Geburtshaltung bei Beckenendlage (Steißgeburt)


Bei den Clicks, die mein Blog in den letzten Tagen bekommen hat, ist mir aufgefallen, dass oft  nach einem Beitrag über die BEL (Beckenendlage, Popo zuerst) des Kindes gesucht wurde. An dieser Stelle möchte ich daher kurz  ein paar informative Seiten im Netz dazu vorstellen:

Waren in den letzten Jahren in US-amerikanischen, kanadischen, englischen und auch vielen deutschen Kliniken vaginale Geburten aus BEL ein absolutes NO-GO, so hat sich dies vor kurzem wieder geändert. Ein Artikel der FAZ fasst dies kurz zusammen, (bitte bis zum Ende lesen). Besonders beruhigend finde ich den Hinweis, dass sich die allermeisten Kinder, die die letzten 6 Schwangerschaftswochen aufrecht sitzend beginnen, von selbst noch vor der Geburt in eine Kopflage drehen. Hier noch ein Kurzinterview mit dem auch  international anerkannten Prof. Dr. Frank Louwen, Leiter der Geburtshilfeabteilung der Uni-Frauenklinik Frankfurt/Main.

Welche Geburtsposition ist denn die günstigste?

Ärzte des  Universitäts-Klinikum in Leipzig haben sich  mit der Steißgeburt beschäftigt und raten bei der Geburt zum eher aufrechten Vierfüßlerstand (nach unten scrollen). Auch im Uniklinikum Frankfurt wird diese Position empfohlen. Die Geburt auf allen Vieren ist sowieso eine gute Geburtsposition. Sie ist zwar erstmal ungewöhnlich, wird jedoch auch bei feststeckenden Schultern (Schulterdystokie)  genutzt.

Lustig finde ich diese Entwicklung im Uniklinikum Leipzig schon. Vor nicht allzu langer Zeit glaubte man auch dort noch, dass die Käferstellung auf dem Rücken für eine BEL notwendig ist, wie es in diesem Erfahrungsbericht geschildert wird. Doch die Entwicklung weg von der Bequemlickeit des Geburtshelfers, hin zu mehr  „Bequemlichkeit“ (und Sicherheit) für das Baby und für die Gebärende, macht Hoffnung. Es gibt Geburtshelfer, die den Frauen zuhören, die neugierig bleiben, die ihre eigene Vorgehensweise kritisch überdenken und Verbesserungen anstreben.

Video einer Steißgeburt im Wasser

Ob eine Geburt mit dem Baby in BEL auch in einer Geburtswanne  eines deutschen Krankenhauses erlaubt wäre, weiß ich nicht, aber nachfragen, kann man auf  jeden Fall. Vielleicht hilft ja dieses Video dabei.

Vermeiden von ungünstigen Kindslagen


Runter vom Sofa!

Nein´, ganz so schlimm ist es auch nicht. Aber nicht zurückgelehnt im auf dem Sofa sitzen, sondern, viel besser, gleich hinlegen und zwar auf die Seite, oder, so weit wie möglich, auf den Bauch. Wenn Sitzen notwendig ist, dann aufrecht Sitzen (siehe Abb 10), denn eine aufrechte Haltung animiert das Baby dazu, eine vorteilhafte vordere Lage einzunehmen (siehe auch Lebensweise und Geburt und Lebensweise und Kindslage) .

Abb 10: besseres Sitzen

Becken aufgerichtet, Sitzen auf den Sitzbeinhöckern
Becken aufgerichtet, Sitzen auf den Sitzbeinhöckern

So aufrecht zu sitzen ist natürlich anstrengender, vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber da das Sitzen sowieso nicht die optimale Haltung beim Ausruhen ist, sondern das Liegen, gewöhnt man es sich am besten spätestens jetzt fürs ganze Leben an.

Beim Autofahren sitzt man meist ebenfalls in einer posterioren Haltung. Zum Glück sind Autositze inzwischen gut verstellbar und lassen sich in eine  Position, welche ein aufrechteres Sitzen ermöglicht, bringen.

Weitere günstige Positionen

  • Aufrechtes Stehen und Gehen, das Becken aufgerichtet und die Hüftknochen nicht nach hinten gekippt.
  • Nach vorne gelehntes Stehen
  • In die Hocke gehen und den Popo dabei  herausstrecken, keinen runden Rücken machen Anleitung von Katy Bowman
  • Aufrechtes oder nach vorne gelehntes Knien (z B auf Kissen, oder Kniehocker)
  • So häufig wie möglich, sich in den Vielfüßlerstand begeben oder auf allen Vieren krabbeln
  • Brustschwimmen

Wie oft, wie lange?

Die oben genannten Körperstellungen sollten in das gesamte Leben mit eingebaut werden. Bei Sport und Freizeitaktivitäten sollte immer darauf geachtet werden, dass alles aufrecht oder nach vorne gebeugt ausgeführt wird, ebenso bei der Arbeit:

  • Computer höher stellen – kleine Kiste oder Regal darunter, das muss gar nichts kosten – und im Stehen arbeiten
  • Spielen mit größeren Geschwistern des Babys auf allen Vieren, Lesen mal auf allen Vieren …
  • Gehen mit aufgerichteten Becken
  • den Boden oder die Treppe auf allen Vieren oder kniend wischen,
  • beim Sitzen immer sich aufrichten und sich evtl dabei aufgerichtet nach vorne lehnen, bewegliche Sitzunterlage bevorzugen
  • beim Schwimmen Brustschwimmen bevorzugen,
  • zum Ausruhen hinlegen

Kurzzeitig nur eine Übung ausführen, wie z B 2xtäglich für 10min  den Vierfüßlerstand einnehmen, hat in einer Studie keinerlei Effekt gezeigt.  Es ist wichtig, spätestens ab der 32ten Woche auf die Körperhaltung zu achten, so dass sich das Kind, von vorne herein, in eine günstige vordere Hinterhauptslage begibt. Hat das Baby doch eine schlechtere Kindslage eingenommen, dann sollte, so oft wie möglich, eine nach vorne lehnende Position eingenommen werden, auf allen Vieren gekrabbelt und zum Brustschwimmen gegangen werden.

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