D-MER

Wenn sich die Mutter beim Stillen traurig fühlt

Für mich war Stillen, nach anfänglichen Schwierigkeiten, verbunden mit angenehmen Gefühlen. Ich habe mich beim Stillen wirklich gut gefühlt. Und so geht es fast allen Müttern. Doch aus dem Bekanntenkreis kannte ich auch Mütter, selbst oder vom Hörensagen, denen es nicht so ging.  Die Stillen nicht mit positiven Gefühl erlebten, die froh waren damit aufhören zu können, oder es, nach kurzem Versuch, wieder aufgaben. Dass man aufhören will, wenn man mit wunden und schmerzenden Mamillen zu kämpfen hat, oder die eine Mastits der nächsten die Hand gibt, kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber unangenehme Gefühle, das Gefühl tiefer Traurigkeit beim Stillen, obwohl alles ansonsten für die Mütter problem- und schmerzlos lief, hatte ich immer mit mir unbekannten psychologischen Ursachen in Verbindung gebracht.
Mit depressiven Gedanken hatte auch Alia Macrina Heise, eine Mutter von 3 Kindern, beim Stillen ihres letzten Kindes zu kämpfen. Und sie beschloss diesen Gefühlen auf den Grund zu gehen und mehr darüber zu erfahren. Sie begann damit, andere Mütter zu suchen, die ähnlich unangenehme Gefühle beim Stillen erlebt haben. In nur kurzer Zeit hatte sie Kontakt mit einigen Leidensgenossinen und begann einen Blog mit Namen D-MER.  Nach 8 Monaten fand sie die international bekannte Stillberaterin (Diane Wiessinger MS, IBCLC, LLLL), die sie ernst nahm und sich mit ihr und anderen Stillberaterinnen auf die Ursachenforschung für dieses, nun D-MER (Dysphoric milk ejection reflex = dysphorischer Milchspendereflex) genannte Gefühl begab.
Ihre Ergebnisse haben sie in der Webpage D-MER zusammengestellt.

Was ist D-MER  ?

Dysphoric Mik Ejection Reflex (Dysphorischer Milchspendereflex) ist eine erst seit kurzem beschriebene Befindlichkeit, welche bei stillenden Müttern auftreten kann. Charakteristich für D-MER  ist das plötzliche Auftreten von Dysphorie, oder negativen Gefühlen. Diese depressionsartigen Gefühle gehen dem Milchspendreflex ein paar Sekunden voraus und dauern höchstens ein paar Minuten an, um dann ebenso plötzlich wieder völlig zu verschwinden. In vorläufigen Tests kamen Diane Wiessinger und Alia Macrina Heise zum Ergebnis, dass D-MER behandelbar ist. Vorläufige Untersuchungen lassen auf eine unangemessene Dopamin Aktivität zur Zeit des Milchspendereflex als Ursache von  D-MER schließen.

Was ist D-MER nicht?

D-MER ist  keine  psychologische  Folge des Stillens.

D-MER ist nicht die Übelkeit beim Milchspendereflex, oder irgendein anderes isoliertes  körperliches Symptom.

D-MER ist keine postpartale Depression.

D-MER ist nicht mit  dem Gefühl des „Ablehnen des Stillens„, das manche Mütter befällt, wenn sie während der Stillzeit wieder schwanger werden, zu verwechseln.

Was fühlen Mütter mit D-MER ?

Vor allen  Dysphorie, negative Gefühle der Leere, aber auch  Ängste oder Wut beim Milchspendereflex, und zwar unabhängig davon, ob gestillt, abgepumpt oder ausmassiert wird. Entscheidend ist nur das Vorhandensein des Milchspendreflexes. Nicht jede Frau spürt diesen Reflex und manchmal kann er auch ohne konkretes Stillen ausgelöst werden,  z B wenn die Frau ein Baby weinen hört. Die Stärke und die Art des Gefühls variiert dabei von Frau zu Frau.
Ein ganz wichtiger Hinweis ist das plötzliche Auftreten. Vor dem Stillen kann sich die Mutter  richtig gut fühlen, aber  bevor der Milchfluss einsetzt, tritt  D-MER  auf. Nach nur 30 Sekunden oder maximal 2 Minuten hört dieses dysphorische Gefühl wieder völlig auf , um dann erst wieder kurz vor dem nächsten Milchspendereflex wieder aufzutauchen. Während einer Stillsession hat eine Frau i.d.R. mehrere Milschspendereflexe, folgen diese in kurzen Abständen aufeinander, kann dies den Eindruck eines  dysphorischen Gefühls während der gesamten Stillsitzung machen.

Kennt ihr, kanntet ihr selbst dieses Gefühl beim Stillen, oder kennt ihr jemanden? Wie seit ihr damit umgegangen? Was hat euch geholfen?

