Stillen – Selbstbedienung von Anfang an – Teil II – Vorteile


Hat es auch Vorteile?

Eine Übersicht der Vorteile wird auf einer Webpage der Initiative \“The Breast Crawl\“ von Unicef gegeben. Ich möchte Teile davon, und eigene Gedanken,  im Folgenden vorstellen:

Vorteile des „Breast Crawls“

Die größten Vorteile des Selbstanlegens durch das Baby erwachsen aus dem ungestörten Kontakt zwischen Mutter und Baby gleich nach der Geburt. Nachgewiesene Vorteile für  das Anlegen in der ersten Stunde sind:

Allgemeine Vorteile  für das Baby

Das Neugeborene wird, wenn es nackt und zugedeckt auf der ebenfalls nackten Brust der Mutter liegt optimal gewärmt, sogar besser als unter einer Wärmelampe. Die Atmung und der Herzschlag finden leichter ihren Rhythmus. Der Blutzuckergehalt ist höher und die Azidose des Blutes  geht schneller vorüber. Die gesamte Anpassung des Stoffwechsels gelingt schneller. Es ist insgesamt  ruhiger und schreit weniger. Das Anlegen und das erste Saugen klappt häufiger, die Babys trinken dabei mehr und länger. Auch für die weitere Stillbeziehung ist dieses erste Anlegen positiv, die Babys werden länger gestillt.

  • Weitere Vorteile, speziell durch das aktive Selbstanlegen

Zusätzlich darf, meiner Meinung nach, nicht vergessen werden, dass wir zwar nicht genau wissen was genau in einem Baby vorgeht.  Wir wissen jedoch aus eigener Erfahrung, mit wie viel Stolz es uns erfüllt, wenn wir eine Aufgabe, die wir für richtig halten, geschafft haben. Und sogar besonders stolz, wenn sie anstrengend war. Wir können bestimmt davon ausgehen, dass auch ein Baby ähnliche Emotionen hat. Es fühlt sich gut, wenn es etwas erreicht , wenn es seinen Instinkten folgen kann und mit Nahrung, Saugenkönnen  und Geborgenheit belohnt wird.
Allgemeine Vorteile  für die Mutter

Die Plazenta wird schneller geboren und es kommt seltener zu großen Blutverlusten. Ursache dafür ist die vermehrte Ausschüttung von Oxytocin durch die Anwesenheit des Babys selbst, durch die „Brustmassage“ und das Saugen des Babys. Oxytocin hilft der Gebärmutter beim Zusammenziehen, dem Herauspressen der Plazenta und dem Verschließen der vielen noch geöffneten Blutgefäße der Gebärmutter. Durch die Bewegung der Beinchen wird der Bauch und die Gebärmutter massiert, dies könnte ebenfalls bei der Geburt der Plazenta helfen.

  • Weitere Vorteile, speziell durch das aktive Selbstanlegen

Hier möchte ich noch anfügen, dass die Mutter so ihr Baby, von Anfang an, als eine Persönlichkeit erlebt, die etwas zustande bringt. Dies fördert ein Gefühl des Respekts gegenüber dem Neugeborenen. Das erste Ansaugen in dieser Weise, wird meist als angenehmer und nicht so schmerzhaft empfunden. Nach der Aufregung und manchmal Hektik bis zur Geburt des Kindes, ist dieser gemeinsame Beginn eine erholsame Zeit für die Mutter. Sie liegt, am besten leicht aufrecht, auf dem Rücken, kann entspannen und dabei ihr Baby in Ruhe ansehen und bestaunen. Solch eine angenehme Atmosphäre unterstützt das Bonding zwischen Mutter und Kind.

Allgemeine Vorteile  für beide

Das Gefühl der Mutterliebe dem Baby gegenüber, beginnt nicht unbedingt mit der Geburt oder sofort mit dem ersten Kontakt. Doch während des „Breast Crawls“, wenn sie sich in engem Kontakt zusammen ausruhen, wenn sie sich in die Augen sehen, dann lernen sie sich auf verschiedene Weisen kennen und lieben. Es sind fast magische Momente und es wächst eine besondere Beziehung, ein Band, zwischen Mutter und Kind. Ein hormoneller Faktor ist z. B. das Oxytocin, oft auch Liebeshormon genannt.

Es gibt eine Reihe von Studien, in denen untersucht wurde, ob es eine spezielle „sensitive“ Phase in der Zeit nach der Geburt, in den ersten Lebenstagen gibt, in der ein Eltern-Kind Kontakt besonders wichtig ist, für das spätere Verhalten der Eltern  den Kindern gegenüber. In jeder dieser Studien verbesserte sich die Qualität der Fürsorge der Mutter, mit der Zunahme der Zeit,  welche die beiden in der Anfangszeit miteinander verbringen konnten. Widström notierte 1990 zudem die Feststellung, dass  Mütter, deren Babys die Mamille in der ersten Stunde berührten, ihre Kinder um ca. 100 Minuten länger bei sich behielten, als Mütter bei denen dieser Kontakt erst später stattfand (- damals war wohl 24 Std. Rooming in noch nicht so verbreitet).

Kann denn jedes Neugeborene selbst zur Brust robben und andocken?

