Vermeiden von ungünstigen Kindslagen


Runter vom Sofa!

Nein´, ganz so schlimm ist es auch nicht. Aber nicht zurückgelehnt im auf dem Sofa sitzen, sondern, viel besser, gleich hinlegen und zwar auf die Seite, oder, so weit wie möglich, auf den Bauch. Wenn Sitzen notwendig ist, dann aufrecht Sitzen (siehe Abb 10), denn eine aufrechte Haltung animiert das Baby dazu, eine vorteilhafte vordere Lage einzunehmen (siehe auch Lebensweise und Geburt und Lebensweise und Kindslage) .

Abb 10: besseres Sitzen

Becken aufgerichtet, Sitzen auf den Sitzbeinhöckern
Becken aufgerichtet, Sitzen auf den Sitzbeinhöckern

So aufrecht zu sitzen ist natürlich anstrengender, vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber da das Sitzen sowieso nicht die optimale Haltung beim Ausruhen ist, sondern das Liegen, gewöhnt man es sich am besten spätestens jetzt fürs ganze Leben an.

Beim Autofahren sitzt man meist ebenfalls in einer posterioren Haltung. Zum Glück sind Autositze inzwischen gut verstellbar und lassen sich in eine  Position, welche ein aufrechteres Sitzen ermöglicht, bringen.

Weitere günstige Positionen

  • Aufrechtes Stehen und Gehen, das Becken aufgerichtet und die Hüftknochen nicht nach hinten gekippt.
  • Nach vorne gelehntes Stehen
  • In die Hocke gehen und den Popo dabei  herausstrecken, keinen runden Rücken machen Anleitung von Katy Bowman
  • Aufrechtes oder nach vorne gelehntes Knien (z B auf Kissen, oder Kniehocker)
  • So häufig wie möglich, sich in den Vielfüßlerstand begeben oder auf allen Vieren krabbeln
  • Brustschwimmen

Wie oft, wie lange?

Die oben genannten Körperstellungen sollten in das gesamte Leben mit eingebaut werden. Bei Sport und Freizeitaktivitäten sollte immer darauf geachtet werden, dass alles aufrecht oder nach vorne gebeugt ausgeführt wird, ebenso bei der Arbeit:

  • Computer höher stellen – kleine Kiste oder Regal darunter, das muss gar nichts kosten – und im Stehen arbeiten
  • Spielen mit größeren Geschwistern des Babys auf allen Vieren, Lesen mal auf allen Vieren …
  • Gehen mit aufgerichteten Becken
  • den Boden oder die Treppe auf allen Vieren oder kniend wischen,
  • beim Sitzen immer sich aufrichten und sich evtl dabei aufgerichtet nach vorne lehnen, bewegliche Sitzunterlage bevorzugen
  • beim Schwimmen Brustschwimmen bevorzugen,
  • zum Ausruhen hinlegen

Kurzzeitig nur eine Übung ausführen, wie z B 2xtäglich für 10min  den Vierfüßlerstand einnehmen, hat in einer Studie keinerlei Effekt gezeigt.  Es ist wichtig, spätestens ab der 32ten Woche auf die Körperhaltung zu achten, so dass sich das Kind, von vorne herein, in eine günstige vordere Hinterhauptslage begibt. Hat das Baby doch eine schlechtere Kindslage eingenommen, dann sollte, so oft wie möglich, eine nach vorne lehnende Position eingenommen werden, auf allen Vieren gekrabbelt und zum Brustschwimmen gegangen werden.

Welchen Einfluss hat unsere Lebensweise, unsere Körperhaltung auf die Lage des Kindes in der Gebärmutter?


Alle Schwangeren sind in den Wochen vor der Geburt mit dem Gedanken beschäftigt: Wie liegt mein Kind? Liegt es richtig herum? Ist der Kopf unten? Bei einer Kopflage sind sie dann beruhigt und gehen davon aus, dass sich das Baby damit in der bestmögliche Geburtsposition befindet. Eine Reihe von Geburtshelfern ist sich da nicht so sicher.

