Video „Kinder verstehen“


Heute möchte ich euch 3 Videos mit   Dr. Herbert Renz-Polster vorstellen. Er ist Kinderarzt und Buchautor:„Kinder verstehen — born to be wild: wie die Evolution unsere Kinder prägt“ und „Menschenkinder — Plädoyer für eine artgerechte Erziehung“.

http://www.perlentaucher.de/autor/herbert-renz-polster.html
https://de-de.facebook.com/KinderVerstehen

Im Gespräch mit Teresa Arrieta erläutert er seine Gedanken zu Langzeitstillen, Durchschlafen, kleinkindlicher Abneigung von gesundem Essen, was ist für die kindliche Entwicklung wirklich notwendig und wichtig………..

 

Wenn ihr etwas mehr Zeit habt, könnt ihr euch auch einen Life-Mitschnitt eines Vortrages von Dr Herbert Renz-Polster in der Freiraumschule anssehen. Der Vortrag ist aufgeteilt in 2 Videos von jeweils ca. 40 Minuten Länge.

 

 

Babygeleitetes Stillen bei Stillproblemen auch älterer Babys


In den letzten Tagen wurden meine Blogbeiträge zum laid-back-breastfeeding, auch biological nuturing, intuitives Stillen, babygeleitetem Stillen, entspannten Stillbeginn …. genant,  von sehr vielen Besuchern gelesen. Daher möchte ich noch eine kleine Ergänzung anfügen.

Die meisten Babys und ihre Mütter, die ich mit Stillberatung unterstütze, haben meist schon über 2 Wochen Probleme mit dem Stillen. Erst wenn ihre Hebammen keinen Rat mehr wissen, verweisen sie an mich weiter (dann haben schon Kügelchen und CranioSacral nicht die erhoffte Hilfe gebracht). Das babygeleitete Stillen entfachte dann oft bei Babys, die nur die Flasche haben wollten, oder nur mangelhaft mit Stillhütchen saugen wollten, eine „Liebe zu den Brustwarzen“. Die Stillreflexe und -instinkte haben wohl noch eine ganze Zeit nach der Geburt einen großen Einfluss auf das Baby. Wichtigste Hilfsmittel  sind dabei für alle Beteiligten Ruhe und Geduld.

Inzwischen gibt es auch eine Studie aus Schweden  dazu (kontrolliert, Auswahl der Mutter-Baby-Dyaden nach dem Zufallsprinzip).  Es wurde untersucht, ob  Hautkontakt und eine zurückgelehnte Position der Mutterbeim Stillen  gravierende Stillprobleme bei durchschnittlich 3 Wochen alten Babys lösen konnte.

Übersetztes Ergebnis:
„Hautkontakt während des Stillens verbessert sofort mütterliche positive Gefühle und verkürzt die Zeit bis gravierende Stillprobleme des Babys beseitigt sind und das Baby sich gut anlegt. Ein grundlegender Mechanismus dabei könnte sein, dass der Hautkontakt mit der Mutter während des Stillen den Säugling beruhigt. Während die zuvor genutzte Form des Stillen den Säugling  so sehr aufgeregt hatte, dass dadurch das angeborene biologische Programm, die Brustwarze zu finden und sich anzulegen, blockiert wurde.“
Mehr zu diesem Thema findet ihr auf meinem Blog unter dem Link Stillen – Breast Crawl und Laid Back  (oben, unter der  Unterschrift)

Irreführende Werbung: Künstliche Säuglingsnahrung nicht mit Muttermilch zu vergleichen


Trotz aller glänzender Werbeseiten in Elternzeitschriften, künstliche Säuglingsnahrung leistet nicht das, was sie vorgibt. Am Bundesamt für Risikobewertung (BfR) gibt es auch das  Institut „Nationale Stillkommission“, welches sich mit der Ernährung von Säuglingen befasst. Im Juli gab dieses eine Stellungnahme  zu Unterschieden in der Zusammensetzung von Muttermilch und industriell hergestellter Säuglingsanfangs- und Folgenahrung und Auswirkungen auf die Gesundheit von Säuglingen, heraus.

