Video „Kinder verstehen“


Heute möchte ich euch 3 Videos mit   Dr. Herbert Renz-Polster vorstellen. Er ist Kinderarzt und Buchautor:„Kinder verstehen — born to be wild: wie die Evolution unsere Kinder prägt“ und „Menschenkinder — Plädoyer für eine artgerechte Erziehung“.

http://www.perlentaucher.de/autor/herbert-renz-polster.html
https://de-de.facebook.com/KinderVerstehen

Im Gespräch mit Teresa Arrieta erläutert er seine Gedanken zu Langzeitstillen, Durchschlafen, kleinkindlicher Abneigung von gesundem Essen, was ist für die kindliche Entwicklung wirklich notwendig und wichtig………..

 

Wenn ihr etwas mehr Zeit habt, könnt ihr euch auch einen Life-Mitschnitt eines Vortrages von Dr Herbert Renz-Polster in der Freiraumschule anssehen. Der Vortrag ist aufgeteilt in 2 Videos von jeweils ca. 40 Minuten Länge.

 

 

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Mamas Stimme kann die Gesundheit Frühgeborener verbessern


Die Frühgeborenen Stationen der Krankenhäuser stecken  voller lebensrettender Technik und Geräte, heute überleben viele der früh geborenen Babys, aber die Klinikumgebung ist doch sehr verschieden von der Gebärmutter, der natürlichen Umwelt des Babys, in dem normalerweise die Entwicklung erfolgt.
In einer neuen, leider sehr kleinen,  Studie von Amir Lahav, dem Direktor des Neonatal Research Lab  in Brigham und  des Women´s Hositals, wurde der Effekt untersucht, den die mütterliche Stimme auf die Gesundheit  frühgeborener Kinder hat.   Online veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 2. Februar 2012  im Journal for Maternal-Fetal  and Neonatal Medicine mit dem Titel: „Exposure to biological maternal sounds improves cardiorespiratory regulation in extremely preterm infants“.
Beobachtet und aufgezeichnet wurden Störungen der Atem- und Herztätigkeit von 14 Frühgeborenen, die zwischen der 26-32 Woche geboren waren. Frühgeborene erleiden solche Störungen relativ häufig, denn ihr autonomes Nervensystem ist noch nicht ausgereift und die Fähigkeit zur Selbstregulation ist ebenfalls begrenzt. In der Studie wurde den Babys  4 mal in 24 Stunden für eine bestimmte Zeit, über ein Soundsystem, die jeweilige Stimme der richtigen Mutter und ihr Herzschlag vorgespielt. In der restlichen Zeit waren sie den normalen Geräuschen der Intensivstation ausgesetzt.

 Bei der Auswertung wurde deutlich, dass die Anzahl der Störungen mit der Zunahme des Alters abnahm. Im Vergleich der Anzahl der Störungen unter Einfluss von Muttergeräuschen und Geräuschen der Intensivstation zeigte sich, dass die Anzahl beim Hören von Stimme und Herzschlag der Mutter geringer war. Besonders sichtbar wurde dieser Effekt ab der 33. Woche.  Zu dieser Zeit funktionieren auch die für das Hören zuständigen Bereiche des Gehirns.

So kommen die Autoren der Studie zum Ergebnis, dass das Hören der Stimme der Mutter und ihren Herzschlag einen sofortigen positiven Effekt auf die physiologische Stabilität der Frühgeborenen in der Intensivstation hat. Natürlich sind weitere Untersuchungen notwendig.

Dass für eine gelungene Umgebung für Frühgeborene unbedingt auch die Eltern gehören, ist schon lange Thema. Einige wichtige Seiten im Netz dazu sind „Kangaroo Mother Care“ aus Südafrika oder die  deutsche Broschüre  „Bindung & Pflege von Frühgeborenen„, herausgegeben von der Europaen Foundation for the Care of Newborn Infants.

Vertrauen, Moral – und Oxytocin


Heute folgt noch ein weiterer Vortrag mit deutschen Untertiteln von TED. Und zwar zum Thema Oxytocin vom Neuroökonomen Paul Zak. Was hat denn ein Ökonom mit Oxytocin zu tun? Sehr viel, wie sich herausstellen wird. Er geht nämlich in seinem Vortrag der Frage nach, was in uns den Wunsch, moralisch zu handeln weckt, und erklärt, warum er davon ausgeht , dass Oxytocin für die  Bildung einer stabilen Gesellschaft sehr hilfreich ist.

