Geburt von Ivy Claire – Zuhause und im Wasser


Ich verfolge schon lange den Blog von  Dr. Rixa Feeze, PhD: Stand and Deliver . Am 25.3.2013 hat sie ihr viertes Kind geboren, wieder zu Hause.   Von Ivy Claires Geburt hat Dr. Rixa einen editierten Videomitschnitt bei YouTube eingestellt und diesen, wie ich finde, sehr gelungenen Film  möchte ich hier vorstellen.

 

 

Zusammengefasste Übersetzung Dr. Rixas Beschreibung der Umstände und der Geburt: „Schon in der Nacht zuvor hatte ich starke aber unregelmäßige Wehen. Zwischen den einzelnen Episoden konnte ich immer wieder einschlafen. Nach dem Aufwachen wurden die Wehen regelmäßig und folgten in kürzeren Abständen. In der letzten Stunde der Geburt ging ich in den Pool. Dabei öffnete sich der Muttermund in nur 25 Minuten von 5 cm fast vollständig und aus den Transitionswehen wurden Austreibungswehen.

Dieses Video zeigt erst eine Wehe im Pool und überspringt dann fast 20 Minuten bis zu den Presswehen. Es wird von allen Presswehen ein Teil gezeigt, so ist gut erkennbar, wie sie an Länge und Intensität zunehmen. Ich habe die Zeit dazwischen meistens herausgeschnitten, da nichts besonderes geschah oder gesagt wurde.

Meine 6-jährige Tochter kam herein um zuzusehen. Wir hatten sie dazu eingeladen, solange sie stillsitzen konnte. Sie machte es ganz gut, doch es gelang ihr nicht immer, besonders wenn ich recht laut wurde.

Die Hebamme ist im Video nur  einmal beim Abhören der Herztöne zu sehen. Sie hat aber öfters kontrolliert (die Rate war immer o.k.), dies wurde herausgeschnitten.

Das Video ist 20 Minuten lang,  Ivy wurde in der 15. Minute geboren.“

Ein Hurra auf die Geburtshäuser!


Sichere Geburtsorte:  Zuhause, Geburtshaus oder Klinik – Was steht in der britischen Studie?

Ende Dezember 2011 wurde in einer Reihe deutscher Zeitungen wieder in schlimmsten Tönen vor der Hausgeburt gewarnt und gleichzeitig die Geburt in der Klinik in höchsten Tönen gelobt. Grund dafür war eine neu erschienene britische Studie. Nun, da ich nach den Feiertagen wieder Zugang zum Rechner habe, musste ich unbedingt im Netz den Fragen: „Ist die Hausgeburt wirklich so gefährlich? Weichen denn die englischen Zahlen so sehr von allen in den bisherig zu diesem Thema  erschienen Studien ab?“ nachgehen. Wenn ihr die Untersuchungsergebnisse selbst lesen wollt, dann folgt diesem Link:

http://www.bmj.com/highwire/filestream/545014/field_highwire_article_pdf/0.pdf

Die Forscher in der Studie fassen ihre  Ergebnisse so zusammen:  „The results support a policy of offering healthy women with low risk pregnancies a choice of birth setting. Women planning birth in a midwifery unit and multiparous women planning birth at home experience fewer interventions than those planning birth in an obstetric unit with no impact on perinatal outcomes. For nulliparous women, planned home births also have fewer interventions but have poorer perinatal outcomes.“

(zu deutsch: Gesunde Frauen mit einer risikoarmen Schwangerschaft sollten zwischen verschiedenen Geburtsorten wählen können. Frauen, die die Geburt zu Hause oder in einem Geburtshaus planen, werden in der Geburt weniger Eingriffe über sich ergehen lassen müssen, als Frauen die die Geburt vorneweg in der Klinik gewählt haben. Bei der Sterblichkeit der Kinder gibt es keine Unterschiede. Erstgebärende, die eine Geburt zu Hause planen erleben zwar ebenfalls weniger Eingriffe, jedoch ist die kindliche Sterblichkeit dabei erhöht.)