Zitate aus der Stellungnahme:

„…..Muttermilch enthält zahlreiche Substanzen, die in Säuglingsanfangs- und Folgenahrung nicht enthalten sind. Diese Substanzen führen zu einer geringeren Morbiditätsrate bei gestillten Säuglingen. Daher ist grundsätzlich Muttermilch nicht mit industriell hergestellten Säuglingsnahrungen zu vergleichen.
Es bestehen Kenntnislücken dahingehend, ob das Hinzufügen von einzelnen Substanzen zu industriell hergestellter Säuglingsnahrung (z. B. präbiotisch wirksame Oligosaccharide oder probiotische Bakterienstämme wie Lactobacillus fermentum) zu einem geringeren Erkrankungsrisiko von Säuglingen im Vergleich zu industriell hergestellter Standardsäuglingsnahrung führt. Im Vergleich zu einer ausschließlichen Muttermilchernährung über mindestens 4 Monate konnte dies bisher nicht belegt werden.
Werbung für Säuglingsanfangs- oder Folgenahrung, die eine generelle Vergleichbarkeit mit Muttermilch suggeriert oder einzelne Inhaltsstoffe als vergleichbar bewirbt, muss daher nach Ansicht der Nationalen Stillkommission am BfR als irreführend angesehen werden….

….Deshalb ist es nicht berechtigt anzunehmen, dass die auf dem Markt erhältlichen industriell hergestellten Säuglingsnahrungen so weit entwickelt wären, dass eine Vergleichbarkeit mit Muttermilch anzunehmen ist. Selbst unter optimalen lebensmitteltechnischen Bedingungen ist es nicht möglich, eine industriell hergestellte Säuglingsnahrung zu komponieren, die mit Muttermilch vergleichbar ist. Dieses ist allein aufgrund der individuellen immunologischen Stoffe nicht möglich.“

bitte lest die gesamte Stellungsnahme, es sind einige Augenöffner darin: Stellungnahme Nr. 028/2012  vom 16. Juli 2012

In Dikussionen höre und lese ich immer wieder das Argument, dass künstliche Säuglingsnahrung so gut wie möglich ist. Das ist mit Sicherheit nicht korrekt. Es fehlt mir dabei der Gedanke an die Bezahlbarkeit. Künstliche Säuglingsnahung muss für die Eltern bezahlbar sein, damit sie häufiger von Eltern gekauft wird, als es wirklich notwendig ist. Und nur das, was bezahlbar (= ausreichend billig) ist, kann auch drin sein.  Zugesetzt wird also nicht, was nach Forschungserkenntnis drin sein müsste, um irgendwie muttermilchähnlicher zu sein, und auch drin sein könnte, da einiges inzwischen hergestellt werden könnte (wenn auch extrem teuer und bei weitem nicht alles ). Sondern es wandert in die Säuglingsnahrung das, was industriell billig herstellbar und ausreichend günstig verkaufbar ist.

Kann man Babys zu sehr verwöhnen?


 

Vor ein paar Wochen war auf der Titelseite des US-Magazins „Time“ (http://www.time.com/time/covers/0,16641,20120521,00.html ) eine junge Mutter zu sehen, die ihrem fast vierjährigen Sohn die Brust gibt. Damit war auf der anderen Seite des großen Teichs eine große Diskussion über Stillen bis ins Kindesalter, ständiges Tragen am Körper und Schlafen im Elternbett entfacht worden. Diese Debatte schwappte auch bis in unsere Gefilde. Wird hier doch in letzter Zeit das frühe Unabhängigwerden des Kindes von der Mutter (Krippe ab 12 Monaten) propagiert.

