Blutzirkulation während normaler Wehen und bei Hyperstimulation


Wer schon immer mal wissen wollte, wie  die Versorgung des Fetus mit Sauerstoff und Nährstoffen aussieht, kann sich mit Hilfe dieser Videos schlau machen. Im ersten wird die Blutzirkulation zwischen Mutter und Baby visualisiert, im zweiten die Blutzirkulation während normaler Wehen und im 3. Video die Blutzirkulation bei einer Überstimulation.

1. Blutzirkulation zwischen Mutter und Baby

->  Sauerstoffreiches Blut transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zur Plazenta und durch die Nabelschnur hindurch zum Baby

<-  Sauerstoffarmes Blut transportiert Kohlendioxid und Abfallstoffe durch die Nabelschnur hindurch zur Plazenta und zur Mutter

2. Blutzirkulation während normaler Wehen

Während der Wehen zieht sich der Uterus (Gebärmutter) zusammen, um die Cervix (Muttermund) zu öffnen und das Kind herauszuschieben.

o  Sauerstoff                                   o Kohlendioxid

Bei jeder Kontraktion wird die Blutzufuhr und  der Sauerstofftransport zur Plazenta (Mutterkuchen) reduziert und damit ebenfalls deren Verfügbarkeit  für das Baby erschwert. Wenn sich der Uterus in den Wehenpausen dann entspannt, normalisiert sich der Sauerstofftransport wieder.

____ Wehendruck, ____Blutdurchfluß im Uterus %, ____Hirndruck, ____Blutdurchfluß im Baby %,____Blutdruck im Baby

Ein gesundes Baby kann dies tolerieren, wie auch ein Erwachsener kurz die Luft anhalten kann. In den Wehenpausen wird dies kompensiert. In jeder Wehen steigt der Hirndruck des Babys. Diese Drucksteigerung würde normalerweise die Blutzufuhr zum Gehirn des Babys reduzieren, aber der Druckanstieg im Gehirn wird durch eine allgemeine Blutdrucksteigerung des Babys kompensiert und damit die Versorgung der Gehirnzellen sichergestellt. Bei normalen Wehen werden die Hirnzellen nicht geschädigt.

Jede Wehe kann gemessen und abgebildet werden. Ein normales Wehenmuster weist weniger als 6 Kontraktionen in 10 Minuten auf. Die Wehen dauern kürzer als 90 Sek. und zwischen den Wehen gibt es eine Pause von mindestens 1 Minute.

3. Blutzirkulation während einer Überstimulation

Wenn die Wehen zu schnell hinter einander kommen oder zu lange dauern, so nennt man dies eine Überstimulation (Wehensturm). Eine Überstimulation reduziert die Zeit der Entspannung und dadurch wird das Angebot an Sauerstoff für das Baby reduziert. Eine Überstimulation kann natürlich ausgelöst sein, oder auch die Folge  einer  Pitocingabe (künstl. Oxitocin), zur Steigerung der Wehenstärke, sein.

Wie Geschäftemacherei und Elternangst Babys Blut raubt


Alle werdenden Väter und Mütter kennen Vita 34. Kaum eine Elternzeitschrift oder ein Gynäkologen Zimmer ohne Werbebotschaften dieser  privaten Nabelschnurblutbank. Meine Meinung dazu, könnt ihr auf meiner Seite Nabelschnur – Stammzellspende oder Auspulsieren nachlesen (oben anklicken).

