Stillen – Breast Crawl und Laid Back

Ich weiß nicht, ob neugeborene Babys schon immer als völlig hilflos angesehen wurden. Zu unseren heutigen Vorstellungen vom richtigen Umgang mit dem Neugeborenen gleich nach der Geburt gehört das Waschen, das Beurteilen, Wickeln, Anziehen und dann das Übergeben des Wickelkindes in die Arme der Mutter. Diese soll das Neugeborene schnell richtig anlegen und das Baby soll gleich  gut und flott trinken. Das ist jede Menge  Druck für den Lebensbeginn und die Mutterkindbeziehung. Und oft klappt es nicht, trotz Hilfe der Hebamme und perfekten Stillhaltungen und -griffen.

Dabei  können Neugeborene eigentlich viel mehr, wenn wir sie lassen . 1987 wurde wissenschaftlich erstmals beobachtet und untersucht wie Babys, die nach der Geburt bäuchlings auf den nackten Oberbauch ihrer Mutter gelegt worden waren, sich selbst anlegten. Die Babys hatten  innerhalb von durchschnittlich 55 Minuten die Brustwarze entdeckt und sich so darauf zu bewegt, dass sie diese in den Mund nehmen und trinken konnten (Widström am schwedischen Karolinska Institut). Die Neugeborenen hatten sich also selbst angelegt. Und dabei hatten sie sich fortbewegt, waren  gekrochen! Die Bewegungen, die die Babys dazu machten,  waren nicht etwa zufälliges Gezappele, sondern instinktive und koordinierte Bewegungsabläufe, wenn auch noch recht wackelig wirkend.

Danach folgten noch viele weitere Studien (Zusammenfassung der Unicef Initiative „Brest Crawl“,,- ihre Webpage ist auch eine meiner Quellen), die dieses Können der Babys bestätigten. Nicht nur bei Hausgeburten, sondern auch in vielen Krankenhäusern wird heute dem Baby die Zeit dafür gegeben, sich selbst Anzulegen.

 Intuitives Stillen

Nach der Geburt wird das Baby kurz abgetrocknet (damit es nicht zu viel Wärme verliert) und dann bäuchlings der Mutter auf den nackten Oberbauch gelegt. Die Mutter liegt dabei am besten nicht ganz flach auf dem Rücken, sondern halb aufgerichtet. Anschließend werden beide zusammen zugedeckt. In der Regel (zu den Ausnahmen komme ich später) sind die Neugeborenen in der ersten Stunde ihres Lebens, wach und aufmerksam. Liegen sie nackt auf ihrer Mutter, so sind sie meist ruhig, sind sie von ihrer Mutter getrennt, so schreien sie meistens. Es scheint, als hätten sie eine Erwartungshaltung, als wüssten sie, dass sie zu ihrer Mutter gehören. Mehr muss man eigentlich nicht tun. Wichtig scheint zu sein, dass die Brüste der Mutter nicht frisch gewaschen sind. Denn die Babys orientieren sich wohl nach dem Duft. Man nimmt an, dass bestimmte Drüsen um die Areola herum einen Duft erzeugen, der den Babys in die richtige Richtung weist. Er ist wahrscheinlich verschieden von dem Geruch des Fruchtwassers, aber für Babys sehr attraktiv. Babys lieben auch den Geruch und den Geschmack des Fruchtwassers. Dies ist evtl. der Auslöser dafür, dass Neugeborene, wenn sie so auf dem Bauch der Mutter liegen, nach den ersten Leck- und Suchbewegungen beginnen, ihre Händchen in den Mund zu nehmen und daran zu saugen. Eine Brust, die mit Fruchtwasser in Berührung gekommen ist, was vor der Zeit der Krankenhausgeburten  bestimmt Standard war, zieht das Baby meist stärker an, als eine, die keinen Kontakt mit Fruchtwasser hatte.  Das Baby erkennt eine Brustwarze auch mit den Augen. So wie es Gesichter erfassen kann, scheint es auch zu wissen, wofür die Brustwarze da ist.

Die Bewegung zur Brust hin selbst wird von Reflexen ausgelöst. Der Schreitreflex ist einer der bekannteren davon und im „Breast Crawl“ findet er auch eine Erklärung. Gleichzeitig zum Vorwärtskommen massieren die kleinen Beinchen den Bauch der Mutter und ihr Uterus wird dadurch zum Zusammenziehen angeregt. Die Bewegung  des Babys ist nicht ungerichtet,  es kann mit seinen Armbewegungen die Richtung steuern, es macht immer wieder Pausen, bleibt meist ein Weilchen zwischen den Brüsten liegen, entscheidet sich dann für eine Seite und wandert  dorthin. Dabei greift es mit den Händen Richtung Brustwarze. Ist es angekommen so ändert sich seine Bewegungsart. Evtl. leckt es erst an der Mamille, es hebt seinen Kopf so gut es kann hoch und versucht beim Wiederzurückfallen die Brustwarze in den Mund zu bekommen. Manchmal braucht es dafür mehrere Versuche. Hat es dies aber geschafft so beginnt es zu saugen.