Wieder übersetzt von  Katja Tongucer und durchgesehen von Alex Boos. Viel Spaß!

 

Musik für das Baby- welche CD?


Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, ich möchte hier nicht meine Stimme erheben, um für käufliche Tonträger zu werben, sondern zum Selbersingen ermuntern.

Musik hat Babys wohl die ganze Zeit unserer Menschengeschichte als Homo sapiens sapiens begleitet. Vielleicht auch schon zu Zeiten noch früherer Menschen. Auf der ganzen Welt gibt es keine menschliche Kultur ohne Musik. Manchmal wird der Gesang mit kunstvollen, komplizierten Instrumenten begleitet, manchmal mit einfacheren Rythmusgeräten wie Trommeln oder den Clicking Sticks der australischen Aborigines. Das Singen jedoch  ist weltweit verbreitet. Schon im Mutterleib sind Babys vom Gesang ihrer Mutter umgeben. Überall singen Mütter für ihre Kinder. Es gehört zu unserem Menschsein, dass unser Gehör sich unter dem Einfluss der Stimme unserer Mutter, ihrem Sprechen und ihrem Gesang entwickelt.

Singen in der Schwangerschaft

Wenn das Baby geboren wird, konnte es schon seit mehren Monaten hören. Etwa im Alter von nur 22 Wochen nach der Befruchtung ist die Cochlea, die Hörschnecke, voll ausgereift. Das  Innenohr ist ebenfalls so früh schon vorhanden. Es würde   funktionieren und wäre  bereit  zu hören. Der eigentliche Hörbeginn kommt etwas später, wenn die Sinneszellen völlig ausgereift sind. Vorher „hört“ das Baby ein Eigengeräusch der Sinneszellen, eine Art Tinnitus. Dann, nach dem Hörbeginn, ist es nie mehr still in seiner Umgebung. Es ist nun pausenlos von einer reichhaltigen Geräuschwelt umgeben, es hört den Herzschlag der Mutter, ihre Atmung, ihre Stimme, Magen- und Darmgeräusche. Und auch von außen, wohl stark gedämpft und viel leiser, gelangen Laute durch die Bauchdecke zum Baby.

Es ist inzwischen bekannt, dass die Babys die Sprechmelodie  erkennen, auch die Grundfrequenzen, den Rhythmus von Musik. Deswegen kommt ja vielen die Idee in den Sinn, dass werdende Mütter sehr viel Musik hören sollten, damit Kinder musikalischer werden. Es wird besonders zu Mozart geraten. Wissenschaftlich nachgewiesen ist natürlich die Musikalität steigernde Wirkung nicht, aber was tut man nicht alles, um die Intelligenz und Kreativität des kleinen Mitbewohners  zu fördern.

Dabei wird ganz vergessen, an welche akustischen Reize im Mutterleib wir eigentlich angepasst sind, mit welcher Geräuschkulisse wir uns  viele 1000de Generationen lang entwickelt haben. – Es war vor allem die Stimme unserer Mutter, es war ihr Gesang, der uns begleitet hat, der unser Gehör geschult hat.  – Und nun denken wir, Musik auf CDs könnte dies viel besser.

Das Singen in der Schwangerschaft fördert nicht nur die Entwicklung des Gehörs des Babys, sondern es webt ein akustisches Band zwischen Mutter und Baby. Das gilt auch für den Vater, wenn er ebenfalls durch Gesang Kontakt mit dem Baby im Mutterbauch aufnimmt.

Für welches Lied oder Lieder man sich entscheidet ist recht egal, es müssen nur alle Beteiligten Spaß daran haben. Mütter merken in der Regel, wenn ihrem Bauchbewohner etwas nicht gefällt. Singen macht gute Laune, und dies teilt sich dem Baby, zusätzlich zum eigenen Hören, auch über die Hormone im mütterlichen Blut mit.

Singen in der Geburt

In der Geburt kann die Stimme der Mutter dem Baby versichern dass alles im Grünen Bereich ist. Viele Gebärende verarbeiten die intensiven Gefühle und die Kontraktionen der Gebärmutter durchs „Tönen“ , meist auf dem Vokal a.

Es geht aber auch mit Hilfe eines Liedes. Das  Wiederholen einer  Melodie kann der Mutter, wie bei Tönen, beim Erreichen eines Trancezustands helfen.