In seinem Buch“ Menschenkinder – Plädoyer für eine artgerechte Erziehung“ (Kösel Verlag 2011) hat sich der Kinderarzt und Wissenschaftler Dr. Herbert Renz-Polster  mit der Frage beschäftigt:“Können Babys und Kleinkinder zu viel Zuneigung bekommen?“ Er betrachtet die heutigen Erziehungsprobleme und Empfehlungen aus dem Blickwinkel der evolutionären Verhaltensforschung und  begründet seine Schlussfolgerungen durch die Evolutionsgeschichte des Menschen. (siehe Buchempfehlungen rechts an der Seite).

Aktuell hat Dr. Renz-Polster seine Meinung zur Verwöhndebatte online veröffentlicht:

„Wie verwöhnt man Kinder?
Können Babys und Kleinkinder zu viel Zuwendung bekommen?

Wenn Kinder in den ersten Lebensjahren viel Nähe von ihren Bezugspersonen bekommen, wenn sie getragen, nach Bedarf gestillt, bei Kummer gleich getröstet werden – ist das als Vorbereitung auf das weitere Leben gut oder problematisch?“

http://kinderverstehen.de/images/verwoehnung.pdf


Füttern nach der Uhr macht Babys dümmer


Es ist ja schon ein lang andauernder Streit in wie weit das Stillen die Kinder bei der Entwicklung ihrer Intelligenz fördert. Nun kommt noch eine weitere Dimension dazu, und zwar das Füttern nach Bedarf versus Füttern nach der Uhr. Viele neue Bücher über Babys propagieren das Stillen nach Bedarf, aber es gibt noch eine Reihe anderer, v.a. älterer, in denen noch sehr stark das Stillen oder Füttern nach der Uhr vertreten wird. Auch fragen noch viele Kinderärzte, ob denn das Baby schon einen  richtigen Stillrythmus entwickelt hätte und mahnen  nachsichtige Mütter, die ihre Babys nach Bedarf zu Trinken geben, zu mehr Konsequenz und Zeitplanung beim Füttern.

Maria Iacovou und Almudena Sevilla aus England untersuchten den Effekt den einerseits Füttern nach Bedarf und andererseits Füttern nach Plan (Uhr) der Babys auf das Wohlgefühl der Mütter und die geistige Entwicklung der Kinder haben.

Die Studie mit dem Titel „infant feeding: the effects of scheduled vs. on-demand feeding on mothers´wellbieing and childrens´scognitive development“ ist im Eurpean  Journal for Public Health (March 14,  2012) erschienen.

Kurze übersetze Zusammenfassung:

Datenerhebung:  Es wurden die Daten von 10 419 Kinder der Avon Longitudinal Study of Parents and Children ausgewertet. Es handelt sich dabei um eine Kohorten Studie von Kindern, die in den 1990igern  in Bristol, UK, geboren worden waren. Als die Babys 4 Wochen alt waren, war erhoben worden, ob sie entweder nach Zeitplan oder nach Bedarf gestillt/mit der Flasche gefüttert worden waren. Im Alter zwischen 8 Wochen und 33 Monaten wurden Daten zum Wohlergehen der Mütter (Schlaf, Gefühl der Kompetenz und Depression) erhoben. Der Grad der geistigen Entwicklung der Kinder wurde im Alter von  5, 7, 11 und 14 Jahren durch Standardtests festgestellt, ein iQ -Test erfolgte im Alter von 8 Jahren.

Ergebnisse: Die Mütter die nach Zeitplan gefüttert hatten, schnitten bei den Tests zum Wohlergehen besser ab, außer im Punkt Depression. Ihre Kinder schnitten jedoch bei den Test zu den akademischen Fähigkeiten schlechter ab, als Babys die nach Bedarf gefüttert worden waren (17%  Standard Abweichung unter den nach Bedarf gefütterten Kindern in den Standardtests bei allen Altersstufen und   4 Punkte weniger im  IQ-Test).

