, die AGE Werte im Blut der Babys verdoppeln.

Was können die hohen Konzentrationen dieser entzündungssteigernden Gifte  für die spätere Gesundheit der Babys bedeuten?

Wie auch wir  im Anschluss an eine an AGE-reiche Mahlzeit nichts bemerken, zeigen auch die Babys keine sofort sichtbaren Erkrankungen. Die Überlastung des Stoffwechsels durch moderne AGEs ist dennoch vorhanden und die negative Wirkung auf den Körper ist eine langfristige. Die Erforschung der AGEs und ihrer Wirkungen (s. Liste der Krankenheiten oben) ist noch am Anfang, doch es gib schon einige Ergebnisse.  Z. B. im Bereich der Diabetisforschung (Zuckerkrankheit). Hier zeichnet sich ein kleiner Paradigmenwechsel an. Ging man bisher davon aus, dass Diabetes eine Wohlstandskrankheit ist, die vor allem auf zu viele Zucker in der Nahrung zurückzuführen ist und daher mit Reduzierung der Kohlenhydrataufnahme und Gewichtsreduktion (neben Insulingaben) behandelt werden muss, weisen neuere Forschung darauf hin, dass AGEs ebenfalls eine große Rolle bei der Entstehung spielen. Nahmen Betroffene weniger AGE-reiche Nahrung zu sich, so sank ihre Insulinresistenz signifikant (in der Studie sogar um 35%, das ist mehr, als man normalerweise durch Kohlenhydratreduzierung erreicht).

Für die Zukunft

Angesichts der steigenden Zahlen von Kindern, die an Diabetes erkranken, als Kinder und nicht erst später im Alter, muss unbedingt daran gedacht werden, AGEs in der Nahrung zu reduzieren. Mütter können dies  in der Schwangerschaft und allein durchs Stillen tun. Förderlich ist es natürlich,  die Änderung der Ernährung auch während der Stillzeit und für das geamte Leben beizubehalten, es unterstützt die Gesundheit der gesamten Familie.  – Und AGEs müssen raus aus Milchpulver und anderen Nahrungsmitteln für Babys und Kinder.

Depressionen, Schlaf und Stillen – anders als man denkt!


Schlafmangel begünstigt Depressionen und natürlich auch postpartale Depressionen. Hat man schon vor der Geburt eine Depression erlitten, so ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer postpartalen Depression(PPD) ebenfalls erhöht. Deswegen muss auf ausreichend Schlaf in der Zeit nach der Geburt geachtet werden. Stillen, jedenfalls in der Nacht, so ist die Annahme, stellt daher einen  weiteren Risikofaktor dar. Nimmt man doch im Allgemeinen an, dass stillende Mütter häufiger des Nachts  wach sind, als nichtstillende Mamas.

Pustekuchen, so einfach ist es nicht. An der  Universitätsklinik in Stavanger  (Norwegen) wurde der Frage, „was begünstigt einen Schlafmangel und welchen Zusammenhang mit dem Auftreten einer PPD gibt es?“, in einer Umfrage mit  2830 Mütter näher nachgegangen (Link zur Studie). Unterschieden wurde auch nach vollstillenden Müttern, teilstillende Mütter und Mütter die mit Fläschchen (Pulver) fütterten.

Ergebnis:

Der Faktor „schlechte Schlafqualität“ (geringe Schlafdauer, häufige Unterbrechungen) steigerte die Wahrscheinlichkeit an einer PPD zu erkranken signifikant.  Es gab jedoch keinen Unterschied, ob die Mutter ihr Kind voll gestillt oder immer Fläschchen gegeben hatte. Hatte die Mutter jedoch teilgestillt, d. h. tagsüber gestillt und des Nachts  die Flasche gegeben, dann stieg das Risiko bez. einer PPD.

Ausschließlich zu Stillen, erhöht nicht das Risiko, an einer postpartalen Depression zu erkranken.

Der Rat, auf das Stillen des Babys zu verzichten, um eine Depression zu vermeiden, wenn z. B. eine Neigung zu Depressionen bekannt ist, ist nicht notwendig. Die in solchen Fällen häufig gegebene Empfehlung nur am Tag zu stillen und in der Nacht die Flasche zu geben, ist nach dieser Studie kontraproduktiv. Dadurch wird das Risiko für eine PPD der Mutter sogar erhöht!


Breastfeeding Today – Ein Online Journal zum Stillen


Für alle die gerne englische Journale lesen: Von La Leche League international gibt es online und kostenlos die Breastfeeding Today. Einfach durchblättern.

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