Nach der Geburt begleitet der Gesang die Babys in der nun veränderten Geräuschwelt. Nicht immer ist es nach der Geburt möglich dass Mutter oder Vater und Baby Hautkontakt haben können (z.B. Kaiserschnitt). Aber dann kann in vielen Situationen  eine Verbindung durch den Gesang hergestellt werden. Es gibt auch ein Bonding über die Stimme. Das Baby bleibt nicht allein im Unbekannten. Es hört die Lieder und die Stimme(n), die es schon vom Mutterleib her kennt. Diese verbindende und beruhigende Wirkung des Gesangs ist ein Geschenk durch die gesamte Baby- und Keinkinderzeit hindurch (vielleicht auch noch später,  z. B. wenn das Kind krank ist).

Singen im Alltag

Viele Mütter besuchen zusammen mit ihren Kleinkindern einen Babymusikkurs und vergessen dabei, welch eine große positive Rolle das Singen im Alltag spielen sollte. Natürlich ist es nicht jedem gegeben, eine gute Gesangsstimme zu haben. Den Babys ist das jedoch herzlich egal. Fühlt man sich aber absolut nicht in der Lage einfach loszusingen, erst recht nicht in einer Gruppe, so kann man sich überlegen, ob man es sich nicht wert sein sollte, Gesangsuntericht in der Schwangerschaft nur für sich allein zu nehmen. Wahrscheinlich ist man gar nicht so unbegabt, sondern war in der Schulzeit zu schüchtern, um vor der ganzen Klasse zu singen und/oder hatte einen ungeeigneten Musiklehrer, der es geschafft hat, einen die Lust aufs Singen völlig zu nehmen. Sparen sie sich lieber die Zeit und das Geld für den Babbymusikkurs oder für CDs und lernen sie selber singen.

Und singen sie ihrem Baby vor – schon in der Schwangerschaft!

Kaiserschnitt – Es geht auch anders!


Bitte nicht falsch verstehen: Dieser Blogbeitrag soll nicht als Werbung für den Kaiserschnitt verstanden werden. Kaiserschnitte sind nur dann sinnvoll, wenn sie aus medizinischen Gründen notwendig sind (siehe Blogbeitrag: Ist ein Kaiserschnitt sicherer). Bei der derzeitigen Kaiserschnittrate über 30% sind  in Deutschland die Geburtshelfer wohl weit davon entfernt, medizinisch notwendige, von nicht notwendigen, wirklich unterscheiden zu können. Kein Zweifel, Kaiserschnitte sind größere Bauch OPs, aber sie sind noch mehr, sie sind der Augenblick, in dem ein Baby, eine Familie neu geboren wird und dem wird der normale Ablauf des Kaiserschnitts nicht gerecht. Dies ist auch vielen an Geburten beteiligten Ärzten bewusst, aber es ist nicht einfach für sie, sich das einzugestehen und dann tatsächlich den Schritt zum Ändern dieser OP-Methde zu machen, denn dies ist mit vielen Hürden verbunden. Es gibt jedoch Geburtshelfer, die diesen Schritt wagen. In der Times vom 4.4.2009 gab es einen, im Folgenden übersetzt und zusammengefasst, Artikel dazu:

The new „natural“ Caesarean – Der neue „Natürliche“ Kaiserschnitt

Professor Fisk und 2 Kollegen, Dr Felicity Plaat (Anästhesistin) und Jenny Smith (Hebamme) am Queen Charlotte’s Hospital in London wunderten sich, dass viel  an dem Management natürlicher Geburten in den  Krankenhäusern verändert wird, um sich neuen Erkenntnissen anzupassen, gleichzeitig aber die Durchführung des Kaiserschnitts noch voller alter Operations-Rituale steckt. So wird z. B. manchmal das Baby vom Operateur, wie ein Tumor, aus dem Bauch gezogen und kommt  erst in die Hände verschiedener medizinischer Mitarbeiter, bevor es endlich zur Mutter kommt. Diese Vorgehensweise wollten sie unbedingt ändern.
Ihre Verbesserungsvorschläge konzentrieren sich auf 3 Bereiche:
  1. Die Eltern werden mit einbezogen: z.B. wird das Tuch zwischen dem Kopf der Mutter und dem Bauch so weit entfernt, dass die Mutter das Geborenwerden des Kopfes und dann des ganzen Kindes sehen kann. Die Mutter kann selbst feststellen, welches Geschlecht ihr Baby hat. Der Vater kann selbst zum zweiten Durchtrennen der Nabelschnur die Schere ansetzen.
  2. Das Baby wird langsam geboren: Durch das langsame Herausbringen des Babys wird dessen Lunge  für eine längere Zeit,  und unterstützt von der Uteruskontraktion und den Bewegungen des Babys, stark gedrückt. Damit wird viel von der atmungshemmenden Lungenflüssigkeit herausgepresst. Es wird nicht vorzeitig Abgenabelt, sondern  physiologisch, d. h.,  die Nabelschnur wird erst durchtrennt, wenn sie nicht mehr pulsiert, sie versorgt so das Baby noch mit Sauerstoff, so dass das Baby genügend Zeit hat, selbst zu Atmen, wie bei einer natürlichen Geburt. Das Neugeborene braucht so seltener eine äußere Hilfe zum atmen und Atemprobleme sind eine der häufigeren Nebenwirkungen beim üblichen Kaiserschnitt. (siehe Blogbeitrag: Lasst die Nabelschnur in Ruhe – die Schere kann warten!)
  3. Das Neugeborene kommt sofort zur Mutter. Wie wichtig der erste Kontakt, Haut auf Haut, zwischen Mutter und Kind für das Bonding ist, ist inzwischen überall  anerkannt. Bei Kaiserschnittgeburten wird jedoch nur selten darauf Rücksicht genommen. Nimmt man jedoch einige Änderungen an der „Verkabelung“ der Mutter vor, ist es problemlos möglich. Hilfreich ist auch eine Anpassung der Anästhesie – die Arme sollten nur wenig von der Gefühllosigkeit betroffen sein. Notwendig ist dabei eine engagierte Hebamme. Es geht nicht darum das Baby einfach nur auf Mama zu legen und dann Formulare auszufüllen, sondern die Hebamme muss dabei bleiben und sich rücksichtsvoll um das Mutter-Kind-Paar  kümmern.
Leider ist diese neue Art des Kaiserschnitts nicht bei allen Kaiserschnitten (Frühgeburten, Beckenendlagen, Notlagen) möglich. Sie ist nicht die selbe wie der sogenannte „Sanfte Kaiserschnitt“. Das Sanfte im Sanften Kaiserschnitt ist nur, dass weniger mit der Schere geschnitten wird, sondern mehr mit den Händen gerissen wird. Der neue „natural“ Kaiserschnitt ist in vielen Krankenhäusern noch unbekannt. Man kann aber im Vorgespräch seine Vorstellungen und Wünsche gegenüber dem Ärzteteam äußern und mit ihnen darüber diskutieren. Vielleicht gehen sie nur zu gerne darauf ein:

Zutaten zum „natural“ Kaiserschnitt:

  • Musik nach Elternwunsch, Papa (oder anderer Begleiter) darf fotografieren.
  • Betäubung, die die Armbewegung nicht beeinträchtigt.
  • Die Abtrennung wird bei der Geburt des Kindes soweit entfernt, dass die Mutter das Baby sehen kann.
  • Die Mutter kann selbst sehen, welches Geschlecht ihr Kind hat und sagt es auch als Erste.
  • Das Baby kommt sofort zur Mutter. Die Hebamme unterstützt dabei die Mutter (deckt  z. B. beide zusammen zu).
  • Der Vater darf das zweite Durchtrennen der Nabelschnur, während das Kind auf der Mutter liegt, selbst machen.

Video

Seht euch auch das  Video dazu an. Es ist zwar in englischer Sprache, aber vieles erklärt sich selbst.

 

Stillen – Selbstbedienung von Anfang an – Teil IV-ist intuitives Stillen auch später möglich?


Aus der Möglichkeit,  dass sich Babys gleich nach der Geburt zur Brust hin bewegen und sich selbst anlegen können, darf nicht das Dogma abgeleitet werden, dass dies alle Babys machen müssen. Wenn man es möchte,  ist es aber möglich, dies nachzuholen,  z. B.  in der Form eines Baderituals, vielleicht nach Trennung, bei Still- und Bondingschwierigkeiten, aber auch  nach Kaiserschnitt. Entwickelt wurde dieses Ritual von der Schweizer Hebamme Brigitte Meissner. Viele Babys, vor allem wenn sie in den ersten Lebenstagen diese Chance dazu bekommen, finden während des Rituals die Brust und beginnen zu trinken.