Sie sind überzeugt davon, dass die häufigsten Ursachen für schwierige, lang andauernde oder schmerzhafte Geburten bestimmte Kindslagen und Einstellungen des Kindes sind. Einen kleinen Überblick möglicher Kopflagen gibt die „Fetal Compass Rose“ von spinningbabies, siehe Abb. 8

Abb.8  aus spinningbabies

The Fetal Compass Rose - verschiedene Kindslagen

The Fetal Compass Rose - verschiedene Kindslagen

Die meisten mit dem Kopf nach unten liegenden Babys drehen sich während der Geburt in verschiedene Positionen. Dabei gelten einige Positionen als Einstellungs- und Haltungsanomalien, welche den Geburtsfortschritt verzögern können.  Als Stellungen, die, wenn sie längere Zeit anhalten,  Problem machen können, gelten  die Dorso-Posterioren Stellungen (siehe Abb. 8 OT – eigentlich ROT, aber das R ist auf der Abb. 8 verschwunden, ROP, OP) und Querstand der Pfeilnaht (siehe Abb. 8 LOT). Dazu kommen noch die persistierenden asynklitischen Kopfhaltungen, dh, das Baby winkelt beim Tiefertreten den Kopf nicht ab und erschwert die Rotation und das Tiefertreten.

Dorso-Posteriore Stellungen können schon den Beginn der Geburt negativ beeinflussen. Die Eröffnungsperiode zieht sich dann über einen langen Zeitraum hin und, trotz sehr schmerzhafter Wehen, öffnet sich der Muttermund nur sehr zögerlich.  Oft verliert die Mutter, angesichts der großen Anstrengung schon zu Beginn der Geburt, den Mut und den Glauben daran, das Kind aus eigener Kraft gebären zu können.

Hilfreich sind in dieser Situation Lageveränderungen der Mutter, die das Kind bei der Rotation unterstützen können (siehe auch „Schwierige Geburten leicht gemacht“ von Penny Simkin und Ruth Ancheta). Oft wird aber mit Wehenmitteln (künstliches Oxytocin) nachgeholfen, da die Ursache nicht in der Kindslage, sondern in zu schwachen Wehen vermutet wird.

Was haben denn die Dorso-Posterioren Stellungen mit unserer Lebensweise zu tun?

Neben vielen anderen gehen J. Sutton, P. Scott und G. Tully davon aus, dass eine bestimmte Körperhaltung zu einem vermehrten Auftreten der Dorso-Posterioren Stellung (= hintere Hinterhauptslagen) des Babys bei Geburtsbeginn führt.  Dummerweise ist diese Körperhaltung genau diese, in der wir uns so gerne befinden – bequem in einen Stuhl/Sessel/Couch/Sitz gelümmelt, lesend, beim Fernsehen, am Computer, beim Telefonieren etc…… Sitzt die werdende Mutter so angenehm, das Becken nach hinten gekippt, das Gewicht auf dem Kreuz- und Steißbein, so ist die komfortabelste Position des Babys eine posteriore oder die  ROA (siehe Abb.8). Die ROA Stellung, die ja nicht zu den Posterioren Kindslagen gehört, birgt die Gefahr, dass sich das Baby bei Beginn der Geburt in die Posteriore Stellung dreht, denn sehr viele Babys haben die Tendenz, sich in der Geburt links herum zu drehen. Im Verlauf der letzten 20 Jahre konnte eine Zunahme der hinteren Hinterhauptslagen bei der Geburt ferstgestellt werden. Diese Zunahme ist wohl unserer veränderten Lebens- und Sitzweise geschuldet.

Abb 9: So bitte nicht hinsetzen, oder besser gesagt, nicht so „abhängen“

Becken beim Sitzen nach hinten gekippt, unterer Rücken gerundet

Becken beim Sitzen nach hinten gekippt, unterer Rücken gerundet

Welche Körperhaltung und welche Lebensweise günstiger ist, folgt im nächsten Blogartikel.

Welchen Einfluss hat unsere Lebensweise, unsere Körperhaltung auf Geburten?


Folgendes habe ich im Webinar „NO MORE KEGELS“ von Katy Bowman gelernt.

Katy Bowman ist Wissenschaftlerin  in der Fachrichtung Biomechanik und beschäftigt sich mit der Biomechanik des menschlichen Körpers. Dazu ist sie Leiterin desRestorative Exercise Institute . Außerdem hat sie eine Reihe von DVDs unter dem Programmtitel  \“Aligned and Well\“ herausgeben und  schreibt den Blog „katysays„.

Bevor ihr weiterlest, schaut euch, zum besseren Verständnis,  die beiden letzten Blogartikel an. Falls ihr die schon gelesen habt, geht es hier weiter:

Einfluss der Form des Beckens auf die Geburt

Am besten für die Geburt wäre wohl ein runder Beckendurchgang, aber der übliche optimale Beckendurchgang ist oval geformt (siehe schematische Abb. 6). Diese Beckenform wird gynecoid genannt. Ca. 50% aller Frauen haben ein Becken mit dieser typischen Form.

Gynecoide Beckenform

Gynecoide Beckenform

Die weiteren typischen Formen sind Platypoid, Android und Anthropoid, diese Formen sind nicht ganz so optimal und führen oft zu Geburtshindernissen. Im Zusammenhang mit unserer sitzenden Lebensweise und der verbreiteten Körperhaltung dabei ist das platypoide Becken von besonderem Interesse (siehe Abb. 7).

Abb. 7

platypoides Becken

platypoides Becken

Eigentlich ist die Ausprägung der Beckenform genetisch festgelgt. Aber wandert das Steißbein aufgrund unserer Lebensweise und unserer falschen Sitzhaltung nach Innen, in den Beckenraum hinein, so verändert dies natürlich den Durchmesser, der dem Baby für sein Hindurchkommen zur Verfügung steht.  Ein gynecoides Becken wird durch den andauernden Druck auf das Steißbein in Richtung eines platypoiden Beckens verändert. Vergleicht man die Durchmesser zwischen Schambein und Sacrum dieser Beckenformen, so wird deutlich, dass das platypoide Becken über einen geringeren Durchmesser verfügt.

Gibt es einen Zusammenhang  mit den steigenden  Kaiserschnittzahlen?

Eine  Folge dieser Veränderungen könnte eine Zunahme an schwierigeren Geburten sein. Vielleicht beobachten wir schon genau dies in dem rasant steigenden Anteil von Kaiserschnittentbindungen an den Geburten. Als mögliche weitere  Ursache dafür,  muss  auch an die Verengung des Geburtskanals, aufgrund unserer sitzenden Lebensweise und unserer ungünstigen Körperhaltung, gedacht werden.

Was kann man tun?

Erstmal natürlich ein Bewusstsein für den Zusammenhang von Körperhaltung, Lebensweise und Geburten schafften und zwar am besten  noch vor der Schwangerschaft. In der Schwangerschaft dann auf  die Körperhaltung und ihren Einfluss auf die Geburt eingehen. Geeignete Übungen in die Schwangerschaftsgymnastik mit einbauen. Die Rückbildungsgymnastik darauf hin überprüfen, ob zu viel Übungen dabei sind, die darauf ausgelegt sind den Beckenboden anzuspannen und genügend Ausgleichsübungen und Relaxion des Beckenbodens mit angeboten werden. Gerade in der Schwangerschaft und in der Rückbildungszeit sind die Knochen des Beckens noch relativ beweglich zueinander. Deshalb ist diese Zeit besonders wertvoll zum Ausgleich, aber unterliegt eben auch der Gefahr, die Ausgangslage für eine Geburt (oder für nachfolgende Inkontinenz- und Senkungsbeschwerden) noch weiter zu verschlechtern.

zwei einfache Übungen:

  1. Mehrmals täglich, mit möglichst weit heraus gestrecktem Popo (Rücken gerade, nicht gerundet) , in die Hocke gehen und dabei den Beckenboden bewußt entspannen – und noch mehr entspannen ……
  2. So wenig wie möglich sitzen (runter vom Sofa, Stehpult anschaffen, Computer hoch stellen etc.), zum Ausruhen lieber gleich hinlegen. Wenn Sitzen dann doch nötig ist, sich aufrecht, immer auf die Sitzbeinhöcker setzen und verschiedene Sitzgelegenheiten nutzen (Stuhl, Ball, Bewgungssitzkissen).  Die einfachsten Übungen sind oft die schwersten.

Gibt es noch weitere Probleme mit unserer Sitzhaltung und schwieriger Geburten?

In einigen Quellen wird davon ausgegangen, dass unsere nachlässige Sitzhaltung noch einen weiteren ungünstigen Effekt auf die Geburt hat, und zwar hinsichtlich der  Position des Babys in der Gebärmutter. Darauf gehe ich im nächsten Artikel ein.

Welchen Einfluss hat unsere Lebensweise, unsere Körperhaltung und Beckenbodenübungen auf unseren Beckenboden?


Folgendes habe ich im Webinar „NO MORE KEGELS“ von Katy Bowman gelernt.

Katy Bowman ist Wissenschaftlerin  in der Fachrichtung Biomechanik und beschäftigt sich mit der Biomechanik des menschlichen Körpers. Dazu ist sie Leiterin desRestorative Exercise Institute . Außerdem hat sie eine Reihe von DVDs unter dem Programmtitel  \“Aligned and Well\“ herausgeben und  schreibt den Blog „katysays„.

Wie häufig sind Beckenbodenprobleme?

Probleme mit dem Beckenboden sind sehr häufig und nehmen mit dem Alter zu. Man muss davon ausgehen, dass 8 von 10 Menschen einmal in ihrem Leben ein Problem bekommen werden. Unabhängig von der steigenden Lebenserwartung nimmt die Häufigkeit von Inkontinenz und Senkungen zu.

Warum die Zunahme?

Eine  Ursache ist das Leben im Sitzen. Wir arbeiten im Sitzen, verbringen viel Freizeit im Sitzen, fahren im Sitzen Auto, sitzen auf der Toilette, etc….

Verstärkt wird die negative Auswirkung unseres Sitzens noch durch die Art und Weise wie wir sitzen. Früher saß man meist aufrecht auf eher harten Stühlen. Es wurde viel Wert auf das aufrechte Sitzen bei Tisch, bei der Arbeit oder in der Schule gelegt. Ein gemütliches Anlehnen und „Lümmeln“ war nur alten und kranken Personen erlaubt.

Beim aufrechten Sitzen sitzt man auf den Sitzbeinhöckern. Sacrum (Kreuzbein) und Coccyx (Steißbein) schweben über der Sitzfläche (siehe Abb. 1 a).

Beim bequemen Anlehnen im weichen Sessel, auf der Couch, im Autositz, aber auch bei der Arbeit,  sitzen wir nicht auf den Sitzbeinhöckern, sondern auf dem Steißbein. Unser Becken ist nicht aufrecht, sondern nach hinten (posterior) gekippt (siehe Abb. 1 b)

Abb.1

Beckenstellung beim Sitzen

Stellung des Beckens beim Sitzen

Was bedeutet diese Veränderung der Lebensweise für unser Becken und den Beckenboden?

Durch den ständigen Druck beim Sitzen durch das Gewicht unseres Oberkörpers auf das Steißbein, wandert dieses langsam Richtung Schambein. Da es mit dem Kreuzbein verbunden ist, wird auch das Kreuzbein mit nach innen ins Becken gezogen. Damit ändert sich unsere Beckengeometrie:

Die Muskeln des  Beckenbodens verlieren an Spannung. Dies verdeutlicht folgende Zeichnung:

Abb. 2

Der Beckenboden (rot gezeichnet) verliert an Spannung, hängt durch

Der Beckenboden (rot gezeichnet) verliert an Spannung, hängt durch

Um wieder den Tonus zu erhöhen, muss der Körper die betroffenen Beckenbodenmuskeln verkürzen und dies tut er auch. Dabei werden die Muskeln aber kürzer und dicker, entwickeln mehr Tonus (Hypertonie), aber verlieren an Stärke.

Abb.3

Verkürzung des Beckenbodens

Verkürzung des Beckenbodens

Aber hier hilft  doch Beckenbodentrainung – oder?

Der kürzere Muskel muß jedoch das gleiche Gewicht an Organen tragen, wie vorher. Überfordert ihn dies, so kann es  zur Inkontinenz und später zu Senkungen kommen. Dagegen werden dann Beckenbodenübungen (zB Kegelübungen etc.) verschrieben.  Diese helfen fürs erste, aber oft kommt es dazu, dass durch diese Mulkelanspannungen das Steißbein noch näher an das Schambein herangezogen wird (siehe Abb. 4) und der Kreislauf beginnt von vorne. Sitzen auf dem Steißbein und das nach Innen wandern des Steißbeines kann auch zu starken Schmerzen an Steiß- und Kreuzbein führen.

Abb. 4

Weiter nach Innen ziehen des Steißbeins durch Beckenbodenübung

Weiter nach Innen ziehen des Steißbeins durch Beckenbodenübung

Das Steißbein wandert immer weiter in das Becken, der Abstand zwischen Sacrum und Schambein wird immer kürzer und die Beckenbodenmuskeln werden immer schwächer, weil:

  • wir zu häufig auf dem Steißbein sitzen.
  • die Muskeln, die das Kreuzbein mit dem Steißbein nach außen ziehen könnten, zu schwach ausgebildet sind.
  • Beckenbodenübungen die Muskeln verkürzen. Dies hilft kurzfristig, aber die Muskeln verlieren an Stärke.

Diese nach Innenbewegung des Steißbeines führt natürlich auch zu Problemen bei Geburten!

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