Nun widmet sich ein Artikel von Spiegelonline vom 27.12.11 der Frage, ob Vita 34 bei den Heilsversprechen in ihren Anzeigen immer  bei der Wahrheit bleibt. Hier könnt ihr ihn nachlesen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,804843,00.html

Sofortiges Abnabeln der Neugeborenen begünstigt späteren Eisenmangel


Schon wieder wurde eine Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass das sofortige Abnabeln nach der Geburt, für Babys langfristige Nachteile für die Entwicklung mit sich bringen kann. Hier der Titel der Studie, einfach anklicken, um sie zu lesen:

http://www.bmj.com/content/343/bmj.d7157

In einem schwedischen Krankenhaus wurden 400 Babys untersucht. Sie waren alle voll ausgetragen und die Schwangerschaften waren als risikoarm eingestuft worden. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Babys in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen wurden sofort nach der Geburt abgenabelt (≤10 Sekunden), die anderen erst  mindestens 180 Sekunden nach der Geburt.

4 Monate nach der Geburt wurde dann von allen der Hämoglobin- und  Eisenstatus ermittelt. Ebenfalls notiert worden waren, ob Fälle von Neugeborenenanämie, frühe Atemprobleme oder Polyzythämie aufgetreten waren und ob Phototherapie wegen einem Ikterus notwendig geworden war.

Ergebnisse

Im Alter von 4 Monaten war bei Babys, die sofort abgenabelt worden waren, die gemessene Ferritin Konzentration  niedriger und es trat häufiger eine Eisenarmut auf (6% v 1%).  Im Alter von nur 2 Tagen war  bei dieser Gruppe auch häufiger eine Neugeborenenanämie aufgetreten (6.3%  1.2% ). Bezüglich  früher Atemprobleme, Polyzythämie oder  notwendig gewordener Phototherapie konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.

Zusammenfassung

Wird das Abnabeln, 3 Minuten nach der Geburt, und sofortiges Abnabeln miteinander verglichen, dann kann festgestellt werden, dass bei einem späteren Abnabeln, 4 Monate nach der Geburt bessere Eisenwerte erwartet werden können. Das Auftreten von Neugeborenen Anämie tritt dann ebenfalls seltener auf, ohne dass andere schädigende Effekte (damit ist der Ikterus der Neugeborenen gemeint) auftreten. Eisenmangel, auch ohne dass er sich als Anämie manifestiert, wird mit Entwicklungsverzögerungen assoziiert. Voll ausgetragene Babys scheinen vom  späteren Abnabeln zu profitieren und zwar auch in Gegenden in denen einen Eisenanämie  relativ selten auftritt.


Wieviel Blut verliert das Neugeborene beim vorzeitigen Abnabeln


Von Penny Simkin, der „Mutter“ aller Doulas bekam ich heute eine Email, in der sie  ihr neues Video, über das vorzeitige Abnabeln und den dadurch verursachten Blutverlust eines durchschnittlichen Neugeborenen, vorstellt.

 

Das Video ist natürlich englisch, aber gut verständlich, wenn man weiß, dass die erste Flasche das gesamte Blut (Baby, Nabelschnur, Plazenta) darstellt, die zweite Flasche das Blut im Baby und die dritte Flasche das Blut in Nabelschnur und Plazenta.

Kaiserschnitt – Es geht auch anders!


Bitte nicht falsch verstehen: Dieser Blogbeitrag soll nicht als Werbung für den Kaiserschnitt verstanden werden. Kaiserschnitte sind nur dann sinnvoll, wenn sie aus medizinischen Gründen notwendig sind (siehe Blogbeitrag: Ist ein Kaiserschnitt sicherer). Bei der derzeitigen Kaiserschnittrate über 30% sind  in Deutschland die Geburtshelfer wohl weit davon entfernt, medizinisch notwendige, von nicht notwendigen, wirklich unterscheiden zu können. Kein Zweifel, Kaiserschnitte sind größere Bauch OPs, aber sie sind noch mehr, sie sind der Augenblick, in dem ein Baby, eine Familie neu geboren wird und dem wird der normale Ablauf des Kaiserschnitts nicht gerecht. Dies ist auch vielen an Geburten beteiligten Ärzten bewusst, aber es ist nicht einfach für sie, sich das einzugestehen und dann tatsächlich den Schritt zum Ändern dieser OP-Methde zu machen, denn dies ist mit vielen Hürden verbunden. Es gibt jedoch Geburtshelfer, die diesen Schritt wagen. In der Times vom 4.4.2009 gab es einen, im Folgenden übersetzt und zusammengefasst, Artikel dazu:

The new „natural“ Caesarean – Der neue „Natürliche“ Kaiserschnitt

Professor Fisk und 2 Kollegen, Dr Felicity Plaat (Anästhesistin) und Jenny Smith (Hebamme) am Queen Charlotte’s Hospital in London wunderten sich, dass viel  an dem Management natürlicher Geburten in den  Krankenhäusern verändert wird, um sich neuen Erkenntnissen anzupassen, gleichzeitig aber die Durchführung des Kaiserschnitts noch voller alter Operations-Rituale steckt. So wird z. B. manchmal das Baby vom Operateur, wie ein Tumor, aus dem Bauch gezogen und kommt  erst in die Hände verschiedener medizinischer Mitarbeiter, bevor es endlich zur Mutter kommt. Diese Vorgehensweise wollten sie unbedingt ändern.
Ihre Verbesserungsvorschläge konzentrieren sich auf 3 Bereiche:
  1. Die Eltern werden mit einbezogen: z.B. wird das Tuch zwischen dem Kopf der Mutter und dem Bauch so weit entfernt, dass die Mutter das Geborenwerden des Kopfes und dann des ganzen Kindes sehen kann. Die Mutter kann selbst feststellen, welches Geschlecht ihr Baby hat. Der Vater kann selbst zum zweiten Durchtrennen der Nabelschnur die Schere ansetzen.
  2. Das Baby wird langsam geboren: Durch das langsame Herausbringen des Babys wird dessen Lunge  für eine längere Zeit,  und unterstützt von der Uteruskontraktion und den Bewegungen des Babys, stark gedrückt. Damit wird viel von der atmungshemmenden Lungenflüssigkeit herausgepresst. Es wird nicht vorzeitig Abgenabelt, sondern  physiologisch, d. h.,  die Nabelschnur wird erst durchtrennt, wenn sie nicht mehr pulsiert, sie versorgt so das Baby noch mit Sauerstoff, so dass das Baby genügend Zeit hat, selbst zu Atmen, wie bei einer natürlichen Geburt. Das Neugeborene braucht so seltener eine äußere Hilfe zum atmen und Atemprobleme sind eine der häufigeren Nebenwirkungen beim üblichen Kaiserschnitt. (siehe Blogbeitrag: Lasst die Nabelschnur in Ruhe – die Schere kann warten!)
  3. Das Neugeborene kommt sofort zur Mutter. Wie wichtig der erste Kontakt, Haut auf Haut, zwischen Mutter und Kind für das Bonding ist, ist inzwischen überall  anerkannt. Bei Kaiserschnittgeburten wird jedoch nur selten darauf Rücksicht genommen. Nimmt man jedoch einige Änderungen an der „Verkabelung“ der Mutter vor, ist es problemlos möglich. Hilfreich ist auch eine Anpassung der Anästhesie – die Arme sollten nur wenig von der Gefühllosigkeit betroffen sein. Notwendig ist dabei eine engagierte Hebamme. Es geht nicht darum das Baby einfach nur auf Mama zu legen und dann Formulare auszufüllen, sondern die Hebamme muss dabei bleiben und sich rücksichtsvoll um das Mutter-Kind-Paar  kümmern.
Leider ist diese neue Art des Kaiserschnitts nicht bei allen Kaiserschnitten (Frühgeburten, Beckenendlagen, Notlagen) möglich. Sie ist nicht die selbe wie der sogenannte „Sanfte Kaiserschnitt“. Das Sanfte im Sanften Kaiserschnitt ist nur, dass weniger mit der Schere geschnitten wird, sondern mehr mit den Händen gerissen wird. Der neue „natural“ Kaiserschnitt ist in vielen Krankenhäusern noch unbekannt. Man kann aber im Vorgespräch seine Vorstellungen und Wünsche gegenüber dem Ärzteteam äußern und mit ihnen darüber diskutieren. Vielleicht gehen sie nur zu gerne darauf ein:

Zutaten zum „natural“ Kaiserschnitt:

  • Musik nach Elternwunsch, Papa (oder anderer Begleiter) darf fotografieren.
  • Betäubung, die die Armbewegung nicht beeinträchtigt.
  • Die Abtrennung wird bei der Geburt des Kindes soweit entfernt, dass die Mutter das Baby sehen kann.
  • Die Mutter kann selbst sehen, welches Geschlecht ihr Kind hat und sagt es auch als Erste.
  • Das Baby kommt sofort zur Mutter. Die Hebamme unterstützt dabei die Mutter (deckt  z. B. beide zusammen zu).
  • Der Vater darf das zweite Durchtrennen der Nabelschnur, während das Kind auf der Mutter liegt, selbst machen.

Video

Seht euch auch das  Video dazu an. Es ist zwar in englischer Sprache, aber vieles erklärt sich selbst.

 

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Wem gehören sie? Teil 2


Wieviel Blut verliert ein Neugeborenes durch eine Stammzellenspende?

Oder vielleicht besser:

Baby trifft Vampir! – Was dann geschah.

Um ein  Gefühl dafür zu bekommen, um welche Mengen es sich beim vorzeitigen Abnabeln der Nabelschnur handelt, ist  nicht so sehr die absolute Blutmenge ausschlaggebend, sondern das Verhältnis, in dem diese zur gesamten Blutmenge des Neugeborenen steht. Durch das für die Stammzellenspende notwendige vorzeitige Abnabeln verliert das Neugeborene eine erhebliche Menge seines Blutes –  30 bis 40%. Vielleicht, so kann man sich fragen, braucht das Baby dieses Blut ja überhaupt nicht? Vorher war  doch dieses Blut in der Plazenta oder in der Nabelschnur unterwegs, da ist es doch nur natürlich, dass es nach der Geburt nicht mehr nötig ist, oder? Bei dieser Betrachtungsweise wird vergessen, dass die Lunge vor der Geburt in seiner Atmungsfunktion nicht gebraucht wird und daher nur eine kleine Blutmenge in der Lunge zirkuliert. Nach der Geburt sieht dies anders aus. Nun muss die Lunge arbeiten. Dazu müssen sich die Lngenbläschen weiten und dafür ist eine viel größere Blutmenge als zuvor notwendig. Dieses Blut kommt aus der Plazenta und der Nabelschnur. Fehlt dieses aufgrund des vorzeitigen Abnabelns, wird das zum normalen Arbeiten der Lunge notwendige Blut aus den anderen Organen abgezogen, auch vom Gehirn und der Leber. Es kommt zu starkem Druckabfall in den  Blutgefäßen und es stehen viel weniger rote Blutkörperchen zur Sauerstoffversorgung, aber auch andere Blutbestandteile, wie z. B. T-Helfer Zellen (gegen Krebs) und Stammzellen zur Verfügung. Und dies wenige Sekunden nach der Geburt, in einem besonders sensiblen Zeitabschnitt im Leben eines Menschens, im Moment einer grundlegenden Umstellung der Sauerstoffversorgung und des Stoffwechsels.  Alles das, was vorher die Plazenta geleistet hatte, muss nun vom Körper des Neugeborenen alleine geschafft werden.

Man stelle sich nur vor,  jemand käme ein paar Stunden nach einer Geburt mit physiologischen Bluttransfer auf die Idee, dem Baby auch nur 20% seines Blutes abzunehmen. Er würde für verrückt erklärt werden.

Für was braucht denn das Baby diese Stammzellen?