Die Mutter bleibt dabei nicht passiv, sie berührt und streichelt in diesen Momenten ihr Baby und sie spricht ganz instinktiv mit ihm. Berührung und Stimme  beruhigen das Baby und gleichzeitig wird es durch sie aktiver, es bewegt sich kraftvoller und  trinkt länger.

Wie lange kann es dauern, bis das Baby anfängt zu trinken?

Das ist ganz unterschiedlich. In der Literatur  begannen die schnellsten Babys 17 Minuten nach der Geburt zu trinken, die letzen hatten nach  103 Minuten ihr Ziel erreicht. Aus eigener Erfahrung kenne ich es auch unter 10 Minuten. Manche Babys machen viele Pausen, beschäftigen sich ganz intensiv mit ihren Händchen etc.. Andere wirken sehr zielgerichtet, ja fast schon selbstbewußt in ihrem Tun.

Hat es denn irgendwelche Vorteile, das Baby nach der ganzen anstrengenden Geburt auch noch „krabbeln“ zu lassen?

Eine Übersicht der Vorteile wird auf einer Webpage der Initiative \“The Breast Crawl\“ von Unicef gegeben. Ich möchte Teile davon, und eigene Gedanken,  im Folgenden vorstellen:

Vorteile des „Breast Crawls“

Die größten Vorteile des Selbstanlegens durch das Baby erwachsen aus dem ungestörten Kontakt zwischen Mutter und Baby gleich nach der Geburt. Nachgewiesene Vorteile für  das Anlegen in der ersten Stunde sind:

Allgemeine Vorteile  für das Baby

Das Neugeborene wird, wenn es nackt und zugedeckt auf der ebenfalls nackten Brust der Mutter liegt optimal gewärmt, sogar besser als unter einer Wärmelampe. Die Atmung und der Herzschlag finden leichter ihren Rhythmus. Der Blutzuckergehalt ist höher und die Azidose des Blutes  geht schneller vorüber. Die gesamte Anpassung des Stoffwechsels gelingt schneller. Es ist insgesamt  ruhiger und schreit weniger. Das Anlegen und das erste Saugen klappt häufiger, die Babys trinken dabei mehr und länger. Auch für die weitere Stillbeziehung ist dieses erste Anlegen positiv, die Babys werden länger gestillt.

  • Weitere Vorteile, speziell durch das aktive Selbstanlegen

Zusätzlich darf, meiner Meinung nach, nicht vergessen werden, dass wir zwar nicht genau wissen was genau in einem Baby vorgeht. Wir wissen jedoch aus eigener Erfahrung, mit wie viel Stolz es uns erfüllt, wenn wir eine Aufgabe, die wir für richtig halten, geschafft haben. Und sind sogar besonders stolz, wenn sie anstrengend war. Wir können bestimmt davon ausgehen, dass auch ein Baby ähnliche Emotionen hat. Es fühlt sich gut, wenn es etwas erreicht, wenn es seinen Instinkten folgen kann und mit Nahrung, Saugenkönnen  und Geborgenheit belohnt wird.
Allgemeine Vorteile  für die Mutter

Die Plazenta wird schneller geboren und es kommt seltener zu großen Blutverlusten. Ursache dafür ist die vermehrte Ausschüttung von Oxytocin durch die Anwesenheit des Babys selbst, durch die „Brustmassage“ und das Saugen des Babys. Oxytocin hilft der Gebärmutter beim Zusammenziehen, dem Herauspressen der Plazenta und dem Verschließen der vielen noch geöffneten Blutgefäße der Gebärmutter. Durch die Bewegung der Beinchen wird der Bauch und die Gebärmutter massiert, dies könnte ebenfalls bei der Geburt der Plazenta helfen.