Das Baderitual

„Nehmen sie sich genügend Zeit und bereiten sie ihr Bett mit Handtüchern und  Wärmflaschen vor. Der Raum sollte gut geheizt sein. Baden sie oder der Vater das Kind und legen es dann nass (!) auf ihre Brust oder ihren Bauch und decken sie sich und ihr Kind gut mit Decken zu. Sprechen sie mit Ihrem Kind. erklären sie ihm, warum die Geburt so anders verlaufen ist. Holen sie gemeinsam das verpasste Erlebnis eines ersten ungestörten Kontaktes mit ihrem Baby nach! Wiederholen sie das Baderitual mehrfach, wenn sie das Gefühl haben, sie oder ihr Baby brauchen es.“

Ich finde jedoch einen weiteren Aspekt sehr wichtig. Dieses Selbstanlegen-Können des Babys weist uns darauf hin, dass es noch einen weiteren Weg für die Stillbeziehung gibt. Nicht nur das uns allen bekannte, von der Mutter initiierte und geleitete Stillen in verschiedenen Positionen, sondern auch das vom Baby geleitete und von der Mutter nur unterstütze Stillen. Diese Art des Stillens erlaubt eine völlig neue Art des Umgangs mit den Neugeborenen, ist  die Basis für eine neue Stillkultur.

Wie soll das aussehen? Es folgt: „Stillen – das Baby leitet, die Mutter entspannt“


Stillen – Selbstbedienung von Anfang an – Teil I


Babys können das!

Ich weiß nicht, ob neugeborene Babys schon immer als völlig hilflos angesehen wurden. Zu unseren heutigen Vorstellungen vom richtigen Umgang mit dem Neugeborenen gleich nach der Geburt gehört das Waschen, das Beurteilen, Wickeln, Anziehen und dann das Übergeben des Wickelkindes in die Arme der Mutter. Diese soll das Neugeborene schnell richtig anlegen und das Baby soll gleich  gut und flott trinken. Das ist jede Menge  Druck für den Lebensbeginn und die Mutterkindbeziehung. Und oft klappt es nicht, trotz Hilfe der Hebamme und perfekten Stillhaltungen und -griffen.

Dabei  können Neugeborene eigentlich viel mehr, wenn wir sie lassen . 1987 wurde wissenschaftlich erstmals beobachtet und untersucht wie Babys, die nach der Geburt bäuchlings auf den nackten Oberbauch ihrer Mutter gelegt worden waren, sich selbst anlegten. Die Babys hatten  innerhalb von durchschnittlich 55 Minuten die Brustwarze entdeckt und sich so darauf zu bewegt, dass sie diese in den Mund nehmen und trinken konnten (Widström am schwedischen Karolinska Institut). Die Neugeborenen hatten sich also selbst angelegt. Und dabei hatten sie sich fortbewegt, waren  gekrochen! Die Bewegungen, die die Babys dazu machten,  waren nicht etwa zufälliges Gezappele, sondern instinktive und koordinierte Bewegungsabläufe, wenn auch noch recht wackelig wirkend.

Danach folgten noch viele weitere Studien (Zusammenfassung der Unicef Initiative „Brest Crawl“,,- ihre Webpage ist auch eine meiner Quellen), die dieses Können der Babys bestätigten. Nicht nur bei Hausgeburten, sondern auch in vielen Krankenhäusern wird heute dem Baby die Zeit dafür gegeben, sich selbst Anzulegen.