Für was werden denn eigentlich Stammzellen benötigt, was machen sie? Hier ein Link zu  Stammzellen und  ein Link konkret  zu Stammzellen aus dem Nabelschnurblut (neonatale Stammzellen)aus Wikipedia.

Stammzellen haben wirklich ein großes Potential, insbesondere die multipotenten Stammzellen aus der Nabelschnur. Die Konzentration an Stammzellen im Blut des Neugeborenen ist höher als bei Erwachsenen. Bei Frühgeborenen ist sie sogar noch höher. Bei vorzeitigem Abnabeln verliert das Baby Millionen von wertvollen Stammzellen. Ich frage mich nun, wie man auf die Idee kommen kann, dass diese „Super“zellen im Nabelschnurblut, für die kurz- und langfristige Gesundheit des Babys nicht wichtig sind und zwar von Anfang an und nicht erst im Krankheitsfall, kryokonserviert und Jahre später. Wie häufig, oder besser gesagt, wie selten autologe Nabelschnurblutspenden sind, zeigt sich an folgenden Zahlen. Laut ARD online vom 08.03.2011 wurden inzwischen bei Vita 34 (einem großen privaten Unternehmen) bis Ende 2010   11.038 Nabelschnurblutpräparate eingelagert. Die Erlöse kletterten laut vorläufiger Zahlen auf 17,0 Millionen. Inzwischen wurden seit Beginn der Einlagerung 15 Kinder behandelt. (Weltweit insgesamt 130, über den Erfolg der Behandlung gab es leider keine Angaben.) Sollten denn diese Stammzellen nicht gleich nach der Geburt „Gutes“ im Körper des Kindes tun?

Diese Frage stellen sich auch einige andere, so zum Beispiel auch Dr. Judith Mercer,  Professorin an der University of Rhode Island.  Sie forscht schon seit vielen Jahren  zum Thema „delayed cord clamping“ (späteres Abnabeln) und kommt zum Ergebnis, dass das Nabelschnurblut mitsamt der Stammzellen in das Baby gehört, dass also, im Regelfall, nicht vorzeitig abgenabelt werden darf.   Ihre Meinung dazu, kann man in diesem Podcast (leider auf englisch) hören.

Stammzellen sind von Anfang an am weiteren Aufbau des kindlichen Körpers beteiligt, reparieren im Lebensprozess entstehende Schädigungen. In Tierversuchen konnte festgestellt werden, dass sie Gewebeschäden des Herzens, der Leber,  der Lunge, von Muskeln, von Blutgefäßen und auch des Gehirns beseitigen können. In einer Studie an gerade geborenen, absichtlich mit Sauerstoff unterversorgten Ratten konnte sogar nachgewiesen werden, dass eine Injektion mit menschlichen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, 24 Stunden nach der Schädigung, eine ansonsten zu erwartende, spastische Lähmung heilen konnte ( siehe hier).

Bisher wurde noch nie untersucht, welche Folgen das Entziehen der Stammzellen des Nabelschnurblutes durch vorzeitiges Abnabeln für das Neugeborene hat. Es gibt keinen Nachweis, dass das Nabelschnurblut und seine Inhaltsstoffe für das Baby „Müll“ sind. Gleichzeitig zementiert die Behauptung „Stammzellengewinnung aus dem Nabelschnurblut ist eine Lebensversicherung“, oder “ ist die Umwandlung von Abfall in ein Heilmittel“ die falsche Vorgehensweise des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur. Aber, bevor solch ein Nachweis der Unschädlichkeit der Nabelschnurblutspende erbracht wurde, gilt meiner Meinung nach:

Wem gehören die Stammzellen? – Dem Baby – und zwar im Baby!

Nein, zum Vampirunwesen im Kreissaal!

Was ist eure Meinung dazu?