  • Weitere Vorteile, speziell durch das aktive Selbstanlegen

Hier möchte ich noch anfügen, dass die Mutter so ihr Baby, von Anfang an, als eine Persönlichkeit erlebt, die etwas zustande bringt. Dies fördert ein Gefühl des Respekts gegenüber dem Neugeborenen. Das erste Ansaugen in dieser Weise, wird meist als angenehmer und nicht so schmerzhaft empfunden. Nach der Aufregung und manchmal Hektik bis zur Geburt des Kindes, ist dieser gemeinsame Beginn eine erholsame Zeit für die Mutter. Sie liegt, am besten leicht aufrecht, auf dem Rücken, kann entspannen und dabei ihr Baby in Ruhe ansehen und bestaunen. Solch eine angenehme Atmosphäre unterstützt das Bonding zwischen Mutter und Kind.

Allgemeine Vorteile  für beide

Das Gefühl der Mutterliebe dem Baby gegenüber, beginnt nicht unbedingt mit der Geburt oder sofort mit dem ersten Kontakt. Doch während des „Breast Crawls“, wenn sie sich in engem Kontakt zusammen ausruhen, wenn sie sich in die Augen sehen, dann lernen sie sich auf verschiedene Weisen kennen und lieben. Es sind fast magische Momente und es wächst eine besondere Beziehung, ein Band, zwischen Mutter und Kind. Ein hormoneller Faktor ist z. B. das Oxytocin, oft auch Liebeshormon genannt.

Es gibt eine Reihe von Studien, in denen untersucht wurde, ob es eine spezielle „sensitive“ Phase in der Zeit nach der Geburt, in den ersten Lebenstagen gibt, in der ein Eltern-Kind Kontakt besonders wichtig ist, für das spätere Verhalten der Eltern  den Kindern gegenüber. In jeder dieser Studien verbesserte sich die Qualität der Fürsorge der Mutter, mit der Zunahme der Zeit,  welche die beiden in der Anfangszeit miteinander verbringen konnten. Widström notierte 1990 zudem die Feststellung, dass  Mütter, deren Babys die Mamille in der ersten Stunde berührten, ihre Kinder um ca. 100 Minuten länger bei sich behielten, als Mütter bei denen dieser Kontakt erst später stattfand (- damals war wohl 24 Std. Rooming in noch nicht so verbreitet).

Kann denn jedes Neugeborene selbst zur Brust robben und andocken?

Nicht alle Kinder legen sich selbst an. Manches Baby möchte vielleicht nicht, hat eine andere Vorstellung vom Beginn des Lebens außerhalb des Mutterbauchs. Andere Babys können nicht, sie werden durch widrige Umstände daran gehindert. Manchmal sind die Ursachen dafür unbekannt, es gibt aber auch Umstände, von denen man weiß, dass sie es dem Neugeborenen schwer machen, selbst aktiv zu werden. Auf der Webpage der Unicef Initiative \“The Breast Crawl\“ sind die bisher durch Studien belegten Hindernisse aufgeführt. Diese habe ich hier zusammengefasst und übersetzt:

Unterbrochener Mutter – Baby – Kontakt nach der Geburt

Wird der Kontakt zwischen Mutter und Baby in der ersten Stunde unterbrochen und das Baby  (für 15-20 Minuten) genau vermessen, untersucht, gewaschen etc. und dann zu seiner Mutter zurückgebracht, so findet oft kein Selbstanlegen des Babys statt, selbst wenn ihm viel Zeit dafür gegeben wird.

Analgetika

Untersucht wurde z. B. das Verhalten der Babys, wenn ihrer Mutter Pethidin (ein Opiat) zur Schmerzlinderung während der Geburt gegeben wurde. Diese Schmerzmittel werden über die Plazenta an das Baby weitergegeben und so verwundert es nicht, dass diese sich nur halb so oft selbst anlegen konnten, wie Kinder deren Mütter kein Pethidin bekommen hatten. Pethidin ist aus dem Blutkreislauf der Mutter schon nach 3-4,5 Stunden nach der Verabreichung verschwunden. Hat die Mutter es schon eher am Anfang der Geburt erhalten, so ist sie wahrscheinlich schon frei von Nebenwirkungen. Die Leber des Babys ist jedoch noch nicht so schnell mit dem Entgiften, deshalb zirkuliert Pethidin noch 13 – 23(!) Stunden nach Verabreichung im Körper des Babys.

Analgetika und Unterbrechung

Bei den Babys, für die beide Parameter zutreffen, schaffte es bei Studien kein einziges, sich selbst anzulegen und zu trinken.

Weitere ungünstige Faktoren

Alles was das Baby sensorisch  behindert, soll unterlassen werden, es kann alles später gemacht werden, wie:

  • starke zusätzliche Düfte, Parfüm
  • Waschen der Mutterbrust
  • Abwaschen der Babyhändchen, das Baby am besten insgesamt nicht waschen, nur abtrocknen
  • Augentropfen
  • Vitamin K-gabe
  • Babybekleidung, es reicht wenn es zusammen mit seiner Mutter zugedeckt wird
  • Absaugen (nur dann, wenn die Atmung ansonsten behindert ist)

Interessant fände ich auch, ob ein sofortiges Abnabeln der Neugeborenen, einen hindernden Einfluss auf die Fähigkeit der Neugeborenen sich selbst anzulegen hat. Wenn einem die vielen Nachteile des vorzeitigen Abnabelns bekannt sind, erscheint dies als sehr wahrscheinlich.

Kann sich denn das Baby nur in der ersten Stunde nach der Geburt selbst anlegen, oder geht das auch noch später, z. B. nach einem Kaiserschnitt?

Aus der Möglichkeit,  dass sich Babys gleich nach der Geburt zur Brust hin bewegen und sich selbst anlegen können, darf nicht das Dogma abgeleitet werden, dass dies alle Babys machen müssen. Wenn man es möchte,  ist es aber möglich, dies nachzuholen,  z. B.  in der Form eines Baderituals, vielleicht nach Trennung, bei Still- und Bondingschwierigkeiten, aber auch  nach Kaiserschnitt. Entwickelt wurde dieses Ritual von der Schweizer Hebamme Brigitte Meissner. Viele Babys, vor allem wenn sie in den ersten Lebenstagen diese Chance dazu bekommen, finden während des Rituals die Brust und beginnen zu trinken.

Das Baderitual

„Nehmen sie sich genügend Zeit und bereiten sie ihr Bett mit Handtüchern und  Wärmflaschen vor. Der Raum sollte gut geheizt sein. Baden sie oder der Vater das Kind und legen es dann nass (!) auf ihre Brust oder ihren Bauch und decken sie sich und ihr Kind gut mit Decken zu. Sprechen sie mit Ihrem Kind. erklären sie ihm, warum die Geburt so anders verlaufen ist. Holen sie gemeinsam das verpasste Erlebnis eines ersten ungestörten Kontaktes mit ihrem Baby nach! Wiederholen sie das Baderitual mehrfach, wenn sie das Gefühl haben, sie oder ihr Baby brauchen es.“

Ich finde jedoch einen weiteren Aspekt sehr wichtig. Dieses Selbstanlegen-Können des Babys weist uns darauf hin, dass es noch einen weiteren Weg für die Stillbeziehung gibt. Nicht nur das uns allen bekannte, von der Mutter initiierte und geleitete Stillen in verschiedenen Positionen, sondern auch das vom Baby geleitete und von der Mutter nur unterstütze Stillen. Diese Art des Stillens erlaubt eine völlig neue Art des Umgangs mit den Neugeborenen, ist  die Basis für eine neue Stillkultur.

In der englisch-sprechenden Stillwelt ist das „Intuitive Stillen“ oder „Baby-geleitete-Stillen“ seit einiger Zeit in aller Munde, als „Biological Nurturing“, Baby Lead Nursing“ oder „Laid Back Nursing“. Das Still-Journal „Breastfeeding Today“ widmete diesem Thema ihre aktuelle Ausgabe vom Dezember 2010.  Auch in der neuesten Ausgabe des Standard Werkes \“The Womanly Art of Breastfeeding\“ der La Leche League hat das „Baby-geleitete-Stillen“ Eingang gefunden. Und zwar nicht nur in der Form des Selbstbedienung durch das Baby beim Stillbeginn, gleich nach der Geburt, sondern als die normale Art des Stillens.

Der Ursprung des Baby geleiteten Stillens

Dr. Suzanne Colson hat bei ihrer Arbeit mit stillenden Müttern beobachten können, dass das Stillen nicht nur in den üblichen Stillpositionen, aufrecht sitzend oder auf der Seite liegend, möglich ist, sondern auch halbaufrecht auf dem Rücken liegend. Und in dieser Stillposition zeigten nun die Babys folgende Verhaltensweise, die sie aufmerken ließ. Wenn die Babys bäuchlings auf ihrer Mutter lagen, gelang es den Babys oft, sich selbst anzulegen. Besonders  fasziniert war Dr. Susanne Colson von der  Tatsache, dass gerade Reflex-Bewegungen, die ansonsten das Anlegen erschweren können, nun genau die waren, die dieses  Selbstanlegen ermöglichten. Daraufhin stellte sie sich die Frage: Sind  vielleicht unsere dominierenden Vorstellungen davon, wie Stillen stattfinden soll, die Ursache für viele Stillprobleme,  für das Gefühl vieler Mütter, nicht kompetent genug zu sein, wenn es um´s Stillen geht und damit auch für das zu frühe Abstillen? Sind die hilfreich gemeinten Ratschläge und Vorschriften in Wirklichkeit kontraproduktiv. Wenn noch so viele Instinkte, sowohl auf der Babyseite, als auch auf der Mutterseite vorhanden sind, wäre es denn dann nicht besser, mit ihnen zu arbeiten?

Jahre der Beobachtung und Analyse folgten, bis Dr. Suszanne Colson die Ergebnisse ihrer Arbeit der Fachwelt vorstellte. Die Zeit schien reif dafür. Biological Nurturing wurde, trotz seines revolutionären Ansatzes, nicht von vorneweg verworfen, sondern positiv aufgenommen.

Was ist Intuitives Stillen oder Baby-geleitetes-Stillen?

Bilder sagen mehr als tausend Worte, deshalb seht  euch am besten ein Video von Dr. Suzanne Colson an: \“Biological Nuturing\“ Video.  Sie hat auch noch eine Bilderfolge auf ihrer Webpage: Biological Nuturing – Anleitung.

Ich gebe zu, dass diese Art zu Stillen  auf dem ersten Blick befremdlich wirkt – aber auch sehr gemütlich! Natürlich wird kaum jemand die gesamte Stillzeit im Bett und auf dem Rücken liegend verbringen, in ständiger Stillbereitschaft. Doch für die ersten Tage, wenn ein häufiges Trinken notwendig und für viele Aspekte hilfreich ist, aber bei schläfrigen Neugeborenen bei gewöhnlicher Stillkultur kaum erreichbar scheint, ermöglicht das Baby-geleitete-Stillen einen entspannteren Stillbeginn. In der vorgestellten Position, immer bei der Mutter, die Brust immer erreichbar, verleiten die vorhandenen Reflexe das Neugeborene immer wieder zum Trinken, ohne dass es dazu völlig aufwachen muss. Auch bei später auftretenden Widrigkeiten bietet sich das Baby-geleitete-Stillen als Erste Hilfe Technik an.

Muss im Anschluss, nach der ersten Zeit,  auf die bisher übrigen Stilltechniken, wie Wiegenhaltung oder Fußballhaltung, umgestellt werden? Natürlich nicht, jedes Mutter/Baby Team wird andere Präferenzen entwickeln. Bitte nicht immer sofort neue Vorschriften entwickeln!

Babygeleitetes Stillen als Hilfsmittel bei Stillproblemen – auch bei älteren Säuglingen

In den letzten Tagen wurden meine Blogbeiträge zum laid-back-breastfeeding, auch biological nuturing, babygeleitetem Stillen, entspannten Stillbeginn …. genant,  von sehr vielen Besuchern gelesen. Daher möchte ich noch eine kleine Ergänzung anfügen.

Die meisten Babys und ihre Mütter, die ich mit Stillberatung unterstütze, haben meist schon über 2 Wochen Probleme mit dem Stillen. Erst wenn ihre Hebammen keinen Rat mehr wissen, verweisen sie an mich weiter (dann haben schon Kügelchen und CranioSacral nicht die erhoffte Hilfe gebracht). Das babygeleitete Stillen entfachte dann oft bei Babys, die nur die Flasche haben wollten, oder nur mangelhaft mit Stillhütchen saugen wollten, eine „Liebe zu den Brustwarzen“. Die Stillreflexe und -instinkte haben wohl noch eine ganze Zeit nach der Geburt einen großen Einfluss auf das Baby. Wichtigste Hilfsmittel  sind dabei für alle Beteiligten Ruhe und Geduld.

Inzwischen gibt es auch eine Studie aus Schweden  dazu (kontrolliert, Auswahl der Mutter-Baby-Dyaden nach dem Zufallsprinzip).  Es wurde untersucht, ob  Hautkontakt und eine zurückgelehnte Position der Mutterbeim Stillen  gravierende Stillprobleme bei durchschnittlich 3 Wochen alten Babys lösen konnte.

Übersetztes Ergebnis:
„Hautkontakt während des Stillens verbessert sofort mütterliche positive Gefühle und verkürzt die Zeit bis gravierende Stillprobleme des Babys beseitigt sind und das Baby sich gut anlegt. Ein grundlegender Mechanismus dabei könnte sein, dass der Hautkontakt mit der Mutter während des Stillen den Säugling beruhigt. Während die zuvor genutzte Form des Stillen den Säugling  so sehr aufgeregt hatte, dass dadurch das angeborene biologische Programm, die Brustwarze zu finden und sich anzulegen, blockiert wurde.“

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