Ich möchte noch hinzufügen, dass Stillen oder Füttern nach Bedarf in den 90igern des letzen Jahrhunderts etwas war, das Mütter meistens noch mit schlechtem Gewissen gemacht haben. Ich denke, in England war das nicht viel anders, als hier bei uns. Deshalb wundert mich das Ergebnis zur mütterlichen Kompetenz nicht wirklich. Die Autoren schreiben selber, dass viele Mütter, vor allem junge, ihre Babys nach Bedarf gestillt haben, weil sie es nicht geschafft hatten, einen Zeitplan gegen ihre Babys durchzusetzen und nicht, weil sie davon prinzipiell überzeugt waren. Sie empfanden sich deshalb oft als nicht so kompetent wie Mütter, die die allgemein empfohlene Regelhaftigkeit beim Füttern einhielten.


Stilltipps von der Uniklinik – Mythen, Esoterik und Halbwahrheiten


Ja, ich muss zugeben, ich hab mich geärgert, richtig geärgert und in einem richtigen Blog (10 Tipps für das Schreiben eines Blogs), soll man sich auch mal aufregen. Das ist eben mal heute dran.

Was ist passiert? Ich habe einen Flyer zu  „Ernährungsempfehlungen für die Zeit der Schwangerschaft und die Stillzeit“ einer Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, einer eigentlich renommierten Universitätsklinik, in die Hände bekommen. Beim Durchlesen hat es mir meine lackierten Fußnägel hochgerollt. Nun, was hat das Gefühl des Ärgers bei mir erzeugt? Lest selbst die allgemeinen Ernährungsempfehlungen:

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, also einfach der Reihe nach (vorsicht, teilweise ironisch).

Rundkornreis, weißer Reis, kein Langkornreis, kein Basmati, Jasmin oder sonstiger Reis und auf jeden Fall kein Vollkornreis? Warum? Mir fällt kein wirklich vernünftiger Grund ein, der gegen z. B. Basmatireis sprechen würde. Und ich habe auch noch nie von dem gefährlichen Vollkornreis gehört. Außer, dass ich persönlich manchmal den Geschmack von Vollkornreis als muffig empfinde (vielleicht war er schon alt gewesen) und deshalb geschälten Reis meist vorziehe.

Mit Hirse, Hafer, Dinkelgries habe ich kein Problem, doch frage ich mich hier, warum Gries bei Dinkel und keine Körner oder Mehl, kann Hafer auch geflockt werden, und was wäre, nur um der Vollstädigkeit wegen, gegen Gerste oder Kamuth einzuwenden – oh, jetzt hätte ich fast Amaranth, Mais, Weizen, Roggen, ….. und Emmer vergessen. Zudem, darf es bei diesen Getreidearten die Vollkornvariante sein, oder sollten diese auch geschält sein?

Getreidebreie – ähem, nochmal Getreide, oder soll das heißen, Getreide nur als Brei?

Stärkende Suppen und Brühen – ja, lecker und sinnvoll

Polenta – Ist das nicht Maisbrei, d.h. Getreidebrei? Sind denn Getreidebreie, = ganz viel Kohlenhydrate (und wenn geschält auch viel vitaminarme, sog. leere Kohlenhydrate) wirklich das A und O für die Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit? Ich glaube nicht!

Gemüse und Obst sollte gekocht oder gegart werden – hört sich für mich ein bischen chinesisch/tibetanisch an, ziemlich esoterisch jedenfalls. Auf Vitamin C soll dann also verzichtet werden?

Hochwertiges(!) Fleisch und Fisch – Ja, tierisches Eiweiß ist leicht verderblich, sollte  durchgegart werden und, wenn möglich, Bioware vorziehen (Lebensmittelskandale). Aber auch bei allen anderen Lebensmittel darauf achten, dass sie nicht verdorben sind oder minderwertig.

Natürliche Milchprodukte mit frischem Obst – Oh, also doch frisches Obst, aber nur mit Milchprodukten – oder, noch besser, natürliche Milchprodukte nur mit frischem Obst, sonst lieber unnatürliche Milchprodukte (vielleicht ist hier an Analogkäse zu denken?).- Quatsch!