Die Stammzellenspende von Erwachsenen

Die Nabelschnurspende sollte, wie auch das vorzeitige Durchtrennen der Nabelschnur, die begründete Ausnahme sein. Für die Stammzellenspende von Erwachsenen sieht die Bilanz meines Erachtens ganz anders aus. In Deutschland ist die DKMS die öffentliche Institution für die Knochenmarkspende. Sie hat eine sehr gute und informative Webseite klicke hier. Leider ist diese bezüglich der Nabelschnurspende fehlerhaft und behauptet mehrfach, dass die Nabelschnur incl. Blut nach der Geburt völlig wertlos für das Neugeborene ist. Dass dies von privaten, an Profit orientierten Firmen, so beschrieben wird, erwarte ich nicht anders. Doch ich finde es sehr traurig, wie die Problematik des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur, von einer an Gesundheit interessierten Organisation übersehen wird. Gerade das Wissen um die „Super“kräfte der Stammzellen, sollte für einen physiologischen Umgang mit dem Nabelschnurblut bei der Geburt sensibilisieren. Meines Erachtens hätte nicht ein Spendenaufruf um Nabelschnurblut erfolgen dürfen, sondern die Forderung an Geburtshelfer, die Nabelschnur frühestens nach dem Ende des physiologischen Bluttransfers zu durchtrennen, wäre das Richtige gewesen.

Übrigens, ich bin bei der DKMS als möglicher Spender registriert. Knochenmarkspender darf man erst ab 18 werden. Es ist eine freie, persönliche Entscheidung. Von einem potentiellen Spender braucht die DKMS nur eine Gewebeprobe, entweder durch Wangenabstrich (tut überhaupt nicht weh) oder Blutabnahme. Erst im Falle eines tatsächlichen Bedarfs wird näher untersucht und es kann nach einem positiven Ergebnis zu einer Spende kommen. Es werden also meinem Körper nicht ins Blaue hinein die wertvollen Stammzellen entzogen, ohne dass ich dazu gefragt werde, sondern nur, wenn tatsächlich einem anderen Menschen konkret geholfen werden kann und ich diesem zustimme. Diese Vorgehensweise unterstütze ich gerne!

Siehe auch Teil 1: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Lebensretter aus „Müll“?

Siehe auch: Lasst die Nabelschnur in Ruhe – Die Schere kann warten!

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut – Lebensretter aus „Müll“? Teil 1


Es hört sich so gut an: „Stammzellen – die Lebensvorsorge aus dem Nabelschnurblut“.  So oder so ähnlich klingen die Werbesprüche kommerzieller Nabelschnurblutbanken. „Zum Helden geboren,“ ist der entsprechende Satz der gemeinnützigen DKMS (=Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH). Werdende Eltern lesen solche Anzeigen bestimmt einige Male vor der Geburt und denken natürlich darüber nach, ob sie nicht irgendwie verpflichtet sind, ihrem Kind diese Lebensversicherung zu bezahlen (beim privaten Anbieter) und Nabelschnurblut einfrieren lassen. Oder, ob sie nicht aus dem Gefühl einer Dankbarkeit oder des Helfenwollens heraus,  das Nabelschnurblut  spenden sollten.

Das Nabelschnurblut wird in den Werbebotschaften als für das Neugeborene nicht notwendig erachtet. Bei der DKMS findet sich sogar der Satz: „Bisher landet in deutschen Geburtskliniken in rund 97 Prozent der Fälle die Nabelschnur neugeborener Babys im Müll. Ein mehr als bedauernswerter Zustand und Verschwendung lebensrettenden Potenzials“ (siehe:  http://www.dkms.de/aerzte/news-uebersicht/news-detailansicht/article/kleine-helden-auf-der-erfolgsspur/index.html? tx_ttnews%5BbackPid%5D=21&cHash=a961a218ce)

Bei den privaten Anbietern sieht das nicht anders aus. Entweder wird dieser Aspekt überhaupt nicht betrachtet, oder das Nabelschnurblut wird als das Blut beschrieben, das bei der Geburt in der Plazenta verbleibt und daher zum Abfallprodukt würde, wenn es nicht zur Stammzellgewinnung genutzt wird.