Endlich  sind ausführlichere Informationen zum D-MER auch in deutscher Sprache online.  (D-MER = Abkürzung für dysphorischer Milchspendereflex,  bezeichnet eine Befindlichkeit bei der depressionsartige Gefühle dem Milchspendreflex vorausgehen)

Es gibt 3  Handreichungen zum Ausdrucken über D-MER:

für die betroffenen Mütter

für Angehörige

für Ärzte, Hebammen und Stillberaterinnen (dies könnt ihr ausdrucken und mit zu eurem/r  Betreuer/in  nehmen)

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. pokerzynga
    Sep 16, 2011 @ 08:33:46

    Do you mind if I quote a few of your posts as long as I provide credit and sources back to your website? My blog site is in the exact same area of interest as yours and my visitors would really benefit from a lot of the information you provide here. Please let me know if this ok with you. Thanks a lot!

    Antworten

  2. Hedwig
    Feb 14, 2012 @ 12:21:03

    Hallo, ich mache mal den Anfang.
    Zu Allererst muss ich sagen, bleibe ich zwar anonym, trotzdem fällt es schwer darüber zu schreiben. Man kommt sich irgendwie nicht normal vor. Und das ist auch der Grund warum niemand darüber spricht. Man hat Angst dass man komisch angeguckt wird, oder dass die anderen glauben, dass man nicht mehr „alle Tassen im Schrank“ hat.
    Ich bin von D-MER betroffen und lediglich mein Mann und eine Freundin wissen davon. Mein Mann ist zuerst auch sehr skeptisch gewesen, als ich ihm nach langem Überlegen davon erzählt habe. Meine Tochter ist 11 Wochen alt und ich stille voll. Am Anfang habe ich Stillprobleme gehabt, was daran lag, dass mir eine Kinderschwester und Stillberaterin gleich zu Beginn einen völlig unnötigen Stillhut verpasst hat. Ich habe dann sehr lange gekämpft um diesen wieder los zu werden. Die Verzweiflung und die Wut, die ich beim Stillen empfunden habe, schob ich zunächst auf diese Probleme und auf die hormonelle Umstellung nach der Schwangerschaft. Irgendwann nach unzähligen Versuchen den Stillhut loszuwerden und nach tausenden Malen wunder Brustwarzen habe ich das ganze aufgegeben und einfach mit Hütchen gestillt, was wunderbar klappt. Die schlechten Gefühle aber sind beim Stillen geblieben. So habe ich mir eines Tages gedacht, dass es doch nicht normal sein kann, dass man sich so elend fühlt. Alle sagen doch immer, dass Stillen mit Glücksgefühlen einhergeht. Ich habe dann gegoogelt und D-MER gefunden, was genau auf meine Gefühle zutrifft. Ich fühle meinen Milchspendereflex sehr intensiv (fühlt sich wie ein Brustkrampf an). Ich kann ihn anhand der negativen Gefühle, die ihm voraus gehen genau vorhersagen. Meine Gefühle reichen von sich entzetzlich schlecht fühlen bis Wut. Diese Wut richtete sich gegen meinen armen Mann oder die Kinderschwester, die mir den Stillhut verpasst hatte. Es kommt ganz plötzlich und verschwindet auch genauso schnell wieder und es fühlt sich so an, als würde plötzlich alles Glück im Leben aus einem herausgesaugt. Die Erklärung im Internet hat mir sehr geholfen. Allein zu wissen, worum es sich handelt. Heute versuche ich daran zu denken, dass es gleich wieder vorbei ist und es einfach auszuhalten. Den Gefühlen keinen Platz zu geben. Es gab schon Tage, da habe ich es so oft gehabt, dass ich dachte, ich kann nicht mehr so weiter machen und muss abstillen. Aber irgendwie habe ich doch immer den Willen gehabt und die Kraft gefunden weiter zu machen, weil es das beste für mein Kind ist. Beim Stillen versuche ich mich abzulenken, damit negative Gedanken gar nicht erst Platz im meinem Kopf finden. Ich habe dafür auch eine einfache Lösung: Ein Kindle App auf meinem Smartphone. Das Lesen tut mir sehr gut. Wenn ich mal nicht lesen kann, versuche ich bewusst an schöne Dinge zu denken oder ich schaue mein Baby an und konzentriere mich darauf zu sehen, wie wunderschön und süß es ist. Das hilft mir sehr. Und angesichts des D-MER, finde ich, schlage ich mich bisher tapfer und kann nur allen Frauen, die betroffen sind, Mut machen, dass es geht und dass sie es schaffen können!

    Antworten

    • birthtimedoula
      Feb 27, 2012 @ 09:03:21

      Liebe Hedwig, erstmal muss ich mich dafür entschuldigen, dass dein Beitrag so spät erscheint. Ich war im Urlaub und hatte mir 2 Wochen Internetabsenz verordnet. Die Kommentare werden erst nach meiner Freischaltung veröffentlicht. Ohne das geht es leider nicht, sonst kommt einfach zuviel Spam (trotz Abwehrprogramm) auf die Seite und so einiges möchte ich niemandem zumuten.

      Vielen Dank für die offene Beschreibung deiner Situation. Ich möchte dir ganz viel Mut und Durchhaltevermögen „rüberschieben“. Meine Hochachtung für deine Tapferkeit angesichts deiner Gefühle hast du. Ich drücke für dich ganz fest die Daumen, dass D-MER in deinem Fall immer weniger stark auftritt und bald ganz verschwunden sein wird.

      Antworten

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