Kompott sollte mit Honig gesüßt werden – nicht mit bösem Zucker. Nun, Zucker gehört leider wirklich nicht zur gesunden Ernährung, nicht nur wenn man stillt oder schwanger ist. Am besten darauf weitgehend verzichten und nur geziehlt einsetzen – Honig in großen Mengen ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Vor allem wenn man ihn kocht, also nur nachsüßen, nicht mitkochen. Beim Kompott aus süßen Früchten kann getrost auch auf Honig verzichtet werden. Vom Zwang, Kompott auf jeden Fall mit Honig zu süßen, halte ich gar nichts!

Pudding, Kuchen o. ä. sollte mit Vollrohrzucker gesüßt werden – Es gilt obiges. Vollkornzucker deshalb, weil er etwas mehr Vitamine und Mineralstoffe hat, als raffinierter Zucker, und irgendwoher müssen diese ja kommen, wenn ansonsten das Getreide geschält, Gemüse und Obst gekocht werden müssen.

warme Tees, kein Pfefferminz- oder Salbeitee – denn diese beiden können die Milchmenge ganz schön reduzieren. Das mit dem „warmen“ kommt wieder aus dem asiatisch-esoterischem Bereich. Aber natürlich sollte man nichts Kaltes trinken, wenn man es nicht mag oder fröstelt und nichts Heißes, weil man sich sonst den Mund verbrennt.

Ernähren sie sich abwechslungsreich und phantasievoll – ja, dem kann ich nur beipflichten, heute Maisgriesbrei, morgen Hirsebrei und übermorgen Haferbrei ….

Es folgt nun auf dem Flyer eine kleine Liste mit Lebensmitteln, vor denen gewarnt wird:

 Auch hier geht es wieder bunt querbeet. Der Verzicht auf einiges im Flyer angegebenes ist immer sinnvoll und besonders, wenn noch ein Baby mitisst (Alkohol, Nikotin, Drogen, Diäten, Stress, Zucker, Fertigprodukte), manches kann sinnvoll sein, z. B. wenn das Baby eine empfindliche Verdauung hat (blähende Speisen, Zwiebel), manches wird  in Maßen von  einigen Baby vertragen (Kaffee, Schwarztee), von anderen gar nicht. Die meisten haben gar kein Problem, wenn ihre Mama  saure Früchte oder ungeschältes Getreide schnabuliert.  Bei Knoblauch in der Nahrung trinken viele Babys sogar besser. Verträgt das Baby kein Kuhmilcheiweiß (kleinste Partikel gehen in die Muttermilch über), so muss die Mutter  ganz auf Milch und Milchprodukte verzichten.

Bei den Tipps zu Blähungen stach mir besonders der 2-fache Hinweis auf Milchzuckerunverträglichkeit mit notwendigem Abstillen ins Auge. Ich glaube, hier wurde vielleicht die gerade oben erwähnte Kuhmilcheiweißallergie mit einem Milchzucker/Laktase Ungleichgewicht verwechselt. Bei ersterem soll nicht abgestillt werden, sondern die Mutter muss auf jegliches aus Milch verzichten. Abstillen macht meist keinen Sinn, da die betroffenen Säuglinge auf die allermeisten Ersatznahrungen auch allergisch reagieren können. Bei der sog. „Unverträglichkeit gegen Milchzucker“ fehlt dem Baby meist nicht die zum Verdauen des Milchzuckers nötige Laktase, dies kommt nur sehr, sehr selten vor, meist handelt es sich um ein Ungleichgewicht. In diesen Fällen hat die Mutter sehr viel Milch und das Baby bekommt beim Trinken zu viel von der milchzuckerreichen Vordermilch und zu wenig von der milchzuckerärmeren, fettreicheren Hintermilch. Die vom Baby hergestellte Menge an Laktase-Enzym, reicht dann nicht aus, den gesamten Milchzucker (Laktose) abzubauen, es kommt zu Blähungen. Durch ein geeignetes Stillmanagement können Enzym und Milchzucker wieder in Balance kommen und ein Abstillen ist nicht notwendig. 

Und nun zum letzten Punkt, es fehlt an Muttermilch:

Warum, um alles auf der Welt, steht das Wichtigste am Schluss, nach Hühnersuppe und Eisverbot?