Genauere Zahlen

(Auszug aus der Studie: Perinatal and maternal outcomes by planned place of birth for healthy women with low risk pregnancies: the Birthplace in England national prospektive cohort study)

  • In England wird zwischen Freien und an Kliniken angeschlossenen Geburtshäusern unterschieden, ich habe beide hier zusammengefasst.
  • Ich habe grüne Zahlen verwendet, wenn diese besser sind als die Daten der Kliniken, rote Zahlen, wenn diese schlechter sind.
  • Es sind hier nur die Mittelwerte angegeben, sie beziehen sich jeweils auf 100 Geburten.
  • Gesundheitliche Probleme der Kinder fassen  in dieser Tabelle die Neugeborenen Enzephalopatie, die Mekoniumaspiration durch das Neugeborene, die Verletzung des Plexus brachialis, der Bruch der Klavikula und des Humerus zusammen. Nun wurden dazu noch die Todesfälle der Kinder gezählt, so dass sich die Sterblichkeit, etwas sehr schwer wiegendes, und der Bruch eines Schlüsselbeins, nur in einer einzigen gemeinsamen Zahl wiederfinden.     –    Ich finde diese Einteilung, ehrlich gesagt, recht problematisch und hatte sie erst mal gar nicht erkannt. Es ist doch etwas ganz anderes, ob ein Baby, bei oder kurz nach der Geburt, stirbt oder ob ihm ein Knochen gebrochen wird. Die Autoren der Studie sehen dies selbst so, schreiben aber, dass diese Faktoren jeweils so selten auftreten, dass über sie im Einzelnen statistisch keine Aussage gemacht werden kann.

geplanter                   gesundheitiche  Probleme               Kaiserschnitt

Geburtsort                oder  Tod der Kinder

                                                                                              

Gesamt                                    0,43                                                         9,9                

Klinik                                             0,44                                                      11,1

Zuhause                                        0,42                                                        2,8

Geburtshaus                                0,35 -0,36                                          3,5 – 4,4

Erstgebärende ges.           0,53

Klinik                                              0,53

Zuhause                                         0,93

Geburtshaus                                0,45 – 0,47

Mehrgebärende ges.           0,31 

Klinik                                                0,33

Zuhause                                           0,23

Geburtshaus                                  0,24 – 0,27

Die erhöhte Zahl der gesundheitlichen Probleme, subsummiert auch die Sterblichkeit, der Kinder von Erstgebärenden, bei Geburten die Zuhause geplant waren, ist sehr auffallend. Es ist aber auch die einzige rote Zahl, d. h., das einzige Mal, dass ein geplanter außerklinischer Geburtsort im Vergleich mit den Klinikgeburten, schlechter abgeschnitten hat. Ansonsten sind alle Zahlen immer besser als die der Klinik. Auch die Zahl der gesundheitlichen Probleme der Babys von Erstgebärenden, die in Geburtshäusern geboren wurden, ist geringer, als in der Klinik.

Die Zahlen der Kaiserschnitte sind nur ein Beispiel für einen medizinischen Eingriff, in der Orginalstudie könnt ihr noch viel mehr finden. Und alle zeigen, dass in Krankenhäusern oft in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen wird, ohne dass es zu einer Verbesserung bei  gesundheitlichen Problemen (subsummiert die Kindersterblichkeit) der Kinder, im Vergleich zu Geburtshäusern, kommt –  im Gegenteil.  Eingriffe konnten sein: Zange, Saugglocke, künstliche Hormone, Betäubung, Dammschnitt. Einige davon führen nicht nur zu tatsächlichen Verletzungen der Mutter und schlechterer Startbedingungen für das Baby, sondern  häufig dazu, dass die Mutter ihr Leben mit dem Baby mit dem Gefühl,  schon bei der Geburt versagt zu haben, und dass allein das Können anderer ihr Kind auf die Welt gebracht hat, beginnt.

Nun, eigentlich müsste diese Studie eher zu einem Lob der Geburtshäuser und, wenn Geschwisterkinder unterwegs sind,  ebenfalls zu einer Empfehlung für Hausgeburten führen. Geplante Klinikgeburten hätten nur im Falle von Erstgebärenden einen Vorteil bez. der gesundheitlichen Probleme (subsummiert Kindersterblichkeit) der Kinder  vor Hausgeburten, jedoch nicht im Vergleich zu Geburten in Geburtshäusern.

Eine Frage bleibt: Warum sind nach dieser Studie, die durchschnittlichen gesundheitlichen Probleme (subsummiert die Sterblichkeit) der Kinder von Erstgebärenden bei geplanten  Hausgeburten, im Vergleich zu Geburten, die in Geburtshäusern oder in der Klinik geplant waren, höher?