Manches Baby möchte nicht, hat eine andere Vorstellung vom Beginn des Lebens außerhalb des Mutterbauchs. Manche Babys können nicht, sie werden durch widrige Umstände daran gehindert.

siehe Stillen- Selbstbedienung von Anfang an – Teil III – Hindernisse

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Lebensretter aus „Müll“? Teil 1


Es hört sich so gut an: „Stammzellen – die Lebensvorsorge aus dem Nabelschnurblut“.  So oder so ähnlich klingen die Werbesprüche kommerzieller Nabelschnurblutbanken. „Zum Helden geboren,“ ist der entsprechende Satz der gemeinnützigen DKMS (=Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH). Werdende Eltern lesen solche Anzeigen bestimmt einige Male vor der Geburt und denken natürlich darüber nach, ob sie nicht irgendwie verpflichtet sind, ihrem Kind diese Lebensversicherung zu bezahlen (beim privaten Anbieter) und Nabelschnurblut einfrieren lassen. Oder, ob sie nicht aus dem Gefühl einer Dankbarkeit oder des Helfenwollens heraus,  das Nabelschnurblut  spenden sollten.

Das Nabelschnurblut wird in den Werbebotschaften als für das Neugeborene nicht notwendig erachtet. Bei der DKMS findet sich sogar der Satz: „Bisher landet in deutschen Geburtskliniken in rund 97 Prozent der Fälle die Nabelschnur neugeborener Babys im Müll. Ein mehr als bedauernswerter Zustand und Verschwendung lebensrettenden Potenzials“ (siehe:  http://www.dkms.de/aerzte/news-uebersicht/news-detailansicht/article/kleine-helden-auf-der-erfolgsspur/index.html? tx_ttnews%5BbackPid%5D=21&cHash=a961a218ce)

Bei den privaten Anbietern sieht das nicht anders aus. Entweder wird dieser Aspekt überhaupt nicht betrachtet, oder das Nabelschnurblut wird als das Blut beschrieben, das bei der Geburt in der Plazenta verbleibt und daher zum Abfallprodukt würde, wenn es nicht zur Stammzellgewinnung genutzt wird.

Ist Nabelschnurblut  Müll oder ein Abfallprodukt?

Die Blutmenge in der Plazenta und der Nabelschnur nach der Geburt hängt davon ab, ob vorzeitig abgenabelt wurde, oder die Nabelschnur erst nach dem Auspulsieren und damit dem Ende des physiologischen Bluttransfers,  durchtrennt wurde. Für eine sinnvolle Stammzellgewinnung ist das vorzeitige Durchtrennen der Nabelschnur notwendig. Physiologischer Bluttransfer und Stammzellgewinnung schließen einander aus! Die Vorstellung, dem Baby nur ein wenig Blut für die Stammzellgewinnung wegzunehmen, klappt nicht, denn ein großer Nachteil der Transfusion von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ist die geringe Anzahl der Stammzellen in dieser. Deshalb reichen sie in der Regel  nur für ein max. 40 kg schweres Kind. Für einen Erwachsenen werden die Stammzellen aus der Nabelschnur mehrerer Neugeborener benötigt.

Nabelschnurblut als Müll oder Abfallprodukt entsteht nur in ausreichender Menge, wenn vorzeitig abgenabelt wurde. Unterbleibt eine vorzeitige Durchtrennung der Nabelschnur, ist  eine  Gewinnung  ausreichender Stammzellmengen nicht möglich.

Warum wird vorzeitig abgenabelt?

Das ist wirklich eine gute Frage. Es gibt eine riesige Menge an Studien, welche die kurz- und langfristigen Nachteile des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur für das Neugeborene belegen, aber irgendwie scheint der schnelle Schnitt für Geburtshelfer ungemein attraktiv zu sein. Wir haben einfach eine Kultur des „Je Schneller desto  Besser“; „Zeit ist Geld“; „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf ..“..Auch wird manchmal angenommen, dass das viele Blut das Neugeborene schädigen könnte, aber diese Meinung ist, Spezialfälle ausgenommen, inzwischen widerlegt (siehe nochmal die Videos des vorletzten Blogbeitrags).

Folgen des vorzeitigen Abnabelns

Ich glaube wirklich nicht, das diese Eile böse Absicht ist, aber sie hat leider negative Auswirkungen. Ich möchte  (nur  eine kleine Auswahl) dafür auf meinen vorletzten Blogbeitrag mit den Videos von Dr Fogelson verweisen, siehe auch hier und hier und  hier und

Mercer, J., B. Vohr and W. Oh. „Delayed Cord Clamping in Very Low Birthweight  Infants Reduces the Incidence of Intraventricular Hemmorhage and Late Onset Sepsis (Abstract).“ Pediatric  Research. 58(2):395. August 2005.(html)

Mercer, JS, Vohr, BR, Erickson-Owens, DA, Padbury, JF, Oh, W, (2010),
Seven-month developmental outcomes of very low birth weight infants enrolled
in a randomized controlled trial of delayed versus immediate cord clamping. J
Perinatol. 30(1), 11-16. (pdf)

Es folgt Teil 2

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut- wem gehören sie?

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