Wer hat nur diesen Flyer verbrochen?

Alternative: Birthtimedoulas Tipps zur Milchbildung

Deutsche Veröffentlichung zum D-MER


In der Fachzeitschrift der Europäischen LanktationsberaterInnen Allianz (ELACTA)  Lactation und Stillen ist in der Ausgabe 4/2011 ein Beitrag zu dem D-MER (Dysphorischer Milchspendereflex) erschienen. Er ist eine Überseztung des englischen Artikels von Heise und Wiesinger im International Breastfeeding Journal 2011 6:6, mit dem Titel:“Dysphorik milk ejection Reflex: A case report“.

Das Auftreten vom D-MER ist sozusagen nun auch in Europa offiziell Realität.

Unter folgenden Link könnt ihr den kostenlos zugänglichen Beitrag  finden.

http://www.velb.org/docs/ls-4_2011-dysphorischer-milchspendereflex.pdf

Stillen verbessert spätere Lungenfunktion


 Das gilt vor allem, wenn die Mutter Asthma hatte. Eine neue Studie aus der Schweiz und Großbritannien „Brestfeeding and lung function at scholl-age: does maternal asthma modify the effect?“ (= Stillen und Lungenfunktion im Schulalter: verändert mütterliches Asthma den Effekt?) kam zu diesem Ergebnis.

Untersucht wurden 1458 Kinder aus den britischen Leicestershire Cohort Studies von 1993 und 1997. Bei wiederholten Befragungen wurden  Daten zur Dauer des Stillens, zu Belastungen und  zu Symptomen bez. des Atmens  erhoben. Als die Kinder 12 Jahre alt geworden waren, wurden verschiedene  Tests zur Lungenfunktion durchgeführt.

In der gesamten Untersuchungsgruppe war die Lungenfunktion verbessert, wenn die Kinder gestillt worden waren. Zusätzlich konnte festgestellt werden, dass eine Verlängerung der  Stilldauer von 4-6 Monate auf über 6 Monate, sogar eine weitere Verbesserung der Lungenfunktion mit sich brachte.

Im Falle der Kinder von Müttern mit Asthma wurde zudem in  Spezialtests  (Funktionelle Residualkapazität (FRC)und Funktionelle Residualkapazität (FRC)) eine weitere Verbesserung durchs Stillen gefunden. Hatten die Mütter kein Asthma, so war bei diesen Tests kein Unterschied zwischen gestillten und ungestillten Kinder zu sehen.

Die Verbesserungen der Lungenfunktion blieb sogar signifikant, nachdem die Anzahl von Atemwegserkrankungen, das Auftreten von kindl. Asthma oder Atopie in der Studienauswertung „heraus gerechnet“ worden war. Und so folgerten die Forscher, dass das Stillen selbst  evtl. einen eigenen positiven Effekt auf das Lungenwachstum hat. Sie raten daher zum Stillen der Kinder.


Flaschenkinder sind glücklicher! – Wirklich?


Nun, ich habe da so meine Zweifel.

Es geht um eine neue britsche Studie mit dem Titel: Breastfeeding and Infant Temperament at Age Three Month (= Stillen und Temperament des Kindes im Alter von 3 Monaten). In die Studie aufgenommen wurden 316 Babys. Diese wurden in   3 Gruppen „ausschließlich gestillt“, „ausschließlich mit der Flasche ernährt“ und „Fläschchen und Stillen kombiniert (=teilgestillt)“ aufgeteilt. Studie und Ergebnis haben die Forscher wie folgt zusammengefasst:

„Breast and mixed-fed infants were rated by their mothers as having more challenging temperaments in all three dimensions; particular subscales included greater distress, less smiling, laughing, and vocalisation, and lower soothability….“ (= Vollgestillte und teilgestillte Babys werden von ihren Müttern als anstrengender geschildert und zwar in allen 3 untersuchten Bereichen, besonders  hinsichtlich größerer Unruhe, weniger Lächeln, weniger Lachen, weniger Vokalisierung und schwieriger Beruhigung.)

