Faule Gebärmutter? – Was macht denn die Gebärmutter den ganzenTag?


Habt ihr das euch auch schon mal gefragt. Vor mehr als hundert Jahren dachte man, die Gebärmutter könnte durch den ganzen Unterleib umher wandern und dies würde viele Frauen um den Verstand bringen. Daher kommt noch unser Ausdruck „Hysterie“ (von hystera=griech. für Gebärmutter= lat. Uterus), der inzwischen als veraltet gilt. Zur Zeit wird die Gebärmutter im Allgemeinen eher statisch gedacht. Die Eizelle wandert in die Gebärmutter, ebenso  Massen an Samenzellen durch sie durch,  der Eileiter schlängelt sich. Aber was macht denn die Gebärmutter den ganzen Tag? Wir wissen, dass sie sich zur Geburt bewegt, dass sie sich kontraktiert, manchmal schon zuvor, das nennt man dann falsche, wilde, Übungs-, Vor-Wehen oder wissenschaftlicher „Braxton-Hicks-Kontraktionen“. Nach der Geburt bildet sie sich dann zurück und macht sich dann höchstens wieder bei der  Monatsblutung bemerkbar. Ist das alles, ist sie ein ansonst eher fauler Muskel?

Letzte Woche habe ich einen ganz interessanten Podcast dazu gehört und zwar vom „Grey haired OBYN 101“.  In diesem teilt er seine Beobachtung mit, dass auf normalen Langzeit Ultraschall Aufnahmen  keine Bewegung zu sehen ist. Aber lässt  man die Aufnahme im Zeitraffer ablaufen, so sieht man meist Kontraktionen, und zwar meist pausenlose Kontraktionen, in einem beständigen Muster.

Die Kontraktionen beginnen in der Regel oben am Fundus der Gebärmutter und wandern dann Richtung Muttermund, ähnlich wie bei einer Geburt. Dies war das häufigste Bewegungsmuster (Down and Out) und dies war besonders stark ausgeprägt zur Zeit der monatlichen Blutung und etwas schwächer danach, bis zum Eisprung.

Nach der Ovulation dreht sich das Bewegungsmuster um. Die Kontraktionen begannen nun an der Cervix (Muttermund) und wanderten dann nach oben, bis zu den Einmündungen der Eileiter. Dies kann eine große Bedeutung bei der Wanderung der Spermien haben. Spermien sind ja sehr klein und sie können sich daher nicht über weite Strecken vorwärts bewegen. Ein Zentimeter ist  äußerst viel für sie. Es ist schon eine alte Frage, wie die Spermien den langen Weg, von der Cervix bis zur Eizelle, schaffen und zwar manchmal in sehr kurzer Zeit. Die Kontraktionen des Uterus können eine Erklärung dafür sein. Durch die muskulären Kontraktionen entsteht eine Bewegung in der Gebärmutter von der Cervix in die Eileiter hinein, diese nimmt die Spermien mit und transportiert sie  in die Eileiter. Dieser Transport kann auch wichtig für die Fruchtbarkeit sein. Nicht jeder Uterus bewegt sich auf  koordinierte Weise, oder die Bewegung verläuft von links nach rechts, oder umgekehrt. Solche Bewegungen sind für einen Transport der Spermien zur Eizelle nicht geeignet.

Auch im Falle von Endometriose könnte ein umgekehrtes Kontraktionsmuster des Uterus eine Ursache sein. Anstatt dass das abgestoßene Endometrium  nach unten, und damit außerhalb des Körpers, transportiert wird, bringen Kontraktionen, die an der Cervix beginnen und nach oben wandern, etwas davon durch den Eileiter in den Bauchraum, wo es vielleicht ein Teil davon schafft, sich zu implantieren. Dies würde bedeuten, dass ein abnormales Bewegungsmuster des Uterus, einerseits zu Unfruchtbarkeit, andererseits zu Endometriose führen kann.

Nach der Ovulation verlangsamen sich die Kontraktionen der Gebärmutter und hören bis kurz vor Beginn der Menstruation ganz auf. Dieser Zustand der Ruhe findet gleichzeitig mit der Produktion von Progesteron der Ovarien statt. Es ist bekannt, dass Progesteron die glatte Muskulatur entspannt. Fehlt Progesteron nach der Empfängnis, folgt daraus eine Unfruchtbarkeit. Wird nur wenig Progesteron gebildet, so kann dies zu frühen Fehlgeburten führen. Bisher ist der Mechanismus, der zu frühen Fehlgeburten führt, nicht bekannt. Vielleicht gibt es  einen Zusammenhang mit den uterinen Kontraktionsmustern. Fehlt Progesteron nach der Ovulation, so gibt es keine Ruhepause für die Gebärmutter, die Kontraktionen (Down and Out) finden ohne Unterbrechung statt.

Was macht also die Gebärmutter den ganzen Tag – sie kontraktiert

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Alternativen zur Vaginalen Untersuchung


(Folgende Gedanken habe ich aus dem Buch „The Doula Guide to Birth “ von Ananda Love & Rachel Zimmermann, 2009, zusammengefasst und übersetzt. Es ist insgesamt ein Super Buch, aber leider nur in Englisch erhältlich.)