Ist Nabelschnurblut  Müll oder ein Abfallprodukt?

Die Blutmenge in der Plazenta und der Nabelschnur nach der Geburt hängt davon ab, ob vorzeitig abgenabelt wurde, oder die Nabelschnur erst nach dem Auspulsieren und damit dem Ende des physiologischen Bluttransfers,  durchtrennt wurde. Für eine sinnvolle Stammzellgewinnung ist das vorzeitige Durchtrennen der Nabelschnur notwendig. Physiologischer Bluttransfer und Stammzellgewinnung schließen einander aus! Die Vorstellung, dem Baby nur ein wenig Blut für die Stammzellgewinnung wegzunehmen, klappt nicht, denn ein großer Nachteil der Transfusion von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ist die geringe Anzahl der Stammzellen in dieser. Deshalb reichen sie in der Regel  nur für ein max. 40 kg schweres Kind. Für einen Erwachsenen werden die Stammzellen aus der Nabelschnur mehrerer Neugeborener benötigt.

Nabelschnurblut als Müll oder Abfallprodukt entsteht nur in ausreichender Menge, wenn vorzeitig abgenabelt wurde. Unterbleibt eine vorzeitige Durchtrennung der Nabelschnur, ist  eine  Gewinnung  ausreichender Stammzellmengen nicht möglich.

Warum wird vorzeitig abgenabelt?

Das ist wirklich eine gute Frage. Es gibt eine riesige Menge an Studien, welche die kurz- und langfristigen Nachteile des vorzeitigen Durchtrennens der Nabelschnur für das Neugeborene belegen, aber irgendwie scheint der schnelle Schnitt für Geburtshelfer ungemein attraktiv zu sein. Wir haben einfach eine Kultur des „Je Schneller desto  Besser“; „Zeit ist Geld“; „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf ..“..Auch wird manchmal angenommen, dass das viele Blut das Neugeborene schädigen könnte, aber diese Meinung ist, Spezialfälle ausgenommen, inzwischen widerlegt (siehe nochmal die Videos des vorletzten Blogbeitrags).

Folgen des vorzeitigen Abnabelns

Ich glaube wirklich nicht, das diese Eile böse Absicht ist, aber sie hat leider negative Auswirkungen. Ich möchte  (nur  eine kleine Auswahl) dafür auf meinen vorletzten Blogbeitrag mit den Videos von Dr Fogelson verweisen, siehe auch hier und hier und  hier und

Mercer, J., B. Vohr and W. Oh. „Delayed Cord Clamping in Very Low Birthweight  Infants Reduces the Incidence of Intraventricular Hemmorhage and Late Onset Sepsis (Abstract).“ Pediatric  Research. 58(2):395. August 2005.(html)

Mercer, JS, Vohr, BR, Erickson-Owens, DA, Padbury, JF, Oh, W, (2010),
Seven-month developmental outcomes of very low birth weight infants enrolled
in a randomized controlled trial of delayed versus immediate cord clamping. J
Perinatol. 30(1), 11-16. (pdf)

Es folgt Teil 2

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut- wem gehören sie?

Lasst die Nabelschnur in Ruhe – Die Schere kann warten!


In diesen (leider englischen) Vorträgen erläutert Dr. Fogelson Ergebnisse neuerer und älterer Studien zum Durchtrennen der Nabelschnur. Der Zeitpunkt des Durchtrennens der Nabelschnur hat messbare Folgen für die Neugeborenen. Dr. Fogelson kommt angesichts der Vielzahl negativer Folgen eines sofortigen Durchtrennens zum Ergebnis, dass die Nabelschnur nach der Geburt  intakt gelassen werden sollte. Ein späteres Durchtrennen ist vorzuziehen.

Videos von Dr. Fogelson über die Vorteile des späten Durchtrennens der Nabelschnur

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