So genommen klingt das nicht gerade vorteilhaft für das Stillen. Und so haben einige engl. Zeitungen die Studie mit drastischen Überschriften wie „Nicht gestillte Kinder sind glücklicher“ oder „Gestillte Kinder schreien mehr und lächeln weniger“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autoren  selbst, möchten ihre Studie  ganz anders verstanden wissen und diskutieren verschiedene Ursachen.  Als einen möglichen Grund für das schlechtere Abschneiden der gestillten Kinder beschreiben sie, dass viele Mütter versuchen, ungeeigneten Empfehlungen zur Kinderernährung  folgen, wie z. B. dem immer noch von vielen Ärzten empfohlenen 3-Std Still-Rythmus und zu kurze Stillperioden. Die Babys haben dann einfach häufig Hunger und sind dann natürlich oft unzufrieden.  Somit erleben die stillenden Mütter ihre Kinder oft als unglücklicher als Flaschenkinder und fürchten nicht ausreichend Milch zu haben und stillen daher früher als geplant ab. Um dies zu vermeiden, empfehlen die Autoren der Studie, sollten die Mütter mehr realistisches Wissen über die Verhaltensdynamik beim Stillen und über den Umgang mit „schwierigeren“ Babys bekommen.

Ich möchte noch hinzufügen, dass die Unterschiede zwischen den  drei Gruppen sehr gering sind. Auf einer Skala von 1 bis 7 bekamen die Flaschenkinder gemittelt 4,3 und die beiden anderen 4,0 Punkte (1= niemals, 2= sehr selten, 3 = fast die Hälfte der Zeit, 4 = die Hälfte der Zeit, 5 = mehr als die Hälfte der Zeit, 6 = fast immer, 7= immer). Die Frage bezüglich Beruhigung war z.B. „Wie oft beruhigt sich das Baby, wenn es sanft gestreichelt oder geklopft wird?“, die Frage bezüglich Traurigkeit lautete :“Schien das Baby traurig zu sein, wenn die Hauptbeziehungsperson ungewöhnlich lange weg war?“, die Frage bezüglich Angst: “Wie oft hat sich das Baby wegen einem lauten oder plötzlichen Geräusch in der letzten Woche erschrocken?“.  – Irgendwie beschleicht mich hier das Gefühl, dass die Frage nach Beruhigung besonders auf Flaschenkinder zugeschnitten ist. Brustkinder werden doch i.d.R. mit Hilfe der Brust und nicht durch Klopfen beruhigt – und ersteres ist wieder nach „Expertenrat“ verboten – soviel zu ungeeigneten Empfehlungen. Und, ist ein glückliches Kind, ein Kind, dem die An- oder Abwesenheit der Hauptbeziehungsperson eher egal ist? Außerdem, hat die Anzahl des Erschreckens nicht auch damit zu tun, ob jemand überhaupt festgestellt hat, dass das Baby erschrocken ist?

Zudem wurden die Kinder nicht von Forschern untersucht, sondern von ihren Müttern beurteilt und, wie wir alle wissen, unterscheiden sich die Menschen in ihren Bewertungen. So kam eine weitere Studie  im April 2011 (Breastfeeding tied to stronger Maternal Response to Baby`s Cry) zu dem Ergebnis, dass stillende Mütter beim Weinen ihrer Kinder eine stärkere Reaktion in Gehirnbereichen, die mit  Kümmern und Empathie assoziiert werden, zeigen, als Mütter die ihren Kindern vorwiegend künstliche Babynahrung geben.

Zungenbändchen – Ein kleiner Film


Zungenbändchen können  der Mutter-Kind-Dyade das Stillen = das Leben ganz schön schwer machen.  Ihr könnt  in der Kategorie Zungenbändchen, Zähne und Kiefer mehr darüber erfahren. Und hier könnt ihr euch ein kleines Video zur Untersuchung eines Zungenbändchens ansehen:

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