Blutzirkulation während normaler Wehen und bei Hyperstimulation


Wer schon immer mal wissen wollte, wie  die Versorgung des Fetus mit Sauerstoff und Nährstoffen aussieht, kann sich mit Hilfe dieser Videos schlau machen. Im ersten wird die Blutzirkulation zwischen Mutter und Baby visualisiert, im zweiten die Blutzirkulation während normaler Wehen und im 3. Video die Blutzirkulation bei einer Überstimulation.

1. Blutzirkulation zwischen Mutter und Baby

->  Sauerstoffreiches Blut transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zur Plazenta und durch die Nabelschnur hindurch zum Baby

<-  Sauerstoffarmes Blut transportiert Kohlendioxid und Abfallstoffe durch die Nabelschnur hindurch zur Plazenta und zur Mutter

2. Blutzirkulation während normaler Wehen

Während der Wehen zieht sich der Uterus (Gebärmutter) zusammen, um die Cervix (Muttermund) zu öffnen und das Kind herauszuschieben.

o  Sauerstoff                                   o Kohlendioxid

Bei jeder Kontraktion wird die Blutzufuhr und  der Sauerstofftransport zur Plazenta (Mutterkuchen) reduziert und damit ebenfalls deren Verfügbarkeit  für das Baby erschwert. Wenn sich der Uterus in den Wehenpausen dann entspannt, normalisiert sich der Sauerstofftransport wieder.

____ Wehendruck, ____Blutdurchfluß im Uterus %, ____Hirndruck, ____Blutdurchfluß im Baby %,____Blutdruck im Baby

Ein gesundes Baby kann dies tolerieren, wie auch ein Erwachsener kurz die Luft anhalten kann. In den Wehenpausen wird dies kompensiert. In jeder Wehen steigt der Hirndruck des Babys. Diese Drucksteigerung würde normalerweise die Blutzufuhr zum Gehirn des Babys reduzieren, aber der Druckanstieg im Gehirn wird durch eine allgemeine Blutdrucksteigerung des Babys kompensiert und damit die Versorgung der Gehirnzellen sichergestellt. Bei normalen Wehen werden die Hirnzellen nicht geschädigt.

Jede Wehe kann gemessen und abgebildet werden. Ein normales Wehenmuster weist weniger als 6 Kontraktionen in 10 Minuten auf. Die Wehen dauern kürzer als 90 Sek. und zwischen den Wehen gibt es eine Pause von mindestens 1 Minute.

3. Blutzirkulation während einer Überstimulation

Wenn die Wehen zu schnell hinter einander kommen oder zu lange dauern, so nennt man dies eine Überstimulation (Wehensturm). Eine Überstimulation reduziert die Zeit der Entspannung und dadurch wird das Angebot an Sauerstoff für das Baby reduziert. Eine Überstimulation kann natürlich ausgelöst sein, oder auch die Folge  einer  Pitocingabe (künstl. Oxitocin), zur Steigerung der Wehenstärke, sein.

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Wie öffnet sich der Muttermund? & „Vorzeitiges Pressen“


Nicht schon wieder ein Blogbeitrag über den Muttermund (Cervix/Zervix) – oder doch? Von midwifethinking gab es am  January 22, 2011 einen Superpost über die Öffnung der Zervix, den ich hier übersetzt wiedergeben möchte:. midwifethinking,  January 22, 2011, schreibt folgendes:

„…..Immer wieder wird mir von folgendem Geburtsszenario berichtet: Es scheint alles gut zu gehen in der Geburt. Die Wehen kommen und gehen und nun beginnt die Mutter aus eigenem Gefühl heraus zu pressen. Die Hebamme bestärkt sie darin ihrem Körper zu folgen. Ein bischen später, der Hebamme dauert es etwas zu lange, „checkt“ die Hebamme was denn so los ist, und findet noch eine vordere Lippe der Zervix   (Labium anterius) vor. Daraufhin wird der Gebärenden verboten weiter zu pressen, denn der Muttermund ist noch nicht vollständig eröffnet und sie würde sich selbst schaden, wenn sie weiter pressen würde.  Ihr Körper lügt sie sozusagen an – es ist noch nicht Zeit zum pressen – obwohl es sich so anfühlt. Die Mutter wird ganz durcheinander und ängstlich. Sie kann einfach nicht aufhören zu pressen, egal wie stark sie gegen ihren Körper ankämpft. Durch diesen Kampf nehmen die Wehenschmerzen zu. Eventuell wird ihr nun eine PDA angeboten. Mit der PDA spürt sie nun nichts mehr und damit ist auch der Pressdrang weg. Bei der nächsten vaginalen Untersuchung kann keine Muttermundslippe mehr gefunden werden – die Mutter darf nun pressen. Es fehlt ihr nun aber das Gefühl dazu, deshalb muss sie angeleitet werden. Das klappt aber nicht so gut und deshalb kommt es nun zu einer vaginalen OP (Saugglocke oder Zange) als Folge der PDA  (angeleitetes Valsalva-Pressen =>Fetal Distress; fehlender  Geburtsfortschritt; ungünstige Lage des Babys aufgrund der Rückenlage der Mutter und dem schwachen Tonus des Beckenbodens). Die Mutter verbindet mit dieser Geburt für immer, dass ihr Körper sie in Stich gelassen hat, dass ihr Baby gerettet werden musste. Sie weiß nicht, dass die Hebamme, das Krankenhaussystem sie in Stich gelassen hat. Bevor irgendjemand sich angegriffen fühlt – ich will hier nicht einzelne beschuldigen, denn ich selbst war diese Hebamme gewesen. Wie den meisten Hebammen auch, wurde mir gelehrt, dass mit dem Pressen gewartet werden muss, bis der Muttermund vollständig eröffnet ist. Dieser Post ist mein Versuch, ein Nachdenken über diesen Aspekt anzuregen.

Anatomie und Physiologie

Eine Geburt ist ein extrem komplexer physiologischer Prozess, sehr vereinfacht passieren folgende 3 Dinge:

  1. Öffnung der Cervix (=Muttermund)
  2. Drehen des Babys im Becken
  3. Tiefertreten des Babys durch das Becken hindurch

Aber das passiert nicht hintereinander, sondern gleichzeitig zu verschiedenen und unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Während sich die Cervix öffnet, dreht sich das Baby und wandert tiefer.

1. Öffnung der Cervix

Die Cervix öffnet sich nicht so nett und gleichmäßig rund wie sie in der Geburtsheilkunde abgebildet wird  (Sutton 2001). Sie öffnet sich von hinten nach vorne, ähnlich einer Ellipse. Die Öffnung (Os) befindet sich am Anfang der Geburt erst im hinteren Bereich der Vagina und öffnet sich nach vorne. Deshalb hat in jeder Geburt die Gebärende  zu irgend einem Zeitpunkt eine vordere Muttermundslippe, denn dies ist der letzte Teil, der über den Babykopf gezogen wird. Ob diese Lippen entdeckt wird oder nicht, hängt davon ab , ob und wann eine vaginale Untersuchung gemacht wird. Eine hintere Muttermundslippe kommt nur sehr selten vor, denn dieser Teil der Cervix verschwindet als erstes. Oder, vielleicht sind sie nur sehr schwer zu tasten, da sie weiter hinten liegen würden.

Die Cervix öffnet sich, weil sich die Muskelfasern am Fundus der Gebärmutter (oben) mit den Wehen  zusammenziehen und sich bleibend verkürzen => die Cervix wird aufgezogen.  (Coad 2005). Dazu ist kein Druck vom Babykopf oder Popo notwendig (lasst uns jetzt mal beim Kopf bleiben). Aber, der Kopf  kann die Form der  Cervix beeinflussen.  Zum Beispiel erzeugt ein gut gebeugter Kopf in OA Position  (vordere Hinterhauptslage, siehe Abb.  A) eine eher ordentliche, runde Muttermundsöffnung. Bei einer OP Position (hintere Hinterhauptslage) und/oder ungebeugter Kopf  (siehe Abb B) wird die Form unregelmäßiger sein. Mehr über die  OA und OP Positionen findest du  hier . Die meisten Babys liegen während der Öffnung irgendwo zwischen diesen Extremen und werden dabei ihre Stellung durch Drehbewegungen verändern.

2. Drehung

Die Babys treten ins Becken durch den Beckeneingang ein (siehe Abb. Brim). Wie man im Bild erkennen kann, geht dies leichter, wenn ihr Kopf quer steht. Beim Tiefertreten in die Beckenhöhle (siehe Abb. Cavity)  ist der Kopf  asynklitisch- mit dem Scheitelbein/der Kopfseite führend. Der Winkel des Beckens macht es für das Baby notwendig, dass es sich zum Hindurchkommen ebenfalls abwinkelt (siehe rechte Abb.). Ist das Baby dann in der Beckenhöhle, kann es sich gut in die richtige Position für den Beckenausgang drehen, meist ist dies die vordere Hinterhauptslage (OA). Die Drehung wird durch den Beckenboden und oft durch Pressen unterstützt.

3. Hindurchtreten – Pressdrang

Pressdrang… und ich spreche hier vom spontanen, von tiefen kehligen Tönen begleiteten und nicht zu stoppenden Pressen … wird durch Druck auf das Gewebe des Rektums und den Beckenboden ausgelöst. Dieser Druck stammt natürlich vom tiefertretenden Baby.  Der ausgelöste Reflex heißt  ‘Ferguson Reflex’ – wahrscheinlich nach einem Mann benannt. Der Ferguson Reflex hängt nicht davon ab, was die Cervix gerade tut, sondern vom  Babykopf. Drückt z. B. der Babykopf auf den „richtigen Punkt“, bevor die Cervix vollständig geöffnet ist, dann wird die Mutter spontan zu pressen beginnen. Oder, ein weiteres mögliches häufiges Szenario, der Muttermund ist vollständig eröffnet, aber das Baby ist noch nicht ausreichend tief gerutscht um richtig Druck auszuüben, deswegen wird der Pressdrang noch nicht ausgelöst. Unglücklicherweise wird eine Reihe von Geburtshelfern den Müttern erklären, dass sie nun pressen sollen – damit erzeugen sie evtl. unnötige Probleme – anstatt abzuwarten bis das Baby den Ferguson Reflex auslöst und die Mutter spontan zu pressen beginnt.

Pressen vor der vollständigen Öffnung

Weil wir den Frauen nicht sagen, wenn sie pressen sollen (tun wir´s?!), pressen sie, wenn ihr Körper es ihnen sagt. Wenn wir sie zum Pressen anleiten, riskieren wir, dass wir gegen die Physiologie der Geburt arbeiten und damit Probleme erzeugen (hier ein älterer post von midwifethinking). Spontanes Pressen, vor vollständiger Eröffnung, ist normal und  physiologisch hilfreich wenn:

  1. Babys Kopf schon tiefergetreten ist, bevor der Muttermund vollständig eröffnet ist. In diesem Fall unterstützt die nach unten gerichtete Kraft des Pressens, das Baby beim Hindurchkommen durch den Muttermund.
  2. das Baby in der hinteren Hinterhauptslage ist und der harte, vorangehende  Occiput (Kopfrückseite) auf das Rektum drückt. In einer vorderen Hnterhauptslage drückt die Kopfrückseite gegen das Schambein (Symphysis pubis) und das Baby muss erst tiefertreten, bevor die Stirnseite gegen das Rektum der Mutter drückt. Im Fall der  hinteren Hinterhauptslage trägt das Pressen zur Rotation des Babys in die vordere Hinterhauptslage bei.

Ich suche noch nach Beweisen, dass das Pressen gegen eine noch nicht vollständig geöffnete Cervix Schäden anrichtet. Das das so ist, wurde mir schon oft erzählt, aber ich habe es noch niemals selbst gesehen. Mir sind schon geschwollene ödematose Cervixes  begegnet – meistens bei Frauen die sich aufgrund einer PDA nicht bewegen konnten. Aber dies war schon aufgetreten bevor die Frauen zu Pressen begannen. Ich kann verstehen, wie  angeleitetes, starkes Pressen eine Cervix verletzen kann, aber ich kann nicht erkennen, wie eine Frau sich selbst verletzen könnte, wenn sie dem Pressdrang nachgibt.  Argumente für oder gegen das Pressen sind kaum stichhaltig, denn ist der Ferguson Reflex ausgelöst, ist er nicht kontrollierbar. Entweder läst es der Geburtshelfer zu, oder er verlangt etwas von der Gebärenden, das sie nicht kontrollieren kann, in diesem Fall, den Pressdrang vollständig zu unterdrücken.

Manchmal berichtet eine Mutter von Schmerzen, die ihre Ursache darin haben, dass eine Muttermundslippe zwischen dem Schambein und dem Babykopf eingeklemmt wurde. Dann sollte die Frau eine Position einnehmen, die den Druck von der Muttermundslippe wegnimmt ( hier: nach hinten lehnen). Wird die Geburt nicht gestört, nehmen die Gebärenden dann diese Stellung instinktiv ein.  Kürzlich, bei einer Wassergeburt, war die Mutter (Erstgebärende) bei den Presswehen erst im Vierfüßlerstand und dann legte sie sich auf den Rücken und ließ sich vom Wasser tragen. Etwas später bat sie mich nach zu fühlen, wo sich ihr Baby denn nun befände (sie bat mich, nicht umgekehrt) – das Baby war schon nah am Ausgang, mit einer dicken, weichen vorderen Muttermundslippe vor dem Kopf. Die Mutter tastete ebenfalls nach dem Baby und macht dann mit dem Pressen weiter. Ihre Tochter wurde 30 Minuten später geboren.

Vorschläge

Vermeide vaginale Untersuchungen während der Geburt. Was du nicht weißt (da ist eine Muttermundslippe) kann dir oder anderen nicht wehtun. Vaginale Untersuchungen sind unzuverlässig, wenn es darum geht den Geburtsfortschritt festzustellen. Und die Zeitbeschränkungen, die für die Geburten angegeben werden, basieren nicht auf Evidenzen (siehe diesen  post).

Ignoriere das Pressen und vermeide das Wort „Pressen“ während der Geburt. Fragen zu stellen oder Befehle zu erteilen, stören die Instinkte der Gebärenden. Ein Beispiel: wird die Frage gestellt, „Presst du?“, kann das Ergebnis haben, dass sich die Mutter fragt …..“Presse ich? Sollte ich? Sollte ich nicht?….“ Nachdenken und sich sorgen ist ein Hemmnis beim Freisetzen von Oxytocin und damit ein Geburtshindernis. Wenn sie presst, so lass sie und sei leise. Mehr zum Pressen allgemein und einen Link zum Hören von Gloria Lemay, findet ihr hier.

Sage der Gebärenden nicht, dass sie aufhören soll. Wenn sie spontan presst (und du hast sie nicht vorher angeleitet), dann wird sie den Pressdrang nicht vollständig stoppen können. Das Pressen wird die Geburt nicht verhindern. Ihr zu sagen, dass sie nicht pressen darf, entmündigt sie und unterstellt, dass ihr Körper das Falsche tut. Eine weitere Folge davon kann sein, dass sie, wenn ihr später erlaubt wird zu Pressen, kaum mehr in der Lage ist ihrem Körper zu folgen (Bergstrom 1997).

Wenn eine Frau einige Zeit presst und von großen Schmerzen spricht (normaler Weise oberhalb des Schambeins), dann könnt es sein, dass sie eine eingeklemmte Muttermundslippe hat. Solange sie es nicht wünscht, ist keine vaginale Untersuchung notwendig. Falls du weißt oder annimmst, dass es sich um eine eingeklemmte Muttermundslippe handelt dann:

  • Versichere ihr, dass sie große Fortschritte gemacht hat und nur noch wenig mehr arbeiten muss.
  • Bitte sie zu tun, was ihr Körper ihr sagt, aber zwinge sie nicht zum Pressen.
  • Hilf ihr dabei, eine Position einzunehmen, durch die der Druck von der Muttermundslippe genommen wird und die sich für die Gebärende angenehm anfühlt – meist ist dies eine zurückgelehnte Haltung.
  • Wenn die Situation sich nicht verändert und der Frau zu große Probleme bereitet – dann drücke (fest und  gleichmäßig) während einer Wehe auf die Stelle gerade oberhalb des Schambeins und zwar nach oben gerichtet. Dabei soll der Muttermund nach oben gezogen werden.
  • Wenn die Mutter mehr Unterstützung möchte, dann kann die Muttermundslippe auch von innen, mit der Hand, über den Babykopf geschoben werden. Dies ist aber sehr unangenehm für die Mutter!

Bemerkung: Die Situation mit eingeklemmter Muttermundslippe kommt nur sehr selten vor. Meistens macht eine Muttermundslippe keine weiteren Probleme.

Zusammenfassung

Eine vordere Muttermundslippe ist ein normaler Bestandteil der Geburt. In der Regel erfordert sie keine speziellen Maßnahmen und am besten bleibt sie unerkannt. Die meisten mit ihr verbundenen Probleme werden erst erzeugt, nachdem man sie „gefunden“ hat, das übliche Geburtsmanagement im Falle einer vorgefundenen Lippe ist das Problem.

siehe auch: Wie schnell öffnet sich der Muttermund,

 Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? Teil 1 und Teil 2

Geburt in hinterer Hinterhauptslage – Sterngucker-babys

Wie schnell öffnet sich der Muttermund?


Der Muttermund ist 2 (1,3,4,5,x,…) cm geöffnet, wie lange dauert es noch? Das ist wahrscheinlich eine der 1 Million-Euro-Frage der Geburtshilfe. Welche Frau in den Wehen, welcher begleitender Partner, aber auch welche Hebamme, würde da nicht gerne die Antwort wissen?

Wie weit der Muttermund geöffnet ist,  wird während der Geburt akribisch im Partogramm  festgehalten. Das Partogramm dient  dazu, zu erkennen, ob die Geburt im „normalen“ zeitlichen Rahmen abläuft oder nicht, und ob dann  medizinische Maßnahmen getroffen werden müssten, um eine Schädigung von  Mutter und Kind zu verhindern. Für die genaue Feststellung der Öffnung werden die Gebärenden immer wieder vaginal untersucht.  Näheres zu den Folgen, die  diese Untersuchung haben kann, könnt ihr hier nachlesen.

Studie zur Variabilität der Öffnung des Muttermundes bei Erstgebärenden

Im Journal „Birth – Issues in Perinatal Care “  wird die Studie Variability in Rate of Cervical Dilation in Nulliparous Women at Term vorgestellt. In dieser Studie wurde der Frage nachgegangen, welche Öffnungsgeschwindigkeit des Muttermundes (Cervix) denn  „normal“ ist. Denn nur wenn die „normale“ Öffnungsgeschwindigkeit bekannt ist, kann eine sinnvolle Aussage bez. einer Abweichung  gegeben werden. Dazu wurde die Variabilität der Öffnungsgeschwindigkeit der Cervix von Erstgebärenden festgehalten. Außerdem sollte bestimmt werden ob diese Öffnungsgeschwindigkeit von der Öffnung der Cervix, im Moment der Ankunft im Krankenhaus, abhängig war.

„Methode: Untersucht wurden Erstgebärende mit spontanen Term-Geburten. Die Babys lagen mit dem Kopf nach unten und waren Einlinge (keine Zwillinge oder Mehrlinge). Ausgeschlossen wurden Geburten vor der 37 igsten Woche und Geburten bei denen eingeleitet wurde oder mindestens ein Kaiserschnitt vorangegangen war. Das Geburtsmanagement war standardisiert worden:

  • Aktive Wehen wurden bei einem regulären Wehenabstand
  • Vaginale Untersuchungen wurden alle 2 Stunden durchgeführt.
  • Die Fruchtblase wurde bei langsamen Geburtsfortschritt oder einer Pause der Cervixöffnung ab 2 Stunden gesprengt.
  • Schritt die Öffnung der  Cervix in den nächsten 2 Stunden nach der Blasensprengung nicht voran, so wurde Pitocin (Wehenmittel) gegeben.
  • Kam es nicht zu einer spontanen Geburt, so wurden die Daten bis zum Beginn eines Kaiserschnitts erhoben.

Ergebnisse: In der Studie wurden insgesamt  1,119 Frauen in der   39.7 ± 1.1 Woche aufgenommen. Die Geburten dauerten ab Aufnahme im Krankenhaus und Vorhandensein von aktiven Wehen durchschnittlich  4.1 ± 2.4 Stunden. Der Anteil der Pitocingaben bei den Geburten lag bei   27 %, PDAs wurden bei  5 % eingesetzt. Die Pitocinrate war umso höher, je geringer die Eröffnung des Muttermunds bei Aufnahme ins Krankenhaus war. Bei 6% der Geburten wurde ein Kaiserschnitt gemacht.

Die Dauer der Geburt in Abhängigkeit von der Eröffnung der Cervix bei Aufnahme ins Krankenhaus zeigte immer eine breite Verteilung (z. B. , bei 4 cm Öffnung eine mittlere Geburtsdauer von 5.5 Stunden, die kürzeste Dauer aber nur 0,8 Stunden, die längste 12,5 Stunden). Die Öffnungsgeschwindigkeit betrug im Durchschnitt 1,5 cm pro Stunde und zwar unabhängig von der tatsächlichen Öffnung im Moment der Aufnahme in die Klinik. Ab ca. 9 cm konnte eine Beschleunigung der Öffnung festgestellt werden.

Zusammenfassung: In dieser Studie mit Erstgebärenden bei Geburt am erwarteten Termin, war die Geschwindigkeit der Öffnung des Muttermunds  hoch variabel und unbeeinflusst von der Öffnung bei Aufnahme in der Klinik. (BIRTH 38:1 March 2011)“

Die große Unterschied zwischen den einzelnen Geburtslängen ist sehr groß und verblüfft. Es wird leicht klar, dass während einer Geburt, Zeitangaben nur ohne großen Wirklichkeitsgehalt gemacht werden können. Auch die Festlegung auf eine „normale“ Öffnungsgeschwindigkeit ist nicht möglich. Es sind zwar Durchnittsangaben möglich, aber normal darf eben  nicht mit dem Durchschnitt verwechselt werden.

Weiterhin finde ich bei dieser Studie bedenklich, dass aufgrund des festgelegten Managements, bei 27% der Geburten zu Pitocin gegriffen werden musste (vermehrt bei geringeren Öffnung der Cervix, bei der Aufnahme in die Klinik).  Können bei einer künstlichen Beschleunigung von etwas mehr als einem Viertel der Geburten, noch „normale“ Werte erhoben werden? Ging es nicht darum, normale Werte festzulegen? Ist wirklich davon auszugehen, dass ansonsten, d.h. bei 27% Prozent Erstgebärender, Kopflagen, Einlinge, bei Term, nicht eingeleitet, Schaden an Mutter oder Kind zu erwarten gewesen wären?

Siehe auch: Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? Teil 1 und Teil 2


Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? – Teil 2


Wie kommt es zu einer Wehe (Kurzbeschreibung)

Die körperlichen Zutaten:

Die wichtigste Zutat für eine Wehe ist, natürlich neben der schwangeren Frau um den ET herum, wohl das Hormon Oxytocin. Dieses Hormon regelt  ganz vieles in unserem Körper, näheres hier:  WIKIPEDIA . Oxytocin begleitet uns durch unser ganzes Leben und ist schon während der gesamten Schwangerschaft vorhanden, aber es kann keine Wehen lösen, denn  es fehlt noch  eine ausreichende Anzahl an Oxytocinrezeptoren am Uterus. Erst wenn davon genug gebildet sind,  reagiert der Uterus auf das Hormon mit Kontraktionen = Wehen. Diese beginnen oben, am Fundus der Gebärmutter und setzen sich nach unten fort. Gebildet wird Oxytocin vor allem  im Gehirn und zwar pulsierend im Hypothalamus, aber auch in anderen Geweben, wie den Eierstöcken und dem Uterus selbst. Auch vom Baby wird Oxytocin gebildet und zwar relativ viel, so ist der Oxytocingehalt des Blutes in der Nabelschnur höher, als im, mit mütterlichem Blut gefüllten, intervillösen Raum zwischen der Plazenta und Uterus.

Wir nehmen nun an, die Geburt hat begonnen, dann

drückt der Babykopf von innen auf die Cervix, so gibt es bestimmte Nervenimpulse, die  dazu führen, dass pulsierend vermehrt Oxytocin vom Hypothalamus ins Blut abgegeben wird. Dies verstärkt die Kontraktionen, dies drückt den Babykopf (oder P0p0) stärker gegen die Cervix, dies sendet über Nervenleitungen den Impuls an den Hypothalamus mehr Oxytocin auszuschütten, die Wehen werden verstärkt, dies drückt den Babykopf stärker auf die Cervix, dies sendet über Nerv…. usw, usw.  – Es ist ein sich selbst verstärkender Regelkreis.

Damit sich die Cervix öffnen kann, muss sie dazu bereit sein. Deswegen wird bei einer künstlichen Einleitung erst durch ein  Medikament die Bereitschaft  der Cervix hergestellt und dann erst per Tropf das Wehenmittel gegeben. Durch die Gabe von Wehenmitteln  wird das Gefälle des Oxytocingehaltes des Blutes vom Baby zur Mutter umgedreht. Ob dies etwas und was dies evtl. bewirkt, ist unbekannt. Wird nun noch eine PDA gesetzt, so fällt nun die Impulssendung von Nerven von Cervix und Vagina  an den Hypothalamus aus (kein Gefühl mehr), und der verstärkende Regelkreis ist unterbrochen. Deswegen sind  Gaben von künstlichen Oxytocin bei der PDA ganz normal.

Die Ausschüttung von Oxitocin ist nicht nur rein körperlich geregelt, sondern wird auch von unseren Gefühlen beeinflusst.

Oxytocin-Ausschüttung fördernde Umgebung/Situation:
  • sich sicher fühlen
  • geschützte Privatsphäre
  • gedämpftes Licht
  • Ruhe
  • von Leuten umgeben sein, die man kennt
  • angenehm berührt werden
  • angenehme Umgebung
  • entspannt sein

Oxytocin-Ausschüttung hindernde Umgebung/Situation:

  • sich gefährdet, ungeschützt fühlen
  • sich beobachtet fühlen
  • helles Licht
  • Lärm
  • von Fremden umgeben sein
  • gefragt werden
  • unangenehme Umgebung
  • denken sollen
Sowie die Oxytocin Menge, die durch den Körper rauscht, von Emotionen beeinflusst wird, so beeinflusst diese wiederum das, was man fühlt und tut. Es gibt ganze Bücher über die emotionale Wirkungsweise dieses Hormons (z. B. deutsch: Odent, englisch: Moberg). Bei der Geburt ist die Rolle die das Oxytocin für  die Liebe zwischen Mutter und Kind spielt (Bonding und Attachment) besonders wichtig.
Auf eine einfache Formel gebracht sieht das dann so aus:
Oxytocin (das Liebeshormon) +Beta-Endorphin (Glücksgefühl und Abängingkeit) + Prolaktin („Bemuttern“ und Milchbildung)
Die Gabe von künstlichem Oxytocin zur Wehensteigerung kann  diese emotionalen Wirkungen nicht erzeugen, obwohl es ein chemisch identischer Stoff ist, da es die Blut-Hirnschranke nicht passieren kann.


Der Verlauf der Wehen

Die Kontraktionen werden nach Dauer und Abstand gemessen. In der Latenzphase der Eröffnungsperiode  (Cervix bis 3 cm) werden Wehen ab einer Dauer von 1 Minute und einem Abstand von max. 5 Minuten als effektiv angesehen. In der Aktivitätsphase (Cervix 3-10 cm) der Eröffnungsperiode sollen die Wehen in einem Abstand von 2-3 Minuten kommen. Es wird von dieser Sichtweise also angenommen, dass Wehen, die nur 1 bis 2 mal in 10 Minuten auftreten, nicht effektiv sind.

Doch die Realität beweist immer wieder das Gegenteil.

Die Stärke der Wehen

Dies ist nicht einfach zu beurteilen, wenn überhaupt. Kennt die Hebamme die Schwangere schon und ist von Geburtsbeginn an dabei, ist es leichter, dann können ihr das Verhalten der Frau und einige andere Zeichen (siehe hier) gute Hinweise geben. Die Effektivität einer Wehe danach zu beurteilen, wie die Öffnung der Cervix voranschreitet, ist einmal an die Untersuchung der Cervix, mit ihren Nachteilen verbunden, zum anderen bewirken Wehen auch noch etwas anderes als Munttermundsöffnung, wie das Drehen des Babys in eine gute Geburtspositon, z. B. bei einem Baby in hinterer Hinterhauptslage. Außerdem öffnet sich die Cervix nicht unbedingt gleichmäßig, sondern oft sprunghaft.

Es gibt kaum etwas demotivierenderes für eine Gebärende, als wenn ihr nach einigen Wehen, die sie als extrem  stark und alle Kraft raubend erlebt hat, gesagt wird, dass  diese Wehen wohl noch nicht effektiv genug sind.

Zusammenfassung

CTG´s und Handauflegen  zeigen nur an, wann und wie lange eine Wehe auftritt. Über die tatsächliche Stärke kann nur die Gebärende eine sinnvolle Aussage machen. Bei einer natürlichen Geburt sollte erstmal davon ausgegangen werden, dass die Wehen angemessen für diese Geburt, diese Mutter und dieses Baby sind.

Ein Idealbild als Maßstab zu nehmen, verbessert kaum das Ergebnis, führt aber häufig zu nicht notwendigen Eingriffen. Ist eine vaginale Geburt  nicht möglich, so zeigt sich dies entweder an, von der Mutter als kräftig empfundenen, sich über Stunden hinziehenden  Wehen, ohne jeden Geburtsfortschritt oder Änderung der Position des Babys, oder an dem Verhalten der Mutter. Die Herzrate des Babys wird zudem einen Hinweise auf Probleme geben und die Mutter hat vielleicht das Gefühl, dass irgendwas falsch läuft.

Manchmal ist jedoch das Geburtshindernis nicht körperlich, sondern emotional und eine bessere Umgebung (s.o. oxytocinfördend), oder das Ansprechen von  Sorgen und Ängsten können die Geburt wieder voranschreiten lassen.



Wann ist eine Wehe eine gute Wehe? Teil 1




Abb.: Cardiotokograph, rechte Krakellinie bildet die Aktivität der Gebärmutter ab

Unter einer guten Wehe wird meist eine Wehe verstanden, welche die Geburt voranbringt. Von außen ist dies ja überhaupt nicht sichtbar.  Handauflegen ist nicht besser und auch dieser Aufnahmeknopf, verbunden mit Gürtel und Drähten zu einem Drucker,  der dann imposante Papierstreifen mit bunten Linien produziert (Cardiotokograph ,CTG, zu Deutsch Herzton-Wehen-Schreiber, ist ein medizinisches Gerät welches zum einen die Herztöne des Ungeborenen und zum anderen die mütterlichen Wehen aufzeichnet), sagt nicht wirklich, wie effektiv eine Wehe ist. Darauf aufbauende Aussagen darüber, wie lange die Geburt noch dauert, ist nur technisierte Kaffeesatz-Leserei. Woher weiß man denn dann, ob eine Wehe „gut “ ist, oder nicht? Rachel Reed hat sich dazu in einem Beitrag in ihrem Blog ausführlich damit beschäftigt: „„The effective Labor contraction\„ :

Erstmal ein kurzer Geschichtsrückblick

Wir können davon ausgehen, dass schon immer ein gewisses Wissen über die Geburt und ihre Abläufe die Menschheit begleitet hat. Dass eine Geburt aber effizient sein sollte, findet man in von Männern geschriebenen Büchern ab dem 17 Jahrhundert. Dies ist auch die Zeit in der diese das Feld der Geburtshilfe für sich entdeckten. Um einen Fuß in die Geburtskultur zu bekommen, wurden erstmal die Hebammen und ihr Können verunglimpft.   Die Geburt sollte nun einem Idealbild mit geregelten Phasen und (kurzen) Zeiten entsprechen. Das Instrument mit dem sich die neuen männlichen Geburtshelfern von den Hebammen abgrenzten, war ,vor allen anderen, die Zange. Dieses  mechanische Hilfsmittel wurde von ihnen fast immer und sobald wie möglich eingesetzt. Bessere Ergebnisse bei den Geburten konnten sie nicht vorweisen, im Gegenteil. Doch findet sich noch heute einiges von dieser Einstellung, hier nur ein Beispiel: die Friedmankurve.

Das Erbe der Friedman Kurve

Eine moderne Basis der Beurteilung des Geburtsfortschritts bot die Friedman Kurve (Hier ist ein Gynäkologe gemeint, nicht der Volkswirtschaftler Milton Friedman). In den 1954 wurde sie von  Friedman, anhand seiner Beobachtung von 100 Geburten, entwickelt. Die gebärenden Frauen wurden jede Stunde rectal untersucht und die Eröffnung der Cervix notiert. Er stellte fest, dass bei Frauen, bei denen  eine schnelle Öffnung der Cervix notiert worden waren, seltener ein Eingriff (z. B. Kaiserschnitt) gemacht wurde, als bei Frauen mit langsamerer Öffnung. Er warnte jedoch davor, seinen Graphen als Instrument zur Vorhersage oder als Basis von Eingriffen zu verwenden. Doch genau dies geschah. Entspricht die Geschwindigkeit der Eröffnung nicht der Friedmankurve, so kommen schnell  chemische Mittel (Pitocin)  zur Wehenbeschleunigung oder angeleitetes Pressen ohne Pressdrang, zum Einsatz. Es wird also davon ausgegangen, dass die tatsächlichen Wehen nicht die besten Wehen für diese Frau und ihr Kind sind, sondern zu schwache und dass sie deswegen künstlich verstärkt werden müssen.

Zur Zeit wird die Friedmankurve und ihr Einsatz als Maß heiß diskutiert. Viele  Studien zeigen, dass die durchschnittliche Geburtsdauer länger wäre und dass auch langsamere Geburten nicht unbedingt ein Zeichen für  Probleme für Mutter und Kind sind, sondern die Anwendung der Friedmankurve als Maß einer guten Geburt zu vielen, evtl unnötigen Eingriffen (Wehenbeschleunigung, angeleitetes Pressen, Kaiserschnitt…) führt.

Es folgt Teil II

Wie weit ist meine Cervix eröffent? – Bilder unterstützen die Vorstellungskraft


Cheerio

Bananenscheibe

Kräcker

Dose

Bagel

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Was zum Schmunzeln : )

Quelle: http://community.babycenter.com/post/a15928915/cervical_dilation_chart…i_just_love_visual_aids_lol

Studie zur Purpurnen Linie, als Alternative zu vaginalen Untersuchungen


Es freut mich, dass endlich die Beachtung der purpurnen Linie, als Alternative zu vaginalen Untersuchungen bei der Geburt in einer Studie untersucht wurde. Diese Methode habe ich in meinem Artikel “ Alternativen zu Vaginalen Untersuchungen“ schon vorgestellt.

Geburtshelfer haben  das Entstehen einer purpurnen Linie, poaufwärts, während der Geburt festgestellt. Und so manche Hebamme hat die Länge dieser Linie, als Maß für den Fortschritt der Geburt verwendet, um Vaginale Untersuchungen zu vermeiden. Vaginale Untersuchungen sind im Vergleich invasiver, können den Geburtsfortschritt stören, Infektionen Richtung Gebärmutter befördern (siehe auch) und sind in ihrer Genauigkeit nicht so absolut, wie man es sich üblicher Weise vorstellt (48-56% Genauigkeit).

In der Studie The purple Line as a measure of labour progress: a longitudinal study , von Shepherd A., Cheyne H., Kennedy S., McIntosh C., Styles M. und Niven C., vom Department of Nursing and Midwifery der University of Stirling, wurde der Frage nachgegangen, bei wie vielen Fraenn denn eine solche Linie auftritt, diese deutlich und messbar ist und, falls dies der Fall ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Länge der Linie und der Öffnung der Cervix und/oder des Tiefertreten des kindl. Kopfes gibt.

Die Autoren der Studie kamen zum Ergebnis, dass diese purpurne Linie bei vielen Frauen auftritt (76%) , und es einen Zusammenhang gibt, zwischen ihrer Länge und der Öffnung des Muttermundes und der Station des kindl. Kopfes im Becken. Bei den Frauen, bei denen die Linie auftritt, kann sie als nützlicher  Hinweis, zusätzlich zu anderen, auf den Geburtsfortschritt verwendet werden.

Wunschgeburt natürliche Geburt – I. Zu ihrer eigenen Zeit beginnen lassen


Oft sind die letzten Tage und Wochen der Schwangerschaft für werdende Mütter körperlich und emotional sehr anstrengend.  Sie fühlen sich nicht mehr wohl, die Beschwerden nehmen zu, ebenso der Wunsch, endlich das Baby im Arm halten zu können. Manchmal tauchen auch kleine Problem auf,  Ängste erwachen und es entsteht der Druck, die Wehen mit einer Einleitung beginnen zu lassen, obwohl noch gefahrlos abgewartet werden könnte.

In dieser Situation ist es wichtig daran zu denken, dass eine Einleitung den Körper der Frau und das Baby zur Geburt zwingt, bevor diese dazu bereit sind. Deshalb kann eine Einleitung  mehr Zeit brauchen, manchmal einen ganzen Tag, manchmal länger und es kann auch passieren, dass sie überhaupt nicht funktioniert. Und es kommt zum Kaiserschnitt bevor Wehen eingesetzt haben.

Warum ist es meist einfacher und sicherer, wenn die Geburt von alleine beginnt?

  • Die Medikamente, die für die Einleitung verwendet werden, können bewirken dass die  Wehen stärker sind, länger andauern  und häufiger auftreten als natürliche Kontraktionen und damit sind sie für die Mutter schmerzhafter und ermüdenter.
  • Diese stärkeren und längeren Kontraktionen können auch dem Baby mehr zu schaffen machen, als natürliche Wehen. Dies macht sich dann durch schlechtere  Herztönen des Babys bemerkbar.
  • Bei einer Einleitung muss ein intravenöser Zugang gelegt werden. Wegen der möglichen stärkeren Belastung des Babys muss auch das Baby ständig elektronisch überwacht werden. Für die Schwangere bedeutet dies, dass sie nun in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist.
  • Wenn die Geburt von alleine, ohne Einleitung beginnt, kann die Gebärende sicher sein, dass ihr  Baby dazu bereit ist und ihr Körper richtig arbeitet.

Forschungsergebnisse aus den letzten Jahren dokumentieren steigende Probleme durch Einleitungen:

Eine Einleitung erhöht das Risko für

  • eine vaginal operative Geburt (Zange, Saugglocke)
  • die Notwendigkeit von Schmerzmitteln
  • Kaiserschnitt
  • Babys mit geringem Geburtsgewicht
  • Verlegung des Babys auf die  Intensivstation
  • einen längereren Krankenhausaufenthalt

Wann kann eine Einleitung sicherer sein als abwarten?

  • Die Fruchtblase ist geplatzt und nach einer Wartezeit (12-24Std) haben sich keine Wehen eingestellt. (Eigene Anmerkung: Vaginale Untersuchungen, besonders mit Eipollösung können das Platzen der Fruchtblase verursachen, siehe vorangegangenen Blogartikel)
  • Deine Schwangerschaft dauert schon länger als vollendete 42 Wochen.
  • Dein Blutdruck ist schwangerschaftsbedingt sehr  hoch.
  • Du hast ein Gesundheitsproblem, dass dein Baby gefährdet.
  • Du hast eine Infektion in deiner Gebärmutter.
  • Dein Baby wächst nicht ausreichend

Wann ist keine Einleitung notwendig

  • Du und dein Baby sind gesund, aber es wird angenommen, dein Baby ist groß.
  • Du hast wenig Fruchtwasser aber deinem Baby und dir geht es gut.
  • Du hast dir selbst einen Termin gesetzt.

Welche Fragen an deine Ärztin, deinen Arzt können dir bei der Entscheidung helfen?

  • Warum empfehlen sie mir eine Einleitung?
  • Wie hoch ist das Risiko für mein Baby/für mich wenn ich noch abwarte? Wie lange kann ich noch abwarten?
  • Gibt es Studien dazu, die bestätigen, dass eine Einleitung in meiner Situation sicher ist und das gesundheitliche Risiko für mein Baby, für mich senkt?
  • Können wir erst natürliche Methoden versuchen?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass die Einleitung erfolgreich sein wird? Wie „reif“ ist mein Muttermund? (Ein unreifer Muttermund ist oft ein Zeichen dafür, dass die Einleitung nicht funktioniert)?

Quelle:

http://www.lamaze.org/HBP1

Alternativen zur Vaginalen Untersuchung


(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch „The Doula Guide to Birth “ von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)

Egal ob du dich dazu entscheidest  vaginale Untersuchungen während der Geburt  zuzulassen oder nicht, es ist gut zu wissen, dass es auch Alternativen dazu gibt. Die meisten Techniken kennen erfahrene Geburtsbegleiter. Vaginale Untersuchungen bestätigen dann nur, was sie sowieso angenommen haben. Aber auch du und dein Partner können dieses Wissen nutzen.

Veränderung der Wehentätigkeit

Die Wehen werden länger und stärker, die Wehenpausen werden kürzer. Sind die Abstände zwischen den einzelnen Wehen nur noch 2 – 3 Minuten, so kannst du davon ausgehen, dass die Aktive Phase begonnen hat. Bei Erstgebärenden ist der Muttermund dann ca. 5 cm geöffnet, ist es ein weiteres Kind, so ist der Muttermund schon weiter geöffnet (6-7 cm).

Die Höhe des Fundus (oberer Teil der Gebärmutter, unterhalb der Rippen)

Beim Fortschreiten der Geburt wandert die Gebärmutter nach oben! ? – Das Gewebe der sich öffnenden Gebärmutter muss ja irdgendwo hin, es wird nach oben gezogen. Der Fundus ist damit weiter oben tastbar. Während einer Wehe ist die Gebärmutter zu Beginn der Geburt ca. 5 fingerbreit unter den Rippen zu tasten, bei völliger Eröffnung ist nur noch für einen Finger Platz. Bewegt sich das Baby aber flott tiefer ins Becken, dann kann diese Veränderung nicht festgestellt werden, aber dann ist eben die Tieferstellung des Babys das Zeichen für eine gut voranschreitende Geburt.

Zeichnen (blutiger Vaginalschleim)

Bei dem Öffnen der Cervix werden kleine Blutgefäße beschädig.

Die Po-Linie

Bei vollständiger Eröffnung zieht sich oft eine ca. 10 cm lange, dunklere Linie am Anus beginnend, zwischen den Pobacken nach oben.

Das Tiefertreten des Babys

Kann von der Hebamme mit den Händen von außen erspürt werden

Der Herzschlag des Babys

Mit dem Tiefertreten des Babys kann natürlich auch sein Herzschlag immer tiefer gehört werden. Zum Spaß könnt ihr ein Herzchen auf den Mutterbauch  aufmalen.

Die Fruchtblase platzt

Das Platzen der Fruchtblase in den Wehen ist auch ein gutes Zeichen, dass die Geburt gut vorankommt. Eine offene Fruchtblase bedeutet meist eine Beschleunigung der Geburt (deshalb wird dies oft von den Geburtshelfern absichtlich eingesetzt -> das kann natürlich auch mal wieder Probleme mit sich bringen -> immer nachfragen und abwägen).

Ultraschall

Eine Ultraschallaufnahme zeigt natürlich ganz genau die Lage des Kindes und die Position/Rotation des Kopfes.

Pressdrang

Ist das Baby ganz tief im Becken und kurz davor geboren zu werden, hat die Mutter das Gefühl, als ob sie dringend wegen Stuhlgangs auf die Toilette müsste. Dies ist jedoch kein Stuhlgang, sondern das Baby, das genau in den gleichen Bereich drückt. Ist noch Stuhl im Rektum, so wird dieser nun unwillentlich  herausgepresst. Für viele Frauen ist dies eine unangenehme Begleiterscheinung, aber  dies ist ein ebenfalls ein Zeichen für die immanente Geburt.

Herauswölben der Michael´schen Raute

Während des Pressens wölbt sich ein kleiner Bereich des Rückens, zwischen den Hüftschaufeln, hervor. Dies ist die Michael´sche Raute. Damit wird dem Baby mehr Platz im Beckenausgang verschafft.

Der Kopf wird sichtbar

Ist der Kopf sichtbar, bedeutet dies, dass der Muttermund geöffnet ist, das Baby zum Beckenausgang gewandert ist und bald geboren wird.

Bemerkung zum Schluss – das Verhalten der Gebärenden

Ein guter Geburtshelfer, eine gute Hebamme misst dem Verhalten der Schwangeren große Bedeutung zu und verlässt sich nicht nur auf Messwerte. So bedeutet ein vollständig geöffneter Muttermund allein, nicht, dass nun sofort gepresst werden muss. Oft gibt es dann eine kleine Erholungszeit für die Gebärmutter. Zeit zu Pressen ist dann, wenn die Mutter Pressdrang verspürt.

Natürliche Geburten verlaufen nicht linear, sondern kennen Zeiten der Beschleunigung, der gleichbleibenden Geschwindigkeit, der Verlangsamung und auch der  Pausen. So halten wir es doch immer mit ungewohnten großen Anstrengungen. Phasen der Erholung und der Anstrengung im Wechsel bringen uns gut voran. Eine Peitsche, die uns immer wieder antreibt wenn wir eigentlich nicht mehr können (und sei sie nur im Hintergrund), bringt uns vielleicht schneller  ins Ziel, aber die Erfahrung wird eine andere sein.

Vaginale Untersuchung – Notwendig oder schädlich? Teil 2


(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch „The Doula Guide to Birth “ von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)

Muss man immer genau wissen, wie weit der Muttermund verstrichen oder geöffnet ist?

Nein, aber das hängt natürlich von der Situation ab. Vaginale Untersuchungen in der Schwangerschaft können ein Problem des Muttermundes aufdecken, wie verfrühtes Verstreichen und Öffnen. Darauf kann dann entsprechend reagiert werden (evtl. mehr Ruhe für die Schwangere, Krankenhauseinweisung, Tokolytika …).

Nach dem 8.Monat der Schwangerschaft wird nicht mehr zu diesen die Schwangerschaft verlängernden  Maßnahmen geraten. Auch ist ein verstrichener, sogar ein leicht geöffneter Muttermund nicht immer das Zeichen, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht. Dieses Verstreichen und Öffnen kann sich sogar über Wochen hinziehen. Eine andere Geburt beginnt mit Wehen bei völlig geschlossenem Muttermund und dieser kann sich dann sogar sehr schnell öffnen. Aussagen über den weiteren Verlauf sind daher schwierig.   In den letzten Wochen der Schwangerschaft ist also schon darüber nachzudenken, ob die Vorteile einer vaginalen Untersuchung tatsächlich die Nachteile (steigendes Infektionsrisiko) überwiegen.

Heute werden viele Schwangerschaften eingeleitet (vielleicht wird das Thema Geburtseinleitung einer meiner nächsten Posts, deshalb geht es einfach mit den vaginalen Untersuchungen weiter).   Damit nicht sozusagen blind und evtl sogar unnotwendigerweise eingeleitet und Medikamente gegeben werden, sondern dies auf die jeweilige Frau und ihre Geburt abgestimmt werden kann, werden dazu einige Parameter erhoben. Ein ganz wichtiger ist der genaue Zustand der Cervix und dann, im Verlauf der Behandlung, deren Veränderung.  Ähnliches gilt für viele weitere Eingriffe in den Geburtsverlauf, wie z.B. im Fall einer PDA.

Manchmal wird vor einer chemischen Einleitung ganz bewusst auf die Reizung des Muttermundes während einer vaginalen Untersuchung gesetzt, auch mit Lösung der Eihäute um den Muttermund herum (Eipollösung). Dieses kann den gewünschten Beginn der Geburt mit Wehen stimulieren (manuelle Einleitung). Es kann jedoch ebenso dazu führen, dass die Fruchtblase bald darauf platzt, aber noch keine Wehen einsetzen. Dies ist dann, wegen der Infektionsgefahr, eine eher unerwünschte Situation für die werdende Mutter.

Es lohnt sich also vor einer vaginalen Untersuchung immer nachzufragen:

  • warum ist die Untersuchung nötig
  • kann  man  damit noch abwarten  – wie lange
  • was passiert, wenn man jetzt nicht über den Zustand der Cervix Bescheid weiss

Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Hinweisen im Verlauf einer natürlichen Geburt , aus denen  geschlossen werden kann, wie weit diese schon voran geschritten ist

es folgt:  Alternativen zur Vaginalen Untersuchung

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