Nach der Geburt

wird das Baby kurz abgetrocknet (damit es nicht zu viel Wärme verliert) und dann bäuchlings der Mutter auf den nackten Oberbauch gelegt. Anschließend werden beide zusammen zugedeckt. In der Regel (zu den Ausnahmen komme ich später) sind die Neugeborenen in der ersten Stunde ihres Lebens an der frischen Luft, wach und aufmerksam. Liegen sie nackig auf ihrer Mutter, so sind sie meist ruhig, sind sie von ihrer Mutter getrennt, so schreien sie meistens. Es scheint, als hätten sie eine Erwartungshaltung, als wüssten sie, dass sie zu ihrer Mutter gehören. Mehr muss man eigentlich nicht tun. Wichtig scheint zu sein, dass die Brüste der Mutter nicht frisch gewaschen sind. Denn die Babys orientieren sich wohl nach dem Duft. Man nimmt an, dass bestimmte Drüsen um die Areola herum einen Duft erzeugen, der den Babys in die richtige Richtung weist. Er ist wahrscheinlich verschieden von dem Geruch des Fruchtwassers, aber für Babys sehr attraktiv. Babys lieben auch den Geruch und den Geschmack des Fruchtwassers. Dies ist evtl. der Auslöser dafür, dass Neugeborene, wenn sie so auf dem Bauch der Mutter liegen, nach den ersten Leck- und Suchbewegungen beginnen, ihre Händchen in den Mund zu nehmen und daran zu saugen. Eine Brust, die mit Fruchtwasser in Berührung gekommen ist, was vor der Zeit der Krankenhausgeburten  bestimmt Standard war, zieht das Baby meist stärker an, als eine, die keinen Kontakt mit Fruchtwasser hatte.  Das Baby erkennt eine Brustwarze auch mit den Augen. So wie es Gesichter erfassen kann, scheint es auch zu wissen, wofür die Brustwarze da ist.

Die Bewegung zur Brust hin selbst wird von Reflexen ausgelöst. Der Schreitreflex ist einer der bekannteren davon und im „Breast Crawl“ findet er auch eine Erklärung. Gleichzeitig zum Vorwärtskommen massieren die kleinen Beinchen den Bauch der Mutter und ihr Uterus wird dadurch zum Zusammenziehen angeregt. Die Bewegung  des Babys ist nicht ungerichtet,  es kann mit seinen Armbewegungen die Richtung steuern, es macht immer wieder Pausen, bleibt meist ein Weilchen zwischen den Brüsten liegen, entscheidet sich dann für eine Seite und wandert  dorthin. Dabei greift es mit den Händen Richtung Brustwarze. Ist es angekommen so ändert sich seine Bewegungsart. Evtl. leckt es erst an der Mamille, es hebt seinen Kopf so gut es kann hoch und versucht beim Wiederzurückfallen die Brustwarze in den Mund zu bekommen. Manchmal braucht es dafür mehrere Versuche. Hat es dies aber geschafft so beginnt es zu saugen.

Die Mutter bleibt dabei nicht passiv, sie berührt und streichelt in diesen Momenten ihr Baby und sie spricht ganz instinktiv mit ihm. Berührung und Stimme  beruhigen das Baby und gleichzeitig wird es durch sie aktiver, es bewegt sich kraftvoller und  trinkt länger.

Wie lange kann es dauern, bis das Baby anfängt zu trinken?

Das ist ganz unterschiedlich. In der Literatur  begannen die schnellsten Babys 17 Minuten nach der Geburt zu trinken, die letzen hatten nach  103 Minuten ihr Ziel erreicht. Aus eigener Erfahrung kenne ich es auch unter 10 Minuten. Manche Babys machen eben viele Pausen, beschäftigen sich ganz intensiv mit ihren Händchen etc.. Einige wirken sehr zielgerichtet, ja fast schon selbstbewußt in ihrem Tun.

Hat es denn irgendwelche Vorteile, das Baby nach der ganzen anstrengenden Geburt auch noch „krabbeln“ zu lassen?

Teil 2 folgt.

Wunschgeburt natürliche Geburt – VI. Dein Baby bleibt bei dir. Das ist das beste für dich, dein Baby und für den Stillbeginn!


In den ersten Augenblicken nach der Geburt vollbringt der Körper des Babys eine schwierige und gleichzeitig wundervolle Wandlung. Im Bauch der Mutter hat ihre Umgebung die perfekte Temperatur und alles was sie brauchen, wird durch die Nabelschnur geliefert. Nach der Geburt müssen sie ihre Körpertemperatur aufrecht erhalten, ihre Lungen müssen sich weiten und selbst Luft  atmen, ihr Blutkreislauf muss sich neu formieren. Außerdem müssen sie lernen zu saugen, zu schlucken und ihr Verdauungssystem muss  die Milch ihrer Mutter verarbeiten. Ob all dies leicht und  sicher für das Baby verläuft, hängt auch davon ab, auf welche  Art, Mutter und Baby zu dieser Zeit versorgt werden.

Haut an Haut – enger Kontakt zwischen Baby und Mutter

Zum Glück gelingen diese notwendigen Änderungen am sichersten, wenn  eines der grundlegendsten Bedürfnisse  des Babys gestillt wird – und zwar der Kontakt des Babys zur Mutter, Haut an Haut, kein trennender Stoff zwischen den beiden, das Baby auf dem Bauch der Mutter, oder in ihren Armen. Der gewohnte Duft, der Geschmack, die Stimme der Mutter und die Wärme ihrer Haut  helfen dem Baby, sich nach dem Abenteuer der Geburt, geborgen zu fühlen.