Der Geburtsort beeinflusst die Geburt


Beim Übersetzten des Artikels von  Nummer III der „Six healthy Birth Practices“ von Lamaze ist mir aufgefallen, dass darin überhaupt nicht auf den Geburtsort eingegangen wurde.

Meiner Meinung ist es jedoch auch wichtig, dass die Frau dort gebären kann, wo sie sich sicher und wohl fühlt. Hier in Deutschland gibt es vielerorts die Auswahlmöglichkeit zwischen zu Hause, Geburtshaus und Krankenhaus. In Großstädten kann man sogar zwischen verschiedenen Krankenhäusern, Geburtszentren und Hausgeburtshebammen wählen.

Zu der Frage, ob der Geburtsort noch einen weiteren Einfluss hat, lassen sich eine Reihe von Studien heranziehen. Aber erstmal möchte ich Studien zur Sicherheit außerklinischer Geburten vorstellen. Die deutschen Studien der letzten Jahre haben eindeutig gezeigt, dass die Sterblichkeit von Mutter und Kind sich nicht nach Geburtsort unterschiedet. Und zwar unter der Voraussetzung, dass es sich bei den Hausgeburten um geplante, von Hebammen begleitete Geburten ohne vorher ersichtliches Risiko handelte.

Einige Studien hierzu findet ihr hier:

http://www.quag.de/content/publikationen.htm

Ein weiteres Ergebnis dieser deutschen und auch vieler internationalen Studien ist, dass die Anzahl der Geburtsverletzungen (Riss- oder Schnittverletzungen, vaginale Operationen, Kaiserschnitte) von Frauen in den Kliniken um einiges höher war, ebenso erhöht waren die durchgeführten medizinischen Eingriffe an den Neugeborenen  in den Kliniken (Wiederbelebungen, Sauerstoff in den ersten 24 Stunden). Alles Situationen die ein Trauma hervorrufen können. Dazu möchte ich noch anmerken, dass bei all diesen Studien ähnliche Risikogruppen der Gebärenden herangezogen wurden, d.h. von vorneherein als  Risikogeburten  eingeschätzte Geburten in Kliniken wurden nicht in die Studien aufgenommen. Ein Beitrag dazu zum Nachlesen im Deutschen Ärzteblatt :

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37926/Geplante_Hausgeburt_so_sicher_wie_Entbindung_in_der_Klinik.htm

Aus dieser Reihe von Studien kann man schließen, dass die Wahl des Geburtsortes doch einen großen Einfluss auf den Geburtsverlauf und auf das Geburtserlebnis hat. Eine natürliche Geburt wird man wohl eher außerklinisch erleben.

Eine Zahl möchte ich hierzu noch angeben. 2008 lag die Kaiserschnittrate bei geplanten Hausgeburten (natürlich nach Verlegung) im bundesweiten Durchschnitt bei 8,6%.  Bei 6% aller Geburten handelte sich dabei um einen Sekundären Kaiserschnitt, d.h. die Frau hatte zuvor schon einen Kaiserschnitt.  Die bundesweite Kaiserschnittrate lag  nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 2008 bei 30,2%,. Damit hat sich seit 1991, dem Beginn der statistischen Erhebungen auf bundeseinheitlicher Rechtsgrundlage, der Anteil der Kaiserschnittentbindungen fast verdoppelt. Die Rate der Schnittentbindungen lag damals bei 15,3%.

Interessant finde ich auch den Ländervergleich.  2008 wurden im Saarland anteilig die meisten Kaiserschnittentbindungen (36,8%)  vorgenommen, gefolgt von Bremen (33,0%) und Hessen (32,9%). In Sachsen wurde dagegen nur bei etwa jeder fünften Entbindung (21,7%) ein Kaiserschnitt durchgeführt. Allerdings beinhalten diese Zahlen des Statistischen Bundesamtes alle Geburten, auch Risikogeburten.

Die Anzahl der Schnittentbindungen variiert nicht nur im Ländervergleich, sondern auch von Klinik zu Klinik, von Geburtshelfer zu Geburtshelfer. Hier hilft nur persönliches  Nachfragen oder Internetsuche. Manchmal gibt es eindeutige Hinweise auf persönliche Einstellungen hinsichtlich natürlicher Geburt versus Schnittentbindung, in Veröffentlichungen einzelner Ärzte.

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