Egal ob du dich dazu entscheidest  vaginale Untersuchungen während der Geburt  zuzulassen oder nicht, es ist gut zu wissen, dass es auch Alternativen dazu gibt. Die meisten Techniken kennen erfahrene Geburtsbegleiter. Vaginale Untersuchungen bestätigen dann nur, was sie sowieso angenommen haben. Aber auch du und dein Partner können dieses Wissen nutzen.

Veränderung der Wehentätigkeit

Die Wehen werden länger und stärker, die Wehenpausen werden kürzer. Sind die Abstände zwischen den einzelnen Wehen nur noch 2 – 3 Minuten, so kannst du davon ausgehen, dass die Aktive Phase begonnen hat. Bei Erstgebärenden ist der Muttermund dann ca. 5 cm geöffnet, ist es ein weiteres Kind, so ist der Muttermund schon weiter geöffnet (6-7 cm).

Die Höhe des Fundus (oberer Teil der Gebärmutter, unterhalb der Rippen)

Beim Fortschreiten der Geburt wandert die Gebärmutter nach oben! ? – Das Gewebe der sich öffnenden Gebärmutter muss ja irdgendwo hin, es wird nach oben gezogen. Der Fundus ist damit weiter oben tastbar. Während einer Wehe ist die Gebärmutter zu Beginn der Geburt ca. 5 fingerbreit unter den Rippen zu tasten, bei völliger Eröffnung ist nur noch für einen Finger Platz. Bewegt sich das Baby aber flott tiefer ins Becken, dann kann diese Veränderung nicht festgestellt werden, aber dann ist eben die Tieferstellung des Babys das Zeichen für eine gut voranschreitende Geburt.

Zeichnen (blutiger Vaginalschleim)

Bei dem Öffnen der Cervix werden kleine Blutgefäße beschädig.

Die Po-Linie

Bei vollständiger Eröffnung zieht sich oft eine ca. 10 cm lange, dunklere Linie am Anus beginnend, zwischen den Pobacken nach oben.

Das Tiefertreten des Babys

Kann von der Hebamme mit den Händen von außen erspürt werden

Der Herzschlag des Babys

Mit dem Tiefertreten des Babys kann natürlich auch sein Herzschlag immer tiefer gehört werden. Zum Spaß könnt ihr ein Herzchen auf den Mutterbauch  aufmalen.

Die Fruchtblase platzt

Das Platzen der Fruchtblase in den Wehen ist auch ein gutes Zeichen, dass die Geburt gut vorankommt. Eine offene Fruchtblase bedeutet meist eine Beschleunigung der Geburt (deshalb wird dies oft von den Geburtshelfern absichtlich eingesetzt -> das kann natürlich auch mal wieder Probleme mit sich bringen -> immer nachfragen und abwägen).

Ultraschall

Eine Ultraschallaufnahme zeigt natürlich ganz genau die Lage des Kindes und die Position/Rotation des Kopfes.

Pressdrang

Ist das Baby ganz tief im Becken und kurz davor geboren zu werden, hat die Mutter das Gefühl, als ob sie dringend wegen Stuhlgangs auf die Toilette müsste. Dies ist jedoch kein Stuhlgang, sondern das Baby, das genau in den gleichen Bereich drückt. Ist noch Stuhl im Rektum, so wird dieser nun unwillentlich  herausgepresst. Für viele Frauen ist dies eine unangenehme Begleiterscheinung, aber  dies ist ein ebenfalls ein Zeichen für die immanente Geburt.

Herauswölben der Michael´schen Raute

Während des Pressens wölbt sich ein kleiner Bereich des Rückens, zwischen den Hüftschaufeln, hervor. Dies ist die Michael´sche Raute. Damit wird dem Baby mehr Platz im Beckenausgang verschafft.

Der Kopf wird sichtbar

Ist der Kopf sichtbar, bedeutet dies, dass der Muttermund geöffnet ist, das Baby zum Beckenausgang gewandert ist und bald geboren wird.

Bemerkung zum Schluss – das Verhalten der Gebärenden

Ein guter Geburtshelfer, eine gute Hebamme misst dem Verhalten der Schwangeren große Bedeutung zu und verlässt sich nicht nur auf Messwerte. So bedeutet ein vollständig geöffneter Muttermund allein, nicht, dass nun sofort gepresst werden muss. Oft gibt es dann eine kleine Erholungszeit für die Gebärmutter. Zeit zu Pressen ist dann, wenn die Mutter Pressdrang verspürt.

Natürliche Geburten verlaufen nicht linear, sondern kennen Zeiten der Beschleunigung, der gleichbleibenden Geschwindigkeit, der Verlangsamung und auch der  Pausen. So halten wir es doch immer mit ungewohnten großen Anstrengungen. Phasen der Erholung und der Anstrengung im Wechsel bringen uns gut voran. Eine Peitsche, die uns immer wieder antreibt wenn wir eigentlich nicht mehr können (und sei sie nur im Hintergrund), bringt uns vielleicht schneller  ins Ziel, aber die Erfahrung wird eine andere sein.

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