Haut an Haut liegend, erleichtert dem Baby die Umwandlung zur Lungenatmung und hilft ihm die richtige Körpertemperatur zu waren. Es wird instinktiv lernen, wie es an der Brust seiner Mutter seinen Hunger stillen kann. In der Tat, Forscher haben herausgefunden, dass Babys, die nicht von Medikamentengaben während der Geburt beeinträchtigt sind und die  in ihrer ersten Stunde ungestört Haut an Haut bei ihrer Mutter sein dürfen, keine Hilfe beim Stillen benötigen. Sie robben den Bauch ihrer Mutter hoch, finden die Brustwarze, riechen und sehen sie, und legen sich selbst an!

Desto mehr Zeit Mutter und Baby, in den ersten Tagen nach der Geburt, Haut an Haut, miteinander verbringen dürfen, desto größer sind die Vorteile. Ein faszinierender Effekt ist, dass die Verbindung zwischen Mutter und Baby enger wird. Mütter, die ihr Baby nach der Geburt Haut an Haut halten, kümmern sich um ihr Baby mit größerem Selbstvertrauen, erkennen und reagieren schneller auf die Bedürfnisse ihres Babys, als  Mütter, die von ihren Babys getrennt wurden.

Die meisten Babys, die in der ersten Zeit nicht in den Armen  ihren Müttern sein durften, werden routinemäßig vom medizinischen Personal bewertet, gewogen, gemessen, abgewischt  und/oder in eine Decke gewickelt. Keine dieser Maßnahmen ist für das Baby wichtiger als der ungestörte Kontakt zu ihrer Mutter. Viele Prozeduren, wie das Absaugen von Mund und Nase, standardmäßige Medikamentengabe, oder das Baby unter einer Wärmelampe zu beobachten , können entweder später, oder auf dem Bauch der Mutter liegend, durchgeführt werden, in vielen Fällen kann man ganz darauf verzichten.

Rooming-in

Viele Frauen sind nach der Geburt sehr erschöpft und sie hoffen, dass sie mehr Schlaf bekommen können, wenn ihr Baby von ihnen getrennt untergebracht wird. Aber die Forschung hat gezeigt, dass die Mütter mit dem Baby im Zimmer genauso gut schlafen. Die Babys geht es jedoch besser, sie schreien weniger und haben  eher seltener Problem beim Stillen, im Vergleich zu den Babys, die von  ihrer Mutter getrennt liegen.


Was sagt die Forschung?

In wissenschaftlichen Studien wurden Babys, die engen Kontakt, Haut an Haut, mit ihren Müttern  in der ersten Stunde nach der Geburt hatten, mit Babys, die in Tücher eingewickelt oder in eine Wiege gelegt wurden, verglichen. Die Studien kamen zum Ergebnis, dass es den Babys mit dem engen Kontakt, in vielerlei Hinsicht besser ging, als den anderen.

Vorteile für die Babys, die nach der Geburt Haut an Haut Kontakt hatten:

  • Sie haben eine stabilere Körpertemperatur
  • Sie schreien weniger
  • Ihre Blutzuckerwerte sind stabiler
  • Sie trinken früher, länger und leichter an der Brust
  • Sie haben weniger Stresshormone im Blut
  • Sie haben Kontakt zur normalen Bakterienflora der Haut ihrer Mutter. Dies könnte sie vor Krankheiten aufgrund von  Besiedlung mit schädlichen Bakterien schützen.


Entscheide selbst darüber, wie mit deinem neugeborenen Baby nach der Geburt umgegangen werden soll.

Finde vorher heraus, wie im Krankenhaus deiner Wahl, mit den neugeborenen Babys umgegangen wird. Erkläre in einem Vorgespräch mit deinen Geburtshelfern, dass du diesen engen Hautkontakt mit deinem Kind in der ersten Stunde nach der Geburt und danach Rooming-in haben möchtest.  Falls sie auf eine routinemäßige Trennung von Mutter und Baby bestehen, dann überlege dir, ob du nicht deinen Entbindungsort wechseln solltest.

Übersetzt aus Quelle:

http://www.lamaze